Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel „Haus Lotter“: Saniertes Renaissance-Ensemble kann am Samstag besichtigt werden

Das „Haus Lotter“ in der Marktstraße 5: Der älteste Teil ist das Gebäude ganz links im Bild.
Das »Haus Lotter« in der Marktstraße 5: Der älteste Teil ist das Gebäude ganz links im Bild.

Nach gut zwei Jahren Sanierung erstrahlt das Renaissance-Gebäude in der Marktstraße 5 in Maikammer in neuem Glanz. Im Ober- und Dachgeschoss sind sechs edle Ferienwohnungen entstanden. Am Samstag können sie besichtigt werden.

Das „Haus Lotter“ in der Maikammerer Marktstraße 5 ist auch für jemanden wie Rolf Fuhrmann, der auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert ist, in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. „So viele hochwertigen Altbefunde, wie wir sie hier gefunden haben, habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Mehr als zwei Jahre war er nun täglich vor Ort an der Baustelle, um die Renovierungsarbeiten zu leiten, Funde zu bewerten und zu entscheiden, wie damit umgegangen wird. „Ich bin ein Perfektionist“, sagt er über sich selbst. Sein Anspruch sei es, aus jedem Gebäude, das ihm anvertraut wird, das Beste zu machen.

Inzwischen nun ist das Erdgeschoss bereit für den Umzug der Tourist Info, im oberen Stockwerk und in den oberen Stockwerken und im Dachgeschoss können schon bald die erste Gäste übernachten. In dem Ensemble, das aus vier Teilen besteht, die in unterschiedlichen Epochen entstanden sind, sind sechs Ferienwohnungen entstanden. Der Haupteingang im Hof führt zu dem Renaissance-Treppenhaus, über das die Wohnungen im Haupthaus (um 1600 entstanden), im Anbau von 1892 und im Zwischentrakt von 1762 zu erreichen sind. Eine weitere Wohnung ist im hinteren Teil, einem Fachwerkbau von 1661, untergebracht und hat einen separaten Eingang.

Zwei ehemalige Plumpsklos

An etlichen Stellen haben die Restauratoren in dem Gebäude Fragmente des Originalputzes gefunden. Er wurde vorsichtig freigelegt, der Rest der jeweiligen Wand „sanft rekonstruiert“, wie Fuhrmann sagt. Es gibt auch Kuriositäten: zwei ehemalige Plumpsklos beispielsweise, die erhalten wurden und jetzt als Stauraum dienen. Oder mehrere Sandsteineinfassungen zweier Fenster, das 1892 zugemauert wurden, als der Anbau an das Haupthaus entstand. Jetzt ist der Sandstein wieder zu sehen.

Überhaupt: Bei aufmerksamer Beobachtung gebe ein historisches Haus vieles über seine Geschichte preis, erklärt Fuhrmann. So habe er einen Fachwerkbalken gefunden, anhand dessen die Zimmerleute die ganze Wand rekonstruieren konnten. Denn die Öffnungen verraten, wo einst tragende Stützbalken und wo schräge Streben waren. Genau die Entdeckungen sind es, die die Arbeit für ihn so spannend machen. Er beschäftigt sich mit jedem Detail und analysiert es, um es zu verstehen. „Historische Gebäude haben nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine Seele“, sagt er. Darum ist ihm auch der Erhalt der Häuser so wichtig. Sanieren sei außerdem die nachhaltigste Form des Bauens. „Hier ist unglaublich viel CO2 gebunden“, betont er.

Biberschwänze im Bad

Was Fuhrmann erhalten konnte, hat er erhalten. Wo er Bauteile ersetzen musste, hat er häufig auf Altbestände zurückgegriffen. Denn der Sanierer wirft grundsätzlich nichts weg. Baumaterialien, die irgendwo ausgebaut werden, lagert er, um sie irgendwann an anderer Stelle wieder zu verwenden. So ist beispielsweise in Maikammer die Wand eines Bads mit Biberschwänzen von einem alten Haus in Rhodt gestaltet worden. An der Stelle war einst ein Übergang zum Dachboden des Nebengebäudes. Fuhrmann überlegte noch, wie er damit umgehen sollte, als er zufällig mitbekam, dass in Rhodt ein altes Haus abgedeckt wurde. Kurzerhand fragte er, ob er die Ziegeln haben könne und brachte sie nach Maikammer.

Auch bei der Ausstattung der Wohnungen greift Fuhrmann auf „Gebrauchtware“ zurück. Schränke, Stühle, Sofas, Lampen, Bilder, Teppiche – alles stammt aus Versteigerungen, Haushaltsauflösungen, Flohmärkten, Antiquariaten oder Secondhand-Läden. Gut bekannt ist Fuhrmann beispielsweise im Secondhand-Kaufhaus Emmaus im elsässischen Hagenau. „Da werd’ ich schon persönlich begrüßt“, erzählt er lachend. Und fährt fort: „Hier, diese Sofa-Garnitur hat 300 Euro gekostet.“ Neu hätte er das Zehnfache gezahlt und schlechteres Material bekommen, ist er überzeugt. Für Antiquitäten gebe es derzeit überhaupt keinen Markt. „Die Leute kaufen Vintage-Möbel aus Spanplatten und lassen die hochwertigen Sachen stehen“, sagt Fuhrmann kopfschüttelnd. Und doch stießen seine Ferienwohnungen samt Einrichtung stets auf Begeisterung. Modern und neu seien bei ihm nur die Küchen, die Bäder und die Betten.

Kooperation mit Gerst Projektbau

Fuhrmann nennt seine Ferienwohnungen „Refugien“. „Die Gäste sollen darin entspannen und zur Ruhe kommen.“ In Maikammer ist jede Wohnung einem Pfälzer Maler gewidmet, Fuhrmann hat bei Auktionen jeweils ein Original-Bild erworben. Neben der Marktstraße 5 hat der Sanierer Angebote in Rhodt und in Winnenden im Remstal, wo er ursprünglich her kommt. Stil und Philosophie seien überall gleich. „Eben Fuhrmann“, wie er sagt. Dabei achte sein Unternehmen bei den Baumaterialien auch auf den ökologischen Aspekt. „Wir arbeiten mit Leinöl, Kalkputzen und Mineralfarben.“ Der einzige moderne Baustoff sei Silikon in den Bädern.

Die sechs Wohnungen, die in Maikammer entstanden sind, bleiben im Besitz einer Gesellschaft, die Fuhrmann mit dem Geschäftsführer der Gerst Projektbau GmbH, Ralf Uhl, gegründet hat. Alleine hätte er das Risiko, das mit der aufwendigen Sanierung verbunden war, nicht stemmen können, verdeutlicht Fuhrmann, der froh ist, in Uhl einen starken Partner gefunden zu haben.

Das Erdgeschoss dagegen gehört der Gemeinde Maikammer und wird ab kommendem Jahr von der Tourist Info genutzt. Im Hof ist nach dem Abriss eines 60er-Jahre-Gebäudes eine Freifläche entstanden, die von der gegenüberliegenden Ortsvinothek bewirtschaftet werden soll.

Info

Das „Haus Lotter“ kann am Samstag, 2. Dezember, von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Infos zu den Ferienwohnungen finden sich auch im Internet mit Hilfe der Suchbegriffe Refugium und Maikammer.

 Biberschwänze im Bad.
Biberschwänze im Bad.
Die Einrichtung stammt großenteils aus Antiquariaten oder Versteigerungen.
Die Einrichtung stammt großenteils aus Antiquariaten oder Versteigerungen.
An der Wand konnten die Sanierer Putz aus der Entstehungszeit freilegen.
An der Wand konnten die Sanierer Putz aus der Entstehungszeit freilegen.
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