Neustadt
Haßloch: HLL schlägt Einrichtung eines Bürgerbusses vor
Ein kostenloser Bürgerbus als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr: Das hat die HLL vorgeschlagen. Vor allem ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen sollen davon profitieren. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats begrüßt die Idee „im Prinzip“, sieht sie aber auch mit Skepsis.
Der Bürgerbus ergänzt andere Angebote wie den Linienbus, aber auch Ruftaxis oder den privaten Mitnahmeverkehr. Der erste Bürgerbus in Deutschland wurde 1985 im Münsterland eingerichtet. Seit einigen Jahren wird auch in Rheinland-Pfalz die Einrichtung von kostenlosen, ehrenamtlich organisierten Bürgerbussen gefördert. Derzeit sind 74 Bürgerbusse im Land unterwegs, unter anderem bereits seit 1996 in Freinsheim, seit April 2018 in der Verbandsgemeinde Lambrecht, seit 1. Oktober in der VG Dannstadt-Schauernheim und demnächst in der VG Wachenheim.
Bürgerbusse setzen da an, wo in ländlichen Regionen Wege zum Einkaufen, zur Verwaltung oder zum Arzt weiter sind als in der Stadt. Zwar gibt es den öffentlichen Nahverkehr, aber der ist nach einem festen Fahrplan unterwegs, und nicht jeder ältere Mensch schafft den Weg zur Haltestelle. „Wenn die Beine nicht mehr so recht wollen, Autofahren auch nicht mehr klappt und die Kinder immer arbeiten müssen“, schreibt die HLL in ihrem Antrag für die nächste Gemeinderatssitzung am 11. Dezember, „sollen Menschen trotzdem nicht in ihren eigenen vier Wänden festsitzen und sich vom Leben abgehängt fühlen, sondern weiterhin teilhaben am Leben in der Gemeinde.“
„Bürger fahren für Bürger“
Im Auftrag des Landes berät die Agentur Landmobil Bürger und Gruppen, die für einen Bürgerbus in ihrer Gemeinde aktiv werden wollen. Das Motto lautet „Bürger fahren für Bürger“: Engagierte Einwohner organisieren und betreiben die Einrichtung ehrenamtlich. Zu diesem Zweck wird meist ein Bürgerbusverein gegründet, der das Angebot konzipiert. In Rheinland-Pfalz übernimmt meist die Kommune oder Verbandsgemeinde die Rechtsträgerschaft. Häufig werden Kleinbusse eingesetzt, für die ein Pkw-Führerschein ausreicht.
Nutzer sind vor allem ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. „Eine wirklich gute Sache“: So hat der Lambrechter Verbandsbürgermeister Manfred Kirr kürzlich den Bürgerbus bezeichnet, der in den Talgemeinden seit anderthalb Jahren verkehrt (wir berichteten am 11. Oktober). Genutzt werde die kostenlose Transportmöglichkeit überwiegend von Senioren, aber auch von jüngeren Menschen, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“. 2018 wurden laut Kirr in der VG Lambrecht durchschnittlich 60 Fahrgäste pro Monat transportiert, in diesem Jahr sind bisher im Schnitt 80 Personen monatlich mit dem Bürgerbus gefahren. Dort kümmert sich ein Team von 26 Ehrenamtlichen um den Fahr- und Telefondienst.
Die HLL hat in ihrem Antrag ein Vorgehen in vier Schritten vorgeschlagen. Zunächst solle die Beratung, Information und Moderation zum Thema Bürgerbus durch die Agentur Landmobil in Anspruch genommen werden. Dann sollten entweder Bürgermeister Stefan Veth aus Dannstadt-Schauernheim oder Verbandsbürgermeister Manfred Kirr aus Lambrecht eingeladen werden, um über ihre Erfahrungen mit ihrem Bürgerbus-Projekt zu berichten. Nächster Schritt wäre der Beschluss. einen kostenlosen Bürgerbus einzurichten, dann die weitere Nutzung als Jugendtaxi, Einkaufsbus, Gemeindebus oder Vereinsbus.
„Gerade vor dem Hintergrund des Klimaschutzes sollte man die gesamten Verkehrs- und Mobilitätskonzepte in Haßloch überdenken“, so HLL-Fraktionsvorsitzender Ralf Berger unter Hinweis auf die Beratungsmöglichkeit durch die Agentur Landmobil. Seiner Ansicht nach sollten Klimaschutzbeirat, Feld-, Wald- und Umweltschutzausschuss, Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss, Sozialausschuss, Seniorenbeirat und der Ausschuss für Tourismus und Ortsmarketing einbezogen werden.
Klein: „Wäre Ende des Ruftaxis“
In Haßloch hatte sich der Seniorenbeirat Ende 2017 für das seit 2002 bestehende Ruftaxi mit 31 Haltestellen und gegen einen Bürgerbus ausgesprochen, nachdem sich das Gremium über eine solche Einrichtung in Limburgerhof informiert hatte: Das Projekt Bürgerbus sei wegen der völlig anderen Struktur Haßlochs hier nicht umsetzbar, hieß es damals. Der Arbeitskreis „Ruftaxi“ des Seniorenbeirats entwickelte daraufhin einige Ideen, wie die Nutzung des Ruftaxis verbessert werden könnte.
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Siegfried Klein, im Prinzip wäre es eine gute Idee, einen Bürgerbus einzurichten – vor allem, wenn dieses Angebot kostenlos wäre. Die Einzelfahrt des Ruftaxis, das laut Fahrplan montags bis freitags von 6.20 bis 19.20 Uhr verkehrt, kostet dagegen 2,10 Euro. Die Fahrt ist aber kostenlos, wenn man zum Beispiel eine VRN-Jahreskarte, das Maxx-Ticket oder das Job-Ticket hat. Allerdings werde es weder möglich noch sinnvoll sein, einen Bürgerbus neben dem Ruftaxi zu betreiben, sagt Klein: „Es geht nur eines von beiden. Der Bürgerbus würde das Ende des Ruftaxis bedeuten.“
Ein Vorteil eines Bürgerbusses wäre allerdings aus seiner Sicht, dass Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, auch zu Hause abgeholt werden könnten. Das könne das Ruftaxi mit seinem festen Fahrplan und seinen Haltestellen nicht leisten.
Skeptisch beurteilt Klein, ob es gelingen würde, Sponsoren und genügend ehrenamtliche Helfer für einen Bürgerbus zu finden. Denn im Unterschied dazu tragen der Verkehrsbund Rhein-Neckar und die Gemeinde Haßloch die Kosten des Ruftaxis. Laut Pressesprecher Marcel Roßmann übernimmt die Gemeinde 55 Prozent der Kosten, der VRN 45 Prozent. Im ersten Quartal 2019 zahlte die Gemeinde knapp 6700 Euro der Gesamtkosten von etwa 12.100 Euro. 2017 und 2018 lagen die Gesamtkosten bei rund 25.000 Euro. Die Höhe der Kosten hängt laut Roßmann von der Anzahl der Fahrten ab: Je mehr Fahrten, desto höher die Kosten. Durchschnittlich nutzen 25 Fahrgäste das Ruftaxi pro Tag: „Es könnte besser genutzt werden“, sagt dazu der Seniorenbeirats-Vorsitzende Klein.
Thema auch in Deidesheim
Der Bürgerbus ist auch andernorts ein Thema: Heute, Donnerstag, steht ein Antrag der FWG auf der Tagesordnung der VG-Ratssitzung in Deidesheim: Zur Verbesserung der Nahmobilität und unter dem Aspekt des nachhaltigen Handelns solle ein Projekt „Bürgerbus“ initiiert werden.