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Haßlocher Kegler Dieter Rackow auch mit kleiner Hand deutscher Meister
Kegeln wolle er, so lange es gehe. Und beim 77-jährigen Dieter Rackow von der TSG Haßloch geht es im Moment ziemlich gut. Im Juni ist er zum zweiten Mal nach 2016 deutscher Meister geworden. Diesmal in der Klasse der Senioren C. „Das bedeutet über 70 Jahre“, erklärt der Haßlocher. Auf den Titelkämpfen in Lampertheim hat er acht Konkurrenten aus Thüringen, Baden und Norddeutschland hinter sich gelassen. Immer die Landesmeister seien für die deutschen Meisterschaften qualifiziert. 2024 allerdings, erzählt der Haßlocher, gebe es dann einen weiteren Startplatz für Rheinland-Pfalz, da „ich als Meister gesetzt bin“.
Den Grundstein für seinen Titelgewinn legte Rackow am ersten von zwei Wettkampftagen in Lampertheim, führte da schon mit 456 Holz beziehungsweise mit 20 Kegeln Vorsprung auf den Zweitplatzierten. „Der erste Tag war der entscheidende“, sagt er selbst. „Am zweiten Tag habe ich den Vorsprung irgendwie verwaltet.“ Für 25 Würfe in die Vollen und 25 zum Abräumen habe jeder 20 Minuten Zeit. „Dann wird mit dem Gegner die Bahn getauscht“, erklärt Rackow, der in Maikammer geboren worden ist und seit 20 Jahren in St. Martin wohnt, die Regeln. Dann gehe es erneut 25-mal in die Vollen und 25-mal ans Abräumen. Am zweiten Wettkampftag folgen erneut insgesamt 100 Wurf.
TSG verzichtet auf Bundesliga
Für die TSG Haßloch spielt der 77-Jährige dort, „wo es gerade pressiert“. Künftig wird das nicht mehr in der Bundesliga sein. Denn die TSG habe sich zwar in der vergangenen Runde erneut fürs Oberhaus qualifiziert, verzichte aber auf den Bundesliga-Platz. „Der Zeitaufwand ist einfach zu groß“, erklärt Rackow dies. „Teils sind wir 500 Kilometer einfach zu einem Spiel gefahren.“
Dieter Rackow ist 1961 bei der Bahn ausgebildet worden, zu einem „sogenannten Jungwerker“. Nach dem Dienst sei er mit Bahn nach Landau zum ESV gefahren, wo er am Kegeltraining teilgenommen habe. Vorher, erzählt er, „habe ich in Mußbach im Bürgerstübel gekegelt.“
Kugel wiegt 2,8 Kilo
Und dass Kegeln echter Sport ist, das kann Dieter Rackow nur bestätigen: „Nach fünf Minuten Einspielen ist das Trikot nass geschwitzt.“ Er weiß gar von einer Studie, die besagt, dass der Aufwand für 200 Wurf im Kegeln genauso groß ist wie bei einem 10.000-Meter-Lauf. Eine Kugel wiege 2,8 Kilo, habe einen Durchschnitt von 16 Zentimetern. Und mit dieser Kugel in der Hand absolvierte der Kegler am ersten Wettkampftag in Lampertheim 100-mal den gleichen Bewegungsablauf. Und am zweiten Tag dann noch einmal 100 Wurf.
Im ESV Landau hat der St. Martiner über drei Jahrzehnte gespielt. Dann ist er zum Postsportverein Neustadt gewechselt. Für Postsportvereine gebe es alle zwei Jahre deutsche Meisterschaften, berichtet Rackow. Dabei sei er dreimal deutscher Mannschaftsmeister und viermal Einzelmeister geworden. Wenn er kegele, erzählt er, habe er den Gegner immer im Blick: „Der macht zweimal die Neun, und selbst spielt man ein blödes Bild – da ist man schnell im Hintertreffen.“ Ein Kegler dürfe sich über anspruchsvolle Bahnen nicht ärgern, rät er. Jede Bahn habe ihre Eigenschaften. Man müsse die Bahn beim Einspielen lesen. In Lampertheim zum Beispiel bei den deutschen Meisterschaften seien die Bahnen aus seiner Sicht „sehr gut“ gewesen. Rackow: „Aber da gab es Spitzenspieler, die sind in der Vorrunde ausgeschieden.“
Kugel ohne Loch
Obwohl er eine kleine Hand habe, „das ist schon ein bisschen ein Nachteil“, so Dieter Rackow, spiele er „noch nicht“ mit einer Kugel mit Loch. „Gerade im Alter gibt es viele Kegler, die auf die Lochkugel zurückgreifen wegen des besseren Halts.“ Generell seien Kugeln mit und ohne Loch erlaubt.
Das Kegeln möchte er nicht missen, sagt Dieter Rackow. Es halte ihn körperlich fit. Aber es ist nicht der Sport alleine, der ihm wichtig ist. Es ist auch die Geselligkeit. Als er im August 2022 am Knie operiert worden ist, konnte er mehrere Wochen nicht trainieren. Im Training war er trotzdem. „Ich bin auf Krücken ins TSG-Sportzentrum und habe mich an die Tische gesetzt und den anderen zugeschaut.“