Neustadt Herausholen, was drin steckt
«Neustadt-Haardt.»Das 215. Mandelringkonzert im Kelterhaus der Familie Schmidt in Haardt brachte am Samstag drei Klaviertrios aus verschiedenen Epochen zusammen – und drei außergewöhnliche Musiker: Sebastian Schmidt, Sohn der Familie und Erste Violine des „Mandelring Quartetts“, den Cellisten Gustav Rivinius aus Saarbrücken, der als erster Deutscher 1990 in Moskau den Tschaikowsky-Wettbewerb gewann, und den Pianisten Guido Heinke, der aus Ludwigshafen stammt und an der Freiburger Musikhochschule und in Seoul lehrt.
Ganz offensichtlich haben die drei schon oft genug miteinander musiziert, denn das Zusammenspiel, das sie an diesem Abend boten, war von großer Perfektion. Drei Klaviertrios, drei Epochen, jeweils um eine Generation voneinander entfernt – das waren drei Welten. Das Klaviertrio G-Dur KV 564 mit drei Sätzen von Mozart entstand 1788, also drei Jahre vor seinem Tod. Es ist ein ungemein heiter wirkendes Stück, man denkt unwillkürlich an Frühling – und Frühlingsgefühle. Eine Besonderheit ist, dass der zweite Satz, das Andante, aus einem Thema mit sechs Variationen besteht. Der letzte, das Allegretto, wirkt beschwingt wie ein Tanz im Dreivierteltakt. Bei der Verteilung der „Hauptrollen“ ist Mozart sehr ausgewogen vorgegangen, alle drei Musiker wechseln sich in der Führung ab, keiner ist nur Begleiter. Von der Stimmung her und zur Vorstellung der drei Instrumentalisten war dies ein perfekter Auftakt. 40 Jahre später, etwa 1827 und damit ein Jahr vor seinem Tod, entstand das Klaviertrio in B-Dur von Franz Schubert in vier Sätzen. Es wirkt, als ob Schubert den Themenreichtum einer ganzen Sinfonie in ein Kammermusikstück pressen wollte. Es sprengt fast die kleine Form. Schubert hatte ein Trio enger Freunde für seine beiden einzigen Klaviertrios vor Augen. Seine Fantasie, Klangfarben aus den Instrumenten herauszuholen, scheint beinah unerschöpflich. Lyrisches mit fast liedhaftem Charakter, darunter aber bereits dramatische Abgründe erkennbar, die dann an die Oberfläche kommen, Tänzerisches im Rondo – Schubert zieht alle Register an Ausdrucksmöglichkeiten, und die drei Musiker holen heraus, was drin steckt. Atemlos kann das selbst beim Zuhören manchmal machen. Etwa 60 Jahre später, 1886, hat Johannes Brahms sein Klaviertrio c-Moll op. 101, ebenfalls in vier Sätzen, komponiert. Nach dem Schubert wirkte es kurz, aber es hatte seine Tücken in der technischen Ausführung. Der Hamburger Brahms zog 1866 nach Wien, und langsam, aber sicher nahm seine Kammermusik immer mehr die musikalischen Farben seiner Umgebung an. Auch in diesem Trio stecken wienerische Themen, besonders im zweiten Satz, aber auch Ungarisches. Laut und kraftvoll fängt es an in einem sehr konzentriert-kurzen ersten Satz. Dann vermag man österreichische Ländler im Dreivierteltakt herauszuhören ebenso wie ungarisch Temperamentvolles. Das alles bleibt aber nie im Volkstümlichen stecken, sondern verdichtet sich, konzentriert sich in seinen Motiven. Dabei ist alles drin, wilde Affekte, Zartes, eine hochdramatische Coda am Ende, und alles in erstaunlich knapper Form. Ob Brahms für den Klavierpart Maß genommen hat an dem Können von Clara Schumann? Wie meist war das Kelterhaus voll besetzt und die Zuhörer begeistert. Der Beifall dauerte lang. Als Zugabe gab es noch ein kleines Stück vom zweiten Klaviertrio Schuberts.