Neustadt Gute Chancen fern dem Heimatland

Zweieinhalb Jahre lang hat die BASF junge Menschen aus Spanien an den Standorten Tarragona und Ludwigshafen zu Produktionsmitarbeitern ausgebildet. Jetzt starten sie in den Beruf: Von Januar an werden sie hier in Betrieben arbeiten – ihr Heimatland bietet jungen Menschen kaum Perspektiven.
Das Einzige, was Elena Escartin Pueyo abgesehen von ihrer Familie und ihren Freunden in Deutschland wirklich vermisst, ist die Sonne. Dass sie dafür nun beruflich sonnige Aussichten hat, entschädigt sie allerdings. Denn in Spanien, erzählt die 20-Jährige, gebe es nur sehr wenige Arbeitsplätze. Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich entschieden, ihr Heimatland zu verlassen und im kühleren Deutschland ihr Glück zu suchen: Zusammen mit 15 Kollegen absolvierte sie bei der BASF eine duale Ausbildung zur Chemikantin. Vor Weihnachten bekam sie im Gesellschaftshaus ihr Zertifikat, und von Januar an wird sie im Ludwigshafener Stammwerk arbeiten. In der 2005 gegründeten Carboformfabrik, in der hauptsächlich mit Produkten aus Ameisen- und Propionsäure gearbeitet wird, wird Elena Escartin Pueyo für die Analyse und Kontrolle verschiedener Produkte zuständig sein und sowohl in der Messwarte als auch im Labor arbeiten. „Die Analysen gefallen mir, ich arbeite gerne mit Chemie“, sagt die Spanierin. Sie zeigt auf ein Probengefäß mit Propionsäure und erklärt, dass sie die Konzentration kontrolliert. Die hier hergestellten Produkte werden zum Beispiel als Enteisungsmittel oder zur Konservierung von Futtermitteln verwendet, führt Betriebsleiter Ricardo Ferré Giménez aus. Alle 16 Absolventen bekommen in Ludwigshafen Jobs, beispielsweise in der Wasserversorgung oder in der Neoporfabrik. Von Anfang an war das Ziel der Ausbildung die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis. „Die Ausbildungskooperation mit Spanien ist eines der Instrumente unserer Fachkräfterekrutierung“, sagt Beate Petry, Leiterin der Auszubildendenrekrutierung. „Wir wollen Perspektiven anbieten.“ Perspektiven, die die jungen Leute brauchen: Nach wie vor sind mehr als 20 Prozent der Spanier von Arbeitslosigkeit betroffen, bei unter 25-Jährigen sind es sogar über 40 Prozent. So kann es nicht verwundern, dass das Angebot der BASF auf großes Interesse stößt. 2013 gingen nach Petrys Angaben 400 Bewerbungen auf die 20 Ausbildungsplätze ein, vergangenes Jahr die doppelte Menge. „Die Entscheidung, das Heimatland zu verlassen, ist schwierig“, sagt die 39-Jährige. Deswegen müssen bei Ausbildungsbeginn alle Azubis volljährig sein. Von 20 Auszubildenden des Jahrgangs 2013 sind vier im Lauf der Zeit ausgeschieden, da sie feststellten, dass der Beruf nicht zu ihnen passt. Die Anforderungen sind hoch: Die Azubis müssen motiviert sein, Deutsch zu lernen. Eineinhalb Stunden stehe die Sprache täglich auf dem Lehrplan der Berufsschule, sagt Petry: „Das ist ein ganz wichtiger Schritt zur Integration in das Arbeitsfeld.“ Der hohen Bedeutung der Sprache seien sich die Azubis bewusst. „Ich habe viel Lust, Deutsch zu lernen“, sagt Escartin Pueyo. Leicht falle ihr das allerdings nicht. Bestandteil des Abiturs war die Sprache noch nicht. Trotzdem sieht sie durch den intensiven Unterricht im Institut Comte de Rius, der beruflichen Fachschule in Tarragona, der Zukunft optimistisch entgegen: „Die Kollegen sind auch alle sehr nett zu mir, sie helfen mir sehr viel und reden viel mit mir in deutscher Sprache.“ Auch außerhalb des Betriebs habe sie schon Freunde gefunden. Demnächst möchte sie mit einer Kollegin zusammenziehen. Die 20-Jährige und ihre Mitabsolventen haben nun die gleichen Möglichkeiten wie alle anderen Mitarbeiter der BASF: Sie können sich zum Beispiel berufsbegleitend weiterbilden. Auch das Unternehmen ist zufrieden mit dem Pilotprojekt. Das Programm soll auf jeden Fall fortgesetzt werden.