Neustadt Hertie-Investor mit Plan B
Devello AG und Moses-Gruppe streiten über Zusammenarbeit in Bottrop - Investor: Neustadter Projekt nicht gefährdet
Ziehen über dem Hertie-Umbau wieder dunkle Wolken auf? Am Donnerstag hat die für das ehemalige Karstadt in Bottrop gegründete Moses GmbH Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen nennt als Grund die Bauarbeiten an dem Gebäude, die die Devello AG als Vermieter nicht wie zugesagt abschließen könne. Moses hat in Bottrop von Devello 7000 Quadratmeter gemietet. Für den Standort Neustadt, der im Frühjahr 2020 eröffnet werden soll, gibt es einen Mietvertrag zwischen Devello und Moses über rund 6000 Quadratmeter.
Moses-Manager: Kein Zusammenhang mit Neustadt
Moses-Geschäftsführer Norbert Wittenberg kam der RHEINPFALZ-Bitte um einen Rückruf gestern nicht nach. Dafür meldete sich Henry Bühler, der Filialleiter von Bottrop. „Wir kommen hier so nicht weiter, wie wir uns das vorgestellt haben. Es gibt kein richtiges Schaufenster, durch das Dach läuft Wasser in unsere oberste Etage und die Bauarbeiten für das Hotel auf dem Dachgeschoss verschieben sich weiter nach hinten“, nennt er als Gründe für Umsatzprobleme. Einkaufen sei mit Wohlfühlen und Emotionen verbunden. Das sei in Bottrop auf einer Baustelle derzeit nicht möglich und sorge dafür, dass die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht werden könnten. „Wir stehen vor einer juristischen Auseinandersetzung mit Devello. Es handelt sich hier um eine geplanten Insolvenzantrag mit dem Ziel, mit dem Verwalter einen Vermittler an den Tisch zu holen, der die Probleme mit dem Vermieter für alle Beteiligten klärt“, so Bühler. Der Moses-Manager sieht keinen Zusammenhang mit dem Neustadter Projekt. Der Insolvenzantrag betreffe ausschließlich die eigenständige GmbH für den Standort Bottrop. Auch die übrigen Filialen der Gruppe seien davon nicht betroffen.
Devello-Chef: "Wir haben Redebedarf"
Der Devello-Vorstandsvorsitzende Bastian Pankow ist „sehr überrascht“ von der Entwicklung in Bottrop. Er wisse nichts von einer juristischen Auseinandersetzung mit Moses und sei am Donnerstag vollkommen kalt erwischt worden. „Wir hatten vor Weihnachten noch ein Treffen, da war davon keine Rede“, so der Chef des Hamburger Unternehmens. Wie es weitergehe, könne er nicht sagen: „Wir beginnen sozusagen heute mit den Gesprächen, müssen uns selbst erst Informationen einholen.“ Die von Moses-Vertretern in der Öffentlichkeit genannten Begründungen könne er nicht nachvollziehen. „Es war klar, dass das in den ersten Monaten noch eine Baustelle ist. Da steht auch einmal ein Kran in der Fußgängerzone. Es war aber der ausdrückliche Wunsch von Moses, möglichst früh einzuziehen, um vom Weihnachtsgeschäft zu profitieren“, so Pankow. Er sei lange in dem Geschäft, aber dass ein Einzelhandelsmieter für 15 Jahre unterschreibt und sich nach etwas mehr als drei Monaten in die Insolvenz flüchte, habe er noch nicht erlebt: „Das ist für uns ein Riesenrätsel, dass es aufzuarbeiten gilt. Wir haben Redebedarf und lassen uns nicht zum Schuldigen für eine Entwicklung machen, die wir nicht zu verantworten haben. Normalerweise lässt man das mindestens ein Jahr laufen, ehe so eine Notbremse gezogen wird.“
Eröffnungstermin Frühjahr 2020 steht
Pankow verweist auf einen rechtsverbindlichen Vertrag mit der Moses-Gruppe für den Standort Neustadt. Er gehe davon aus, dass dieser auch erfüllt werde. Wenn dieser trotzdem platzen sollte, sei das kein Beinbruch. Devello habe auch einen Plan B in der Schublade. Der Umbau in Neustadt gehe planmäßig weiter. Der Eröffnungstermin Frühjahr 2020 stehe. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Dirk Andres ist vom Amtsgericht Essen mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung der Moses Bottrop GmbH beauftragt worden. Er teilte mit, dass der Geschäftsbetrieb vorerst weitergehe. Sein Ziel sei es, für die 109 Mitarbeiter eine langfristige Lösung zu finden. Die Lieferkette sei gesichert. Die übrigen Mieter des Kaufhauses, unter anderem das Schuhgeschäft Ostermann und der Möbel-Anbieter Home 24, seien von der Insolvenz nicht betroffen. „Auch die anderen zwölf Moses-Standorte in Deutschland sind nicht Bestandteil des Insolvenzverfahrens“, so Andres.
Weigel: Noch nicht beunruhigt
Nach RHEINPFALZ-Informationen sind die Verträge in Bottrop direkt zwischen Devello und Moses vereinbart worden. In Neustadt gibt es mit der Appelhoff Retail Experts GmbH einen Vermarkter, der für die Akquise der Mieter verantwortlich ist. Dahinter steht mit Klaus Appelhoff ein ehemaliger Karstadt-Vorstand, der einst selbst als junger Verkäufer in Neustadt tätig war und als Initiator des Umbaus gilt. Auch Appelhoff-Projektleiter Horst Miltenberger gab sich gestern sehr überrascht: „Das hätte ich nie und nimmer erwartet. Wir sind sehr verwundert.“ Er bat darum, die Fragen an die Devello AG zu richten. Oberbürgermeister Marc Weigel wurde gestern in einer E-Mail von Horst Appelhoff über die Entwicklung informiert. „Natürlich ist das keine Nachricht, die ich gerne gelesen habe. Herr Appelhoff gibt sich aber zuversichtlich und verweist auch auf mögliche Alternativen, sollte Moses wirklich abspringen“, so der Oberbürgermeister. Die Finanzierung des Hertie-Umbaus stehe nach seinen Informationen, und das Projekt sei ja bereits angelaufen. Er habe aufgrund der bisherigen Kontakte ein großes Vertrauen in die Arbeit der Firma Appelhoff und sei deshalb noch nicht beunruhigt.