Aufgelesen Gnadenhof für Lampen
Geschichte kann man an vielerlei Gegenständen ablesen. Es müssen nicht immer Ausgrabungen sein, an denen man die Vergangenheit rekonstruieren kann. Manchmal sind es kleine Dinge, die noch gar nicht so weit zurückliegen und doch etwas über die Menschen und gesellschaftlichen Entwicklungen erzählen können. Gleichzeitig behalten sie ein gewisses Maß an Verschwiegenheit bei.
Da ist etwa die historische Lampenkollektion, die sich im Lager von Elektro Grün in Hambach versammelt hat. Es sind Stücke aus gediegenen Neustadter Wohnungen und Häusern. Auch eine Hängelampe aus dem Schlafzimmer eines ehemaligen Ortsvorstehers ist darunter. Die Zeitspanne reicht weit zurück ins 20. Jahrhundert. Die Lampen waren ihren Besitzern liebgewonnene Begleiter über viele Jahre, bis sie irgendwann einem moderneren Stück weichen mussten. Andere durften bis zum Schluss bleiben und wurden bei der Haushaltsauflösung von Jürgen Grün gerettet. Er errichtete einen Gnadenhof für Deckenleuchten, für Lampen für Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kinderzimmer und Flure. Verspielt mit ziselierter Metallverzierung, im Art-Déco-Stil, 1970er-Jahre-Style oder als mintgrünes „Ufo“.
Wenn man aus heutiger Sicht die Formen und Farben betrachtet, staunt man über den Modegeschmack der Nachkriegszeit, in der sich die Leute wieder etwas leisten konnten – und das auch wollten. Als der Zeitgeist ein gemütliches Heim mit vorzeigbarer Einrichtung verlangte. Die Lampen schwebten über den Familien, sahen alles Gute und machten auch die schlechten Zeiten still und leise mit. Sie schwiegen über Geheimnisse, die sie nur für diejenigen, die sie teilten, beleuchteten. Sie schienen hell oder stimmungsvoll. Heute werden sie nur noch von einem kleinen Kreis bestaunt. Wie schade.