Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hambach-Shuttle: Hier bremst der Bus persönlich

Olli unterwegs.
Olli unterwegs.

Olli, das autonom fahrende Elektrogefährt, darf nun auch Passagiere chauffieren. Die Route von Hambach zum Schloss hat ihre Tücken. Für Korrekturen ist ein Mensch aus Fleisch und Blut an Bord. Aber die Zukunft könnte noch technischer werden.

Der geparkte Mercedes steht mit seinem linken Vorderrad nur ein kleines bisschen über der Grenzmarkierung auf der Fahrbahn. Zu viel für Olli. Sehr deutlich steigt er auf die Bremse. Olli ist einer von zwei Elektrobussen der in Neustadt ansässigen Mobility-on-Demand GmbH (MoD). Hier bremst der Bus höchstselbst. Es geht um autonomes Fahren. Natürlich ist auch an diesem Mittwochmorgen ein Operator – ein Leitstand-Pilot – mit an Bord: Sascha Trunk von MoD, der, falls nötig, korrigierend eingreifen kann. Aber Olli macht das alles schon ziemlich eigenständig.

Im Herzen Hambachs

Olli ist Teil eines 2018 begonnenen zukunftsweisenden Projekts von MoD und Universität Kaiserslautern. Seit Anfang 2021 lief der Probebetrieb, ohne Fahrgäste, nur Technik-Spezialisten an Bord. Alles wurde aufgezeichnet und gemessen. Schließlich will der TÜV ganz genau wissen, ob Olli das auch alles packt und Sicherheit gewährleistet. Der Kleinbus, mit Raum für sieben Passagiere und den Operator, ist versehen mit GPS und Sensoren, die ihm helfen, seine Umgebung dreidimensional wahrzunehmen und notfalls hart in die Eisen zu steigen. Die Route: vom Eichplatz im Herzen Hambachs hinauf zum Schloss und retour. Fahrzeit: eine gute halbe Stunde.

Seit zwei Wochen ist nun für Olli und seine Erfinder eine neue Ära angebrochen: Die Erlaubnis ist da, ganz normale Passagiere dürfen an Bord, derzeit noch kostenlos. Eindrücke einer Schlosstour. Am Übergang Eich-/Schlossstraße sagt Operator Trunk: „Achtung“. Dann bremst Olli, autonom. „Wenn Bäume und Sträucher in den Lichtraum von Olli ragen, reagiert er“, erläutert MoD-Projektleiterin Kerstin Ullrich. Abruptes Bremsen mögen Passagiere nicht, aber Sicherheit gehe vor, und: „Wenn einem Linienbusfahrer ein Kind vor den Bus läuft, bremst er ja auch, so scharf er kann.“

Busch oder Mensch?

Kurz vor der Ankunft am Schloss bremst auch Olli nochmal so scharf er kann. „Olli kann noch nicht unterscheiden, ob ihm ein Busch oder ein Mensch zu nahe kommt“, so Ullrich, „aber es existieren schon Kameras, die das können.“ Beim autonomen Fahren dürfe man nicht bei der ersten Holprigkeit die Segel streichen, die Technologie gehe mit hohem Tempo voran.

Am Rondell vor dem Schloss ist Olli Blickfang und Star. „Wie macht der das, dass er autonom fährt?“, fragt eine ganz junge Wanderin. Die Schweizer Gabi Berger und Daniel Meili fragen hinein in die Tiefe des Themas: Wer hafte, wenn beim autonomen Fahren etwas passiere? Und meinen: Es werde wohl noch zehn Jahre dauern, bis solche Fahrzeuge ganz ohne Operator auskommen. Bei MoD wagt man da mutigere Prognosen: In vier bis fünf Jahren soll eine zentrale Leitstelle außerhalb von Fahrzeugen die Operator-Funktion ausüben, für mehrere Routen – auch, um Kosten zu sparen.

Ziemlich vorausschauend

Olli auf dem Rückweg zum Eichplatz. Erkenntnis: Manchmal ist es hinab schwieriger als hinauf. Die Freiheitstraße hat es in sich: parkende Autos, Gegenverkehr. Olli reduziert sein Tempo stellenweise auf fünf km/h; unter optimalen Bedingungen soll er mit 18 km/h unterwegs sein. „Bei Projekten in anderen Städten gibt es auf den Testrouten manchmal Parkverbote“, erläutert Ullrich, „wir wollten das nicht, denn bei ganz schwierigen Herausforderungen kann man gut die technischen Grenzen des Systems analysieren.“

Die gute Nachricht: Wenn es sehr eng wird, weiß Olli zu hundert Prozent, ob es reicht oder nicht. In letzterem Fall steigt er voll in die Bremsen. Ein Autofahrer weiß manchmal erst, wenn es kracht, dass es nicht gereicht hat. Olli ist auch ziemlich vorausschauend und reagiert früh, wenn ihm etwa ein Bus entgegenkommt.

Einparken nicht autonom

Schließlich ist es geschafft. Eichplatz Hambach. Alleine Einparken kann Olli noch nicht, das macht Operator Trunk. Olli kann nur, was man ihm einprogrammiert. Drei Stunden Fahrt schafft er mit einer Batterieladung. MoD ist zufrieden mit den ersten beiden Wochen im Passagierbetrieb: rund 80 Anmeldungen gab es in dieser Zeit. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht. Gefahren wird, wenn Buchungen vorliegen. Die sind online möglich unter www.hambach-shuttle.de, telefonisch unter 06321 9544445 oder auch persönlich im MoD-Büro in der Weinstraße 252.

Dort mitten in Hambach vor Ort zu sein, sei dem Unternehmen besonders wichtig, sagt Geschäftsführerin Ullrich: „Wir wollen hier Teil der Lösung sein.“ Das Problem: Es soll nicht so sein, dass jeder mit dem Auto hinauf zum Schloss fährt. Die Umwelt soll entlastet werden. Was dafür der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Nicht zuletzt, so betont Kerstin Ullrich, bestehe das Ziel auch darin, mehr Touristen für Hambach selbst zu gewinnen: „Bisher belastet der Durchgangsverkehr zum Schloss die Hambacher massiv, ohne dass der Ortsteil direkt profitiert.“

Leitstand-Pilot Sascha Trunk mit Schweizer Touristen an Bord von Olli.
Leitstand-Pilot Sascha Trunk mit Schweizer Touristen an Bord von Olli.
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