Neustadt Heimatforscher: Wo wurde Else Ritterspacher beerdigt?

Else Ritterspacher
Else Ritterspacher

Der Frankenthaler Heimatforscher Paul Theobald hat schon alles versucht, bislang erfolglos. Jetzt hofft er darauf, dass ihm die Neustadter weiterhelfen können. Allerdings betrifft seine Frage eine weit zurückliegende Vergangenheit.

Paul Theobald hat schon viel geschrieben und sich dabei unter anderem mit den Juden in Frankenthal befasst. Der heute 72-jährige Heimatforscher aus Passion beißt aber mit einer Frage seit geraumer Zeit auf Granit: Wo wurde die Urne von Elisabetha Ritterspacher beigesetzt, deren Leichnam nach der Trauerfeier am 25. April 1952 in der Neustadter Friedhofshalle zunächst ins Krematorium nach Mannheim kam. Ab dann verliert sich sozusagen jede Spur.

Elisabetha Ritterspacher, genannt Else, war eine geborene Hené und zu ihrer Zeit als pfälzische Mundartdichterin bekannt. Bei zahlreichen Veranstaltungen trug sie damals ihre Pfälzer Verse vor, schrieb sogar selbst ein Lied, das sie den Frankenthalern widmete. Ein Gedichtband hieß „E frohi Pälzer Stunn“.

Von Nazis verfolgt

Verheiratet war Else mit Ludwig Ritterspacher, einem Juristen und demokratischen Politiker. Während des Dritten Reichs wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt, wie Paul Theobald recherchiert hat. Geboren in der Westpfalz, heiratete er seine damals 21-jährige Elisabetha 1919 in Pirmasens. Als die Nazis 1933 die Macht ergriffen, war er als Richter am Landgericht Frankenthal tätig, stand dort, wie auch schon in Pirmasens, der Demokratischen Partei vor. Dagegen, aus dem Dienst gezwungen zu werden, konnte er sich bis 1937 wehren. Dann aber wurden die Nürnberger Rassegesetze erlassen – und Else Ritterspacher war Jüdin. Weil er zu ihr hielt, musste das kinderlose Ehepaar nun ums Überleben kämpfen.

Nach 1945 übernahm der Jurist Ritterspacher immer wieder neue führende Funktionen in der pfälzischen Justiz und kam dabei von 1947 bis 1949 als Präsident des Oberlandesgerichts nach Neustadt. Wie Theobald recherchiert hat, gehörte er dem Stadtrat an, war Mitbegründer der pfälzischen CDU. 1952 indes musste er einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen: Else Ritterspacher starb mit 55 Jahren in Neustadt. „Die Pfalz ist um eine Stimme ärmer“, stand in einem RHEINPFALZ-Nachruf zu lesen. Während Ludwig Ritterspacher noch zweimal heiratete und 1964 in Zweibrücken starb und begraben wurde, hat sich die Spur seiner ersten Ehefrau verloren.

Stadtarchiv findet nichts

Paul Theobald hat schon alles versucht, um zu erfahren, wo sie am Ende beigesetzt wurde. Dass das in Neustadt der Fall war, ist unwahrscheinlich. Denn wie Birgit Merkle vom Stadtarchiv nachgeprüft hat, ist im sogenannten Zellenbuch des Neustadter Friedhofs für das Jahr 1952 Else Ritterspacher nicht aufgeführt. Auch in den Gräberkarteien tauche der Name nicht auf. Laut Theobald ist aber auch in den Annalen der Mannheimer Friedhofsverwaltung nichts zu finden. Weil der 72-Jährige als Heimatforscher ein echter „Spürhund“ ist, hofft er nun darauf, dass sich alte Neustadter noch an die Mundartdichterin erinnern können.

Info

Wer dem Frankenthaler Theobald weiterhelfen kann, kann sich jeder an die Neustadter RHEINPFALZ-Redaktion wenden. Entweder telefonisch unter 06321 890342 oder E-Mail an redneu@rheinpfalz.de.

Ludwig Ritterspacher
Ludwig Ritterspacher
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