Meckenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Historisches Fechten: Eigene Abteilung im SV Meckenheim

Jeden Dienstag wird auf dem Sandplatz in Meckenheim geübt.
Jeden Dienstag wird auf dem Sandplatz in Meckenheim geübt.

Sie nehmen teils einen weiten Weg zur Übungseinheit auf sich. Die Mitglieder der Abteilung Historisches Fechten gehören zum SV 05 Meckenheim. Für diesen besonderen Sport gibt es einige historische Vorlagen.

Jeden Dienstagabend trainieren neben der Verbandsgemeindehalle in Meckenheim eine Reihe wild aussehender Gesellen und Gesellinnen. Und das teils in historischer Bekleidung. Bei „T-Rox“, der Abteilung Historisches Fechten des Sportvereins, geht es mit Waffen und Techniken des frühen Mittelalters zur Sache. Und das bei jedem Wind und Wetter.

Seit Ende letzten Jahres ist das Historische Fechten eine Abteilung des Sportvereins SV 05 Meckenheim. Initiiert hat das Abteilungsleiter Christian Kollmayer, der als Handballer schon über Kontakte zu dem Verein verfügte. Für ihn und die rund 50 Mitglieder der Gruppe bedeute das, jetzt noch besser organisiert zu sein und sich auch mehr engagieren zu können. So wollen die Fechterinnen und Fechter beispielsweise das alte Bleichhäuschen auf dem Hartplatz, den sie fürs Training nutzen, renovieren.

Bei Wind und Wetter

Ein Vorteil sei es auch, dass sie als Abteilung des Vereins die sanitären Anlagen und Umkleiden nutzen können. Ja, auch die Halle könnten sie nutzen, wenn sie das denn wollten, sagt dazu Robert Rost. Er ist, wie auch Christian Kollmayer, einer der Trainer. Aber man ziehe es doch vor, bei Wind und Wetter draußen zu fechten.

Wobei das Fechten nur ein Teil des „Reenactment combat fighting“ ist. So lautet die offizielle Bezeichnung. Die Gruppen, die diese Randsportart betreiben, entscheiden sich in der Regel für den Stil einer bestimmten Epoche. T-Rox hat sich für das mitteleuropäische Frühmittelalter entschieden, in dem „die Ritter von Meckenheim“ zur Schutz- und Kampftruppe der Burg Wachenheim und der Hardenburg in Bad Dürkheim gehörten. Wie die Recken (sicher waren auch damals schon Frauen dabei) damals gefochten und gekämpft haben, lässt sich aus Abbildungen und Beschreibungen zumindest annähernd erschließen.

Punktesystem für Treffer

Der Kampfstil in dieser Halbkontakt-Kampfsportart aber „ist gewachsen und weiterentwickelt“, sagt Kollmayer. „Wir kämpfen nach einem Punktesystem. Und nach festen Regeln.“ Die Stunden auf dem Gelände in Meckenheim dienen dabei lediglich der Übung. Bei Treffen mit Gleichgesinnten, zum Beispiel in Polen, Schweden oder Dänemark, stehen sich da bis zu 600 Teilnehmer gegenüber. „Wir machen Freikämpfe“, erläutert Robert Rost, „keine Schaukämpfe“. Die Gruppe belebt mit ihrem Kampftechniken und historischen Kostümen aber auch historische Orte wie das Wikingermuseum Haithabu in Schleswig-Holstein.

Gerade dieses Zusammenspiel von Sport und historischem Kontext mache den Reiz dieser Sportart aus, sagt Robert Rost. „An Historie interessiert sind alle, die hier mitmachen.“ Und körperlich fit. „Auch das soziale Miteinander spielt eine große Rolle. Es geht durch alle soziale Schichten.“ Kurz: „Die Gemeinschaft passt“, bringt es Kollmayer auf den Punkt, zumal auch Frauen und Jugendliche sich in diese Sportart einbringen können; wobei das Mindestalter bei 13 Jahren liegt und für die Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren die Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten erforderlich ist.

Geschulte Bewegungen

Trainiert und nach einem festgelegten Treffersystem gekämpft wird mit stumpfen Waffen des Frühmittelalters, dazu gehören Schwert, Axt, Einhandspeer, Zweihandspeer und Dänenaxt. Zum Schutz dienen neben Helm und Schild nach altem Vorbild auch moderne Systeme wie Knie- und Ellenbogenschoner. Die mittelalterliche Kleidung nähen viele selbst, sagt Kollmayer, „es gibt aber auch Händler und Näherinnen dafür. Man bekommt damit auch wieder ein Gespür für die Handarbeit.“ T-Rox in Meckenheim „ist die größte Trainingsgruppe im Südwesten“, betonen Kollmayer und Rost. Mitglieder nehmen da oft auch zwei Stunden Fahrzeit in Kauf, um hier mitzumachen. Und so entwickelt sich jeden Dienstag lebhaftes Treiben. Da werden in kleinen Gruppen Fechtstöße und ihre Abwehr geübt, zwei Frauen stehen sich in einem Einzelkampf mit dem Schwert gegenüber. Trainer Kollmayer hält sich gleich eine ganze Gruppe von Angreifern mit der zwei Meter langen Dane-Axt vom Leib. Die lässt sich wie der 250 Zentimeter lange Speer nur mit beiden Händen führen.

„Jeder Durchgang“ erläutert Kollmayer, „schult verschiedene Fähigkeiten und Bewegungen.“ Den Abschluss des Trainings – wie auch großer Veranstaltungen – bildet der „Circle of Honour“ mit Duellen nach dem K.o.-System.

Info

Trainiert wird dienstags, 18.30 bis 21 Uhr, an der Verbandsgemeindehalle in Meckenheim in der Rödersheimer Straße. Weitere Infos unter www.facebook.com/TrainingsgruppeTRox, E-Mail schwertkampf-t-rox@gmx.de, c.kollmayer@sv05meckenheim.de.

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