Neustadt
Hertie-Investor: Insolvenzverfahren in Bottrop hat nichts mit Neustadt zu tun
Christian Zöll, Geschäftsführer der Devello Immobilien AG, ist gerade auf der Rückfahrt von Bottrop nach Hamburg, als ihn die RHEINPFALZ-Redaktion am Telefon erreicht. Er dürfte aufreibende Tage hinter und noch vor sich haben. Seine erste Antwort ist deutlich: Nein, die Lage in Bottrop habe absolut nichts mit dem Neustadter Objekt zu tun. Dann schiebt Zöll nach: „Wir sind in Bottrop auch nicht in der Insolvenz, sondern haben den Antrag aus gewissen Gründen gestellt – aus rechtlichen, und weil es noch Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt.“ Mehr wolle er nicht sagen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.
Die ehemalige Karstadt-Immobilie in Bottrop diente ganz zu Anfang, als Devello 2016 in Neustadt einstieg, gern als Referenzobjekt. Im Ruhrgebiet wurde ein damals noch angesagtes Einkaufscenter entwickelt und das Innenleben des Gebäudes ganz auf den Bekleidungsfilialisten Moses als Hauptmieter zugeschnitten. Dieser sollte auch einmal in Neustadt einziehen. Indes erklärte die Moses GmbH für Bottrop schon knapp zwei Monate nach Eröffnung die Insolvenz. Darüber kam es zum Bruch mit Devello und die Pläne für Neustadt wurden beerdigt. Über die Gründe wird noch immer gestritten. Derweil herrscht in Bottrop jetzt viel Leerstand. Unter anderem noch an Bord ist die Sportstudio-Kette Easy Fitness, die in Neustadt ebenfalls vertreten sein soll.
Zöll: Neustadt autark
Auch wenn die Objektgesellschaft Bottrop zum Devello-Firmenkonstrukt gehöre und die handelnden Personen an der Spitze dieselben seien: Bei allem anderen sei die Neustadter Gesellschaft autark, unterstreicht Zöll, auch bei den Banken. Soll heißen, dass die Kreditgeber für Bottrop und Neustadt unterschiedliche seien. Daneben sei die Ausgangslage ganz unterschiedlich. Im Gegensatz zu Bottrop stehe in Neustadt der Innenausbau noch aus, „wir sind hier trotz aller Probleme bei den Bauarbeiten flexibel“.
Und auch wenn es in Bottrop Probleme gebe, liefen andere Projekte sehr gut, darunter zwei Vorhaben in Dresden und Leipzig mit einer Kombination aus Studentenwohnungen und Läden, darunter ebenfalls Easy Fitness. In Wunstorf bei Hannover sei gerade ein Nahversorgungszentrum eröffnet worden, „das wunderbar läuft“.
Alles wunderbar?
Wie wunderbar alles in Neustadt werden wird, steht indes weiter in den Sternen. Der Moses-Ersatz Hennes & Mauritz ist aus dem Spiel, dass der Neustadter Bio-Supermarkt Abraxas umzieht, scheint mehr als unwahrscheinlich, auch wenn sich alle Seiten bedeckt halten. Fest steht Easy Fitness, hinzu kämen, wie Oberbürgermeister Marc Weigel auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte, ein Lebensmittelversorger, ein Drogeriemarkt und ein Parkhausbetreiber. Darüber sprach er auch beim jüngsten Wirtschaftsfrühstück für Neustadter Unternehmer.
Weigel war über das für Bottrop beantragte Insolvenzverfahren informiert, wie sowohl der OB als auch Devello-Geschäftsführer Zöll erklärten. Dort gehe es jetzt ums Reaktivieren, nach seinem Wissensstand gebe es einen Käufer, so der Oberbürgermeister. Bei ihrem Neustadter Vorhaben unterstütze die Stadt Devello aus guten Gründen, „und nicht aus naiver Treue“. Weigel geht davon aus, dass es in den nächsten vier Wochen eine endgültige Entscheidung in Sachen Ankermieter gibt, hat „die Hoffnung auf ein gutes Ende“. Dass sich die Verhandlungen zwischen dem potenziellen Ankermieter und Devello mittlerweile über ein gutes Dreivierteljahr erstreckten, liege nicht am Investor. Bei einem gemeinsamen Gesprächstermin am Freitag, den auch Zöll bestätigt, will der OB auf ein Ergebnis dringen. Dass angesichts der aktuellen Wirtschaftslage solche Entscheidungen keinem leicht fielen, liege auf der Hand, sagte Weigel.
Kommt Wasgau?
Nach RHEINPFALZ-Information handelt es sich bei dem immer wieder in den Raum gestellten Vollsortimenter für die Innenstadt um das westpfälzische Unternehmen Wasgau, einen Lebensmitteleinzel- und -vollsortimenter mit Sitz in Pirmasens, der auch schon im Neustadter Ortsteil Geinsheim vertreten ist. Die Pressestelle des Unternehmens bestätigte auf Anfrage Gespräche, jedoch ohne Details nennen zu können. Käme Wasgau in das künftige Park- und Geschäftshaus, wäre auch die Sache mit dem Drogisten klar: Dabei kann es sich nur um Rossmann handeln, der vielerorts mit Wasgau zusammenarbeitet. Ein jüngster Wasgau -Markt wurde übrigens gerade in Kaiserslautern eröffnet. Der dortige Investor: Hans Sachs, der in Neustadt das Hotel am Saalbau samt Parkhaus realisieren will.
Parken im früheren Hertie wird künftig mehr Platz einnehmen als früher. Dazu hatte der OB beim Wirtschaftsfrühstück zusätzliche Informationen: Devello habe einen Parkhausbetreiber gefunden. Bislang war immer mal wieder angedacht gewesen, dass die Stadt sich darum selbst kümmern muss.
OB: Kümmern uns intensiv
„Wir sind sehr stark eingebunden“, versichert der Oberbürgermeister und spricht von den 14-tägigen Treffen, die vor etlichen Monaten vereinbart worden waren. In dieser Woche seien es sogar vier, inklusive des Gesprächs mit dem potenziellen Ankermieter. „Auch wenn wir nicht Herren des Geschehens sind, kümmern wir uns intensiv“, so Weigel. Er macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er heute versuchen würde, das Areal in städtischen Besitz zu bringen und für die Stadtentwicklung zu nutzen. Allerdings sei es damals die richtige Entscheidung gewesen, alles in privater Hand zu lassen: „Niemand konnte wissen, wie sich alles entwickelt, einschließlich der verschiedenen Krisen.“
Und wann geht es auf der Neustadter Hertie-Baustelle wieder weiter? Im Oktober waren die Arbeiten eingestellt worden. Vor allem deswegen, weil ein Lärm- und auch Arbeitsschutzkonzept für die letzten Betonsanierungsarbeiten erstellt werden muss. Wann es weitergeht, könne er im Moment noch nicht sagen, so Geschäftsführer Zöll. „Alles ist im Fluss.“ Der nächste große Schritt für Devello sei, auf der Zielgeraden für die Mietverträge zu sein. Parallel dazu werden an dem Lärmschutzkonzept gearbeitet.
