Sportstypen
Handball: Yessine Meddeb hofft, zur U21-WM zu fahren
Auch wenn in wenigen Tagen die Handball-WM der Männer in Ägypten ansteht und deshalb die Bundesliga in den nächsten Wochen pausiert, kann Yessine Meddeb keinesfalls die Beine hochlegen. Der Grund: Der junge Mann aus Edenkoben, der aus der Jugend des TV Kirrweiler stammt, reist bereits am 6. Januar zum Lehrgang der U21-Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in die Sportschule nach Warendorf. Eine längere Trainingspause ist deshalb nicht möglich. Nur über die Weihnachtstage, die er bei seiner Familie in Edenkoben verbracht hat, ließ er ein wenig die Seele baumeln. Sein Vater stammt aus Tunesien, die Mutter ist Pfälzerin.
Längere Einsatzzeiten
Meddeb hielt sich über die Feiertage mit individuellem Training fit. Der Linkshänder ging regelmäßig in den Weinbergen laufen und machte Kraftübungen, während seine Mannschaftskameraden noch einige freie Tage bis zum Trainingsauftakt am 12. Januar haben. „Mir war es schon wichtig, meine Form über die Feiertage zu halten, um mich beim DHB-Lehrgang zeigen zu können“, sagt Meddeb. Der U19-Vizeweltmeister aus dem Jahr 2019 will im Sommer in Ungarn dabei sein und erneut um die Medaillen mitspielen.
Dabei konnte der gebürtige Südpfälzer, der 2016 in das Internat der Rhein-Neckar Löwen gewechselt war, erst in den vergangenen Wochen in der Liga sein Talent zeigen. In den Spielen gegen die HSG Wetzlar, den THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt und den HSC Coburg bekam Meddeb deutlich mehr Spielzeit als in den Monaten zuvor und zeigte sein Potenzial. Vorher war er in den meisten Partien nicht eingesetzt worden. „Ben hat mir immer gesagt, dass ich Geduld haben muss und ich meine Spielzeiten bekommen werde“, sagt Meddeb, der seinem Trainer Ben Matschke vertraut. „Der Schritt aus der Dritten in die Erste Liga ist schon enorm“, räumt der 20-Jährige ein.
Auf Handball konzentrieren
Dass es überhaupt so weit kam, lag auch daran, dass die Junglöwen ihm früh signalisiert hatten, seinen Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen. Es waren einerseits seine langwierige Verletzung, aber auch persönliche Gründe, die dazu geführt haben, dass die Verantwortlichen des Bundesligisten ihn im Januar 2019 nach einer Anfrage der Eulen haben ziehen lassen. „Dass ich bei den Eulen gelandet bin, dafür bin ich Trainer Ben Matschke und Geschäftsführerin Lisa Hessler sehr dankbar und versuche, das Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, zu rechtfertigen“, betont Meddeb. Es war für ihn keine einfache Phase. Er setzt nun bis zum Sommer ganz auf den Handballsport. Bis dahin will er sich entscheiden, was er künftig studieren wird.
„Mit Ben habe ich einen Trainer, der mich fördert, aber auch fordert“, betont der Linkshänder. Einen Grund, weshalb er ein durchweg positives Fazit nach zwölf Monaten bei den Eulen zieht. „Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe zuletzt die Einsatzzeiten bekommen, die ich brauche, um mich zu entwickeln.“ Dabei macht er deutlich, dass er keinesfalls zufrieden ist: „Es ist immer noch viel Luft nach oben, es gibt noch genug Verbesserungspotenzial“, sagt er selbstkritisch. Über die Ursachen hat er sich selbst schon Gedanken macht: „Vielleicht ist es der Druck oder die Aufregung? Ich denke, es ist eher die Vorfreude. Und wenn man beim THW Kiel gegen eine der besten Vereinsmannschaften der Welt fast 20 Minute auf der Platte ist, da bin ich als junger Spieler auch schon mal aufgeregt.“
Neun Tore, 13 Fehlwürfe
Dabei stand das sympathische Talent, das einst in Kirrweiler von Heike Nickel entdeckt worden ist, in allen 15 Partien der Eulen Ludwigshafen im Kader, warf neun Tore und leistete sich 13 Fehlwürfe. Meddeb weiß, dass es in der Rückrunde um sehr viel geht. Die Eulen spielen wie in den Jahren zuvor gegen den Abstieg. Vor zwei Jahren war ihnen der Ligaverbleib erst mit einem 31:30-Sieg gegen Minden sieben Sekunden vor Ende der allerletzten Partie jener Saison geglückt.
Sein Kollege im rechten Rückraum, Jannek Klein, ist aktuell verletzt und hat bisher (noch) nicht alle Erwartungen nach dem Abgang von Jerome Müller erfüllen können. Der Erfolgsdruck wird in den kommenden Wochen und Monaten steigen. „Unser Ziel ist es, am Ende wieder über dem Strich zu sein“, sagt der Ludwigshafener. Dafür müssen weitere Siege her. Yessine Meddeb hofft, weiterhin vermehrt Spielzeiten zu bekommen und für die U21-Weltmeisterschaft nominiert zu werden. Er ist optimistisch, dass Bundestrainer Martin Heuberger (Schutterwald) ihn mitnimmt. „Ich denke, wenn ich in der Bundesliga meine Leistung abrufe, dann habe ich auch gute Chancen, in Ungarn dabei zu sein.“
Um seine Zukunft muss sich der Edenkobener zunächst keine Gedanken machen. Noch steht er bis zum 30. Juni 2022 ligaunabhängig bei den Eulen Ludwigshafen unter Vertrag.