Hassloch
Handball: TSG Haßloch in Liga drei vor ungewisser Zukunft
Herr Müller, wie zuversichtlich sind Sie, dass im Oktober trotz der weiterhin steigenden Infektionszahlen die Saison startet?
Ich hatte lange meine Zweifel, dass der Start erfolgen wird. Doch inzwischen gehe ich davon aus, dass wir am 3. Oktober nach Krefeld fahren. Aber ich bleibe bei meiner Haltung, dass es ein Unding ist, in Zeichen der Corona-Pandemie 34 Spiele bis Ende Mai zu absolvieren. Ich hätte mir da eine andere Lösung gewünscht.
Sie gelten als ein großer Kritiker der aktuellen Staffeleinteilung ...
Die Herausforderungen für die Vereine sind unabhängig vom Spielbetrieb enorm. Es bleibt uns kaum Luft zum Atmen. Es werden Anforderungen in vielerlei Hinsicht an die Vereine gestellt, die nur unter erschwerten personellen Bedingungen und weiteren finanziellen Aufwendungen möglich sind. Was den Spielbetrieb betrifft, hätte ich mir eine Aufteilung der Staffeln mit weniger Mannschaften gewünscht. Wir beginnen die Spielzeit später denn je. Dazu besteht weiterhin das Risiko, dass kurzfristig wegen positiver Fälle Spiele abgesagt werden müssen. Und wir hatten noch nie so viele Spiele in einer Saison in der dritthöchsten Spielklasse wie jetzt. Und das in der Pandemie.
Während in der Ersten und Zweiten Liga regelmäßig getestet wird und die Spiele ebenfalls erst unmittelbar nach einer Corona-Testung angepfiffen werden, ist die Dritte Liga von dieser Auflage befreit. Gibt es hier Vorsichtsmaßnahmen, die Sie Ihrer Mannschaft auferlegt haben?
Konkret sind keine Tests vorgesehen. Es gibt von meiner Seite die klare Anweisung: Wer sich nicht gesund fühlt, meldet sich bei mir und bleibt vorerst mal zu Hause. Mein Eindruck ist, dass die Jungs das Thema sehr ernst nehmen. Sie gehen fast alle arbeiten oder studieren und wissen, worauf es ankommt. Jeder verwendet seine eigene Trinkflasche und desinfiziert regelmäßig die Hände. Falls nötig, können wir auch ärztlichen Rat einholen oder das Gesundheitsamt hinzuziehen.
Erstmals ist die TSG in der Staffel Mitte. Wie schätzen Sie die Staffel ein?
Für uns ist die Staffel insbesondere mit den Vereinen aus Nordrhein-Westfalen eine neue Herausforderung mit einer Reihe von Unbekannten. Ich möchte keinesfalls im Vorfeld behaupten, sie ist stärker als die Südstaffel besetzt. Wir werden nach den ersten Spielen sehen, ob das so sein wird. Oder eben nicht.
Noch rechtzeitig vor dem Rundenstart hat das Land Rheinland-Pfalz weitere Lockerung im Sport ermöglicht. Wie viele Zuschauer werden bei den Heimspielen, die in der Pfalzhalle ausgetragen werden, zugelassen?
Wir gehen davon aus, dass wir beim ersten Heimspiel am 10. Oktober gegen HSC Bad Neustadt 250 bis 280 Personen in der Pfalzhalle haben werden. Das Hygienekonzept wurde mit dem Hallenbetreiber, dem Pfälzer Handballverband, ausgearbeitet und wird aktuell von den Behörden geprüft. Es sind ja 250 Personen erlaubt oder in Abhängigkeit der Hallenkapazität bis zu 20 Prozent der Sitzplätze belegbar.
Der Verein hat bewusst die Pfalzhalle als Spielort gewählt. Lohnt sich dies unter wirtschaftlichen Aspekten?
Hier muss man klar sagen: zunächst nein. Aber der Umzug in die Pfalzhalle ist alternativlos. Und das aus zweierlei Gründen: Zum einen steht die Sanierung des Hallenbodens im TSG-Sportzentrum an. Andererseits hätten wir dort maximal noch ungefähr 100 Personen in die Halle lassen können. Insofern ist die Pfalzhalle eine Chance, bei weiteren Lockerungen mehr Zuschauer zulassen zu dürfen. Mein Wunsch ist es, dass schnellstmöglich 500 Personen in der Halle erlaubt werden, so wie es derzeit in Baden-Württemberg möglich ist.
Die Corona-Pandemie zwingt auch die Sponsoren, etwas kürzer zu treten. Wie wirkt sich das auf die TSG aus?
Die Situation ist schwierig. Auch unsere treuen Sponsoren spüren die Folgen der Pandemie, kämpfen zum Teil selbst ums Überleben. Dass der eine oder andere Sponsor sein finanzielles Engagement zurückfährt, ist nachvollziehbar. Deshalb können wir nicht mehr auf einen Etat wie in den vergangenen Jahren zurückgreifen, müssen kleinere Brötchen backen.
Sie hatten angedeutet, wenn es nicht eine deutliche Erhöhung der Zuschauerzahlen geben wird, könnte es auch bei der TSG im Januar 2021 schwierig werden. Wie optimistisch sind Sie, dass der Verein die kommende Saison überstehen wird?
Das lässt sich aus meiner Sicht nicht voraussagen. Es wird ohne Zweifel in vielerlei Hinsicht eine ganz außergewöhnliche Saison. Die Auswirkungen können wir heute nicht abschätzen. Das einzige Positive, das uns ein wenig Ruhe bringt, ist, dass 2021 der Impfstoff bereitstehen soll.
Sie haben die Mannschaft mit fünf teils namhaften Akteuren verstärkt. Das schlägt sich sicherlich im Budget nieder. Wäre es nicht vertretbar gewesen, auf die eine oder andere personelle Verpflichtung zu verzichten?
Nein. Mit Oliver Zeller, Dominic Hartstern und Nils Röller haben wir zum Saisonende drei erfahrene Akteure verloren, die das Herzstück unserer Abwehr waren. Das Trio zählte zu den zuverlässigsten Abwehrspielern der Liga. Da musste ich so handeln. Wir haben diese Neuverpflichtungen auch mit Augenmaß und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt.
Sind mit diesen Neuzugängen, die bis auf die Gebrüder Herbert erfahrene Drittliga-Spieler sind, die sportlichen Erwartungen gestiegen?
Frühzeitig den Klassenverbleib abzusichern, ist auch diesmal unser Ziel.
Neu ist, dass Sie als Sportlicher Leiter auch das Kommando an der Seitenlinie übernommen haben. Eine Dauerlösung für die kommende Saison oder werden Sie direkt aussteigen, wenn sich ein neuer Trainer findet?
Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken. Es sei denn, ich würde mich als Trainer selbst entlassen. Spaß beiseite, mein Plan ist, dass ich die Saison mit meinem Trainerteam durchziehe. Wer in der kommenden Saison das Sagen auf der Bank haben wird, darüber machen wir uns aktuell keine Gedanken. Da haben wir derzeit andere Sorgen.
Bei den Drittligisten muss der Trainer im Besitz der B-Lizenz sein. Sie verfügen nicht über diesen Trainerschein. Wer wird als Coach mit Lizenz mit Ihnen auf der Bank sein?
Aktuell ist das Frank Herbert, der als A-Trainer mit auf der Bank sitzt und mich unterstützt. Diese Lösung hatte sich angeboten, da er bei den Spielen seiner Söhne ohnehin als Zuschauer anwesend ist.
Könnte Herbert auch ein Kandidat als Trainer-Nachfolger sein?
Nein, zumindest nicht in dieser Saison, das ist mit ihm klar kommuniziert. Denn seine beiden Söhne sind ja neu bei der TSG am Ball. Diese Situation wäre schwierig und nicht gut für die Jungs. Es bestünde sonst die Gefahr, dass es zu Konflikten kommen kann. Außerdem trainiert er ja auch noch eine andere Mannschaft und ist bei uns unterstützend dabei.