Neustadt „Ich werde das Publikum in Neustadt vermissen“

Placeholder-Image

Neustadt. Janusz Gogola trainiert die Wasserball-Mannschaft des SC Neustadt seit dem Bundesliga-Aufstieg im Sommer 2012. Im Herbst 2014 erklärte der 54-Jährige überraschend seinen Rücktritt bis Januar. Sein Nachfolger, Dragan Matutinovic, ist jetzt in Neustadt eingetroffen und hat das Training übernommen, zumal Janusz Gogola für das Pokalspiel am Samstag in Hannover gesperrt fehlte. Beim Heimspiel am Samstag, 17. Januar, wird Gogola offiziell im Stadionbad verabschiedet. Im RHEINPFALZ-Interview sprach er über seine Pläne und die Perspektiven des SCN-Teams.

Herr Gogola, Sie waren fast täglich in Neustadt – meutert Ihre Familie schon, wenn Sie demnächst so viel Freizeit zu Hause verbringen?

Nach 30 Jahren Trainertätigkeit habe ich eher Nachholbedarf, mit meiner Familie die Abende zu verbringen. Ich habe ja noch drei Kinder im Alter von 23, 13 und sechs Jahren. Wir befinden uns noch in der Planungsphase, für welchen Aufgabenbereiche ich zuständig sein werde, zum Beispiel mit dem Hund Gassi gehen, Söhne zum Sport bringen und so weiter. Sie haben die Spiele des SCN mit Herzblut gecoacht, vorbereitet und am Beckenrand mitgefiebert. Sie übergeben das Team auf Platz eins der B-Gruppe. Was geht in Ihnen jetzt vor? Jedes Jahr hat die Mannschaft durch viele Ab- und Zugänge ein neues Gesicht präsentiert. Für mich war es wichtig und reizvoll, diese Aufgabe zu bewältigen. Diesmal hat es besonders gut geklappt, obwohl ich bei der Zusammensetzung des Teams wenig Einfluss ausüben konnte. Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden. Mein Nachfolger übernimmt die Aufgabe hauptberuflich und wohnt sogar in Neustadt, da kann er sich voll auf das Team konzentrieren. So ist die Mannschaft optimal betreut. Ihre Entscheidung, im Januar aufzuhören, fiel relativ kurzfristig. Was hat Sie dazu bewogen? Ich habe die Trainertätigkeit in Neustadt angenommen, weil ich meine berufliche und private Zukunft in Neustadt sah. Mein Sohn hat beim SCN in der Jugendmannschaft gespielt, hatte sogar mehrere Freunde, und ich war eigentlich mit dem Team erfolgreich. Im Sommer vor der Saison ist mir jedoch klar geworden, dass dies eine Wunschvorstellung war. Mir gelang es nicht, eine geeignete Arbeitsstelle im Raum Neustadt zu finden. Die Vorbereitung zur neuen Saison war in meinen Augen zum wiederholten Mal enttäuschend verlaufen. Mir ist klar geworden, dass ich noch mehr Zeit investieren muss, um die Mannschaft weiterzubringen. Parallel dazu musste ich ja noch meinem Hauptberuf als Lehrer an einem Frankfurter Gymnasium gerecht werden. Das kostet auch eine Menge Zeit. Und dies war für meine Familie unzumutbar. Daher habe ich mich so entschieden. Wenn Sie an die 2,5 Jahre zurückdenken, welche Momente bleiben Ihnen in besonderer Erinnerung? Das war in der vergangenen Saison der Sieg gegen Wedding und der damit verbundene Klassenverbleib. Aber auch im ersten Bundesligajahr der Erfolg gegen White Sharks Hannover. Beide Teams waren zunächst deutlich besser bewertet als der SCN. Ich werde das Publikum in Neustadt vermissen, das verstanden hat, die gute Leistung unseres Teams anzuerkennen und uns stets unterstützt. Ich denke auch an die beiden Trainingslager in Eger in Ungarn, vor allem an das zweite. Wir fuhren nach dem Sieg in Berlin nach Eger und begannen sofort mit der Vorbereitung auf die Platzierungsspiele, was sich gelohnt hat. Wir belegten dann den zehnten Platz. Das Team hatte eine sehr professionelle Einstellung gezeigt. Mit Dragan Matutinovic kommt ein Kroate als Nachfolger. Sie selbst haben bisher schon ein richtiges Multi-Kulti-Team beim SCN gecoacht. Neben den deutschen Spielern sind Amerikaner, Ungarn und Spanier sowie Bojan Matutinovic, der Sohn des neuen Trainers, in der Mannschaft. Sie selbst kommen aus Polen. Für die Spiele haben Sie komplizierte Taktiken ausgetüftelt. In welcher Sprache haben Sie sich mit den Spielern verständigt und Ihre Ideen verdeutlicht? Es wird in der Regel die Landessprache benutzt, die Spieler haben untereinander die Übersetzung übernommen. Ich arbeite im Training viel mit Videoanalysen und Taktiktafel. Somit waren verschiedene Spielsysteme ausgearbeitet und nummeriert oder genannt. Im Spiel musste man taktische Varianten nur noch ansagen. Das macht es einfacher. Welche Informationen übermitteln Sie Ihrem Nachfolger? Da sich die Mannschaft ab 19. Dezember zum größten Teil in Heimaturlaub befand, gab es auch kein Training. Ich wollte das Training eigentlich nur eine Woche in der Weihnachtszeit unterbrechen. Mit den Urlaubsplanungen hat es aber immer Schwierigkeiten gegeben. In Neustadt spielen eben sehr viele Auswärtige. Dragan wird sicher von seinem Sohn Bojan entsprechend über die Stärken der Mannschaft informiert werden, ich selbst werde dann alles andere noch ergänzen. Der Start für Dragan wird mit dem Pokalspiel in Hannover und dem Heimspiel gegen Krefeld nicht einfach werden, das sind zwei sehr starke Mannschaften, dazu kommt unsere lange Weihnachtspause. Was trauen Sie der Mannschaft noch zu, nachdem Sie das Team ungeschlagen auf Platz eins der B-Gruppe geführt haben? Ab Mitte Januar soll das Team noch mit Kevin Oliveira, einem neuen, sehr guten Spieler, der mit der brasilianischen Olympiamannschaft trainiert, verstärkt werden. Zudem kann nach langer Verletzungspause David Csente wieder spielen. Es könnte also alles drin sein mit einem Aufstieg in die A-Gruppe. Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus? Noch habe ich keine konkreten Pläne. Ich werde an Fortbildungen teilnehmen, das habe ich vermisst. In den vergangenen Jahren habe ich mehrere Nachfragen zu Trainingstätigkeiten erhalten, habe mich aber noch nicht entschieden. Ich weiß gar nicht, ob ich noch als Trainer tätig sein werde. Dem Sport bleibe ich aber treu. Die Neustadter Fans haben Sie ins Herz geschlossen. Können Sie sich vorstellen, einmal wieder den SCN zu trainieren? Eher nicht. Es waren spannende Momente, die wir gemeinsam erlebt haben, aber wenn, dann würde ich nur noch Trainertätigkeiten annehmen, die auch mein soziales Umfeld berücksichtigen. Das hat nun bei meinem Nachfolger besser geklappt, er wohnt hier in Neustadt. Meine Stärken sind Planung und Steuerung eines langjährigen Trainingsprozesses. Dies konnte ich aber aus unterschiedlichen Gründen hier nicht umsetzen. Werden Sie zum Abschied beim Spiel gegen Krefeld im Stadionbad sein? Ich bin natürlich der treueste Fan meiner Mannschaft. Und wenn die Zeit es erlaubt, werde ich mir viele Spiele anschauen. Ob das gegen Krefeld der Fall ist, liegt bei meinem Arbeitgeber. Ich muss noch einen Termin dafür verlegen. Als Trainer werde ich dieses Spiel des SCN nicht mehr betreuen.

x