Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Haßloch: Gleichstellungsbeauftragte Heidi Horn zieht Bilanz

Gleichstellungsbeauftragte Heidi Horn. Foto: Linzmeier-Mehn
Gleichstellungsbeauftragte Heidi Horn.

Gleichberechtigung kommt nicht von allein, findet Heidi Horn. Seit 2011 ist sie ehrenamtliche Beauftragte der Gemeinde in diesem Bereich. Zum Ende der aktuellen Amtszeit zieht sie Bilanz und setzt sich noch immer für, die in diesem Zusammenhang wichtig sind.

Zwischen „Girls’ Day“ und Frauentag gibt es noch viel zu tun. Diese Ansicht vertritt Heidi Horn, die vor acht Jahren das Amt der ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten übernahm. So war und ist die 1959 in Edenkoben geborene Betriebswirtin im Handwerk bislang erste Ansprechpartnerin für alle Bürgerinnen, aber auch Bürger, wenn es in Sachen Gleichstellung Unsicherheit gibt.

Dennoch ist EDV-Fachfrau Horn der Meinung, dass gerade Frauen und schon junge Mädchen sich „unbedingt“ in der Politik, aber auch in der Gesellschaft allgemein Gehör verschaffen sollten. „Wie müssen wir den politischen Alltag verändern, damit mehr von ihnen dazu die Möglichkeit erhalten?“, ist eine der Fragen, die Horn sich auch selbst immer wieder stellt.

Horn hat sich erneut für das Ehrenamt beworben

Mit der Kommunalwahl und der damit verbundenen Legislaturperiode des Haßlocher Gemeinderats ist auch die aktuelle Amtszeit der weiteren ehrenamtlichen Beauftragten der Gemeinde zu Ende gegangen. Wie Horns Position sind aktuell noch die der Beauftragten für Migration und Integration sowie für Menschen mit Handicap neu zu besetzen. Horn möchte die ehrenamtliche Tätigkeit „gern weiter ausüben“ und hat sich neu beworben. Da sie für die Grünen gerade erst in den künftigen Gemeinderat gewählt wurde, wird ihre Bewerbung laut Gemeinde-Pressesprecher Marcel Roßmann jedoch „Teil der Prüfung sein“, die aber auch alle anderen Anwärter betreffe: „Sämtliche Bewerbungen werden mit Ende der Frist am 9. August auf ihre Zulässigkeit geprüft. Sind die Voraussetzungen einer Zulässigkeit gegeben, wird der Gemeinderat die neuen ehrenamtlichen Beauftragten wählen und in ihr Amt berufen.“

In den vergangenen Jahren habe Horn in ihrem Amt, das 2011 in Haßloch wie in vielen anderen Kommunen auch neu eingeführt worden sei, mehrere Veranstaltungen im Jahr geprägt: Beim jährlichen „Girls’ Day“ bietet sie, auf Einladung auch mit Kommunalpolitikerinnen unterschiedlicher Parteien, fast seit ihren Anfängen Workshops zur politischen Bildung an. „Das hat sich sogar bei den erfahrenen Gemeinderätinnen erst spät herumgesprochen“, sagt Horn. Es sei daher im Bereich weibliche Beteiligung „noch viel zu tun“, aber dafür müsse vielen Frauen noch „klar werden, dass es sich bei Fragen in diesem Bereich nie um Einzelbeispiele handelt“.

Horn stört der niedrige Frauenanteil im Gemeinderat

Beim „Tag gegen Gewalt an Frauen“ erfahre sie jährlich große Unterstützung von allen Seiten, erklärt Horn. Mit örtlichen Frauengruppen, entsprechenden Initiativen und Verbänden und dem Frauenbeirat des Landkreises Bad Dürkheim arbeitete sie zusammen.

Zum Thema „Frauenanteil in der Politik“ hat Horn während der abgelaufen Amtszeit eine Statistik angefertigt, die unter anderem im Lokalen zeigt, dass im Gemeinderat noch immer weniger Frauen sitzen als Männer. Und das, obwohl mit 51 Prozent Männern und 49 Prozent Frauen die Bevölkerung „ausgeglichen“ sei, was die Geschlechterverteilung angehe. Besonders stört sich Horn daran, dass Frauen häufiger in den Ausschüssen für Soziales oder Schule säßen, während in den Gremien für Finanzen oder Bauen der Männeranteil viel höher sei. „Ob sich das im neuen Gemeinderat ändern wird, muss man sehen“, merkt sie skeptisch an.

Auch den Straßennamen schreibt Horn, die viel Arbeitszeit für den Aufbau von Netzwerken und Recherche aufwendet, eine große Symbolwirkung zu. Lediglich fünf Straßen in Haßloch seien bisher nach Frauen benannt, kritisiert sie. Das Namensrecht sei ebenfalls etwas, was sie gerne einmal verbessern würde: „Der Namenswechsel bei der Heirat bleibt zwar jeder Frau selbst überlassen. Aber sie verliert dabei ihre Wurzeln, denn die Ahnenforschung wird dadurch später immer sehr schwierig.“

INFO

Noch bis Freitag, 9. August, sind Bewerbungen beim Fachbereich Bürgerdienste der Gemeinde Haßloch als ehrenamtliche Beauftragte für Gleichstellung, für Migration und Integration sowie für Behindertenfragen möglich. Nach einer Prüfung der eingegangenen Bewerbungen wählt der Gemeinderat die drei Beauftragten in öffentlicher Sitzung für die kommenden fünf Jahre. Information/Rathaus, Telefon 06324/935-0.

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