HASSLOCH RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Nationalmannschaft der Gehörlosen mag Pfalzhalle in Haßloch

 Der Wörther Felix Werling (rechts) ist einer von zwei Pfälzern im Handballnationalteam der Gehörlosen.
Der Wörther Felix Werling (rechts) ist einer von zwei Pfälzern im Handballnationalteam der Gehörlosen.

Zum zweiten Mal in zwei Monaten war die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen in der Pfalzhalle zu Gast. Voraussichtlich wird sie noch öfter in Haßloch trainieren.

Die Stimmung in der Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen ist ausgezeichnet. Es wird viel gelacht, aber auch hart gearbeitet. Denn die besten gehörlosen Handballer Deutschlands haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen im kommenden Jahr bei den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen und Hörgeschädigten, in Brasilien um die Medaillen spielen.

Während der Paralympics in Tokio weilten die Handballer erneut in Haßloch. Im Landesleistungszentrum für Handball, in der Pfalzhalle, waren sie meist zweimal täglich im Training am Ball und bestritten erstmals nach dem Lockdown zwei Testpartien. Zuvor hatten sie wegen der Corona-Einschränkungen lange pausieren müssen. Denn die gehörlosen Handballer, wie die beiden pfälzischen Akteure Felix Werling (Wörth) und Dominik Götz (Lambsheim), sind keine Profis, sondern Amateure und in den Spielklassen unterhalb der Bundesliga und Zweiten Liga am Ball.

Professionellere Strukturen

Aber jetzt geht es weiter. Dafür sorgt Bundestrainer Alexander Zimpelmann. Mit seinem dreiköpfigen Trainerstab schafft er professionellere Strukturen im Gehörlosen-Handball, initiierte während des Lockdowns virtuelles Training und führte zugleich die regelmäßig stattfindenden Lehrgänge ein. Der 50-Jährige, der die B-Trainer-Lizenz besitzt, brachte mit der Amtsübernahme 2018 frischen Wind in die Mannschaft. „Es war zu Beginn sehr schwierig. Aber wir haben nicht aufgegeben, haben Regeln, Vereinbarungen getroffen und Schritt für Schritt den Weg nach vorne gesucht“, erzählt Zimpelmann. Auch sei der Kader verjüngt, das Scouting von Spielern vorangetrieben worden. Gerade die intensive Kommunikation mit seinem Team und der Mannschaft liegt ihm stets am Herzen. „Das ist bei uns eben anders als bei einer Mannschaft mit Normalhörenden“, sagt Zimpelmann. „Der Matchplan muss vor einem Spiel stehen. Während des Spiels können wir von außen nur wenig beeinflussen.“

Deshalb hält der gebürtige Frankenthaler es auch für zwingend notwendig, dass sich die Mannschaft regelmäßig zur Vorbereitung trifft. Zimpelmann will nicht nur die Abstimmung der jeweiligen Spieler untereinander fördern, sondern auch das Spielniveau erhöhen. „Wenn wir das Niveau wie in der Oberliga erreichen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir bei der Deaflympics um die Medaillen spielen werden“, sagt Zimpelmann.

Pfalzhalle in Haßloch

Auf dem Weg dahin nimmt auch die Pfalzhalle in Haßloch eine besondere Rolle ein. „Mit der Unterkunft, der Trainings- und Spielhalle sowie den Meetingräumen haben wir fast perfekte Bedingungen“, betont der Coach. Hinzu komme, dass sie dort die Küche benutzen könnten, um sich vor Ort gemeinsam zu verpflegen. „Wir sind gerne hier und wollen noch öfters kommen“, betont Zimpelmann. Er ist froh, dass die Verantwortlichen des Pfälzischen Handballverbandes (PfHV) ein offenes Ohr für den Handball im Deutschen Gehörlosensportverband (DGS) haben.

Traum von inklusiver Liga

Denn Zimpelmann, der im PfHV künftig die Aufgabe des Inklusions- und Integrationsreferenten übernehmen wird, will die Pfalzhalle zu einem Stützpunkt „Handball im DGS“ machen. „Mein Wunsch ist es, dass wir regelmäßig die Pfalzhalle für unsere Lehrgänge nutzen können“, sagt Zimpelmann. „Wichtig ist, dass der PfHV als Hausherr regelmäßig in die Sportstätte investiert, so dass wir weiterhin sehr gute Bedingungen haben. Das wäre eine Win-Win-Situation für den PfhV als auch für den DGS.“

„Die Gehörlosen-Nationalmannschaft ist gerne in der Pfalzhalle unserer Gast“, sagt Ulf Meyhöfer, Präsident des PfHV. „Wir wollen innerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten den Komfort für künftige Trainingslager und Lehrgänge verbessern, um so dem Anspruch eines Stützpunktes gerecht zu werden. Wir stehen der Zusammenarbeit mit dem DGS sehr positiv gegenüber.“ Sein ganz persönlicher Traum wäre eine inklusive Liga in der Metropolregion Rhein-Neckar, sagt Meyhöfer.

Deaflympics im Mai 2022

Die Gespräche will Zimpelmann fortführen, um auch für den Handballsport im DGS einen festen Stützpunkt zu installieren. Die nächste Maßnahme wird er im November allerdings in Altenholz in Schleswig-Holstein anbieten. Doch scheint keinesfalls ausgeschlossen, dass die gehörlosen Handballer ihre letzte Vorbereitung und die Generalprobe vor dem Abflug zu den Deaflympics im Mai nächsten Jahres wieder in Haßloch absolvieren werden. Die 15 Akteure, die Alexander Zimpelmann diesmal eingeladen hatte, haben sich im Großdorf wohl gefühlt. „Meine Jungs kommen gerne hierher“, weiß der Coach.

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