Neustadt
Getränke Ehresmann: Traditionsbetrieb zieht sich zurück
Seit 1904 gibt es Getränke Ehresmann. „Unser Standort war schon immer hier am Kohlplatz“, sagt Klaus Ehresmann. Auf dem engen Hof sieht alles nach Routine aus. Ein Lieferant kommt und lädt etliche Kisten ab. Ehresmann schaut, ob alles so läuft, wie er das möchte, und greift zum Telefon. Sohn Michael ist gerade zum Ausliefern unterwegs. Er soll bald zurückkommen, denn ein Teil der gerade angelieferten Ware soll noch am selben Tag zu Kunden gebracht werden. „Es ist eben immer was los“, kommentiert Ehresmann die Szene.
Und doch soll damit Ende April Schluss sein. Dann wird es den Lieferservice von Getränke Ehresmann nicht mehr geben. Die Kunden sind schon informiert worden, dass Stefan Anselmann aus Kirrweiler (er führt das Geschäft Getränke Dehn in Bad Dürkheim) übernehmen und sich entsprechend melden wird. Wer miterlebt hat, mit welchem Spaß Klaus Ehresmann eben noch alles dirigiert hat, fragt sofort: „Und warum hören Sie auf?“ Ehresmann antwortet trocken: „Meine Frau und ich sind jetzt alt genug.“ Er sagt es und grinst. Er ist 74, seine Frau 71. Er habe den Job nun 50 Jahre gemacht, das sei genug, findet Ehresmann. Zumal Sohn Michael, der auch im Betrieb ist und eigentlich alles weiterführen sollte, einen Job in der BASF gefunden habe. Daher hat sich die Familie für den langsamen Rückzug entschieden.
Laden drei Tage offen
In der Getränkebranche sei es schwieriger geworden, sagt der 74-Jährige offen. Man sei beim Bestellen der Ware nicht mehr so flexibel, Personal zur Verstärkung des Teams sei schwierig zu finden und auch preislich sei es bei manchen Lieferanten knifflig. Das mache Planung und Arbeit komplizierter. Und einen Teil der dadurch entstehenden höheren Kosten „müssen wir weitergeben, und dann fragen uns unsere Kunden wieder, was das soll“, so Ehresmann. Aufgrund der Gesamtlage sei der Rückzug aus dem Lieferdienst beschlossen worden. Aber er habe deshalb „ganz gemischte Gefühle“. Und da er nach Jahrzehnten im Job nicht einfach mit seiner Frau von heute auf morgen gar nichts mehr machen könne, „werden wir beide uns noch um den Abholmarkt kümmern, der bleibt vorerst weiter von Donnerstag bis Samstag für unsere treuen Kunden offen, und für uns sind drei Tage im Laden überschaubar“. Zumal das Ausliefern der Hauptteil des Geschäfts sei.
Er sei froh, mit Stefan Anselmann einen Nachfolger für den Getränkeservice gefunden zu haben. Und er freue sich mit seiner Frau auf die Begegnungen im Laden: „Wir brauchen die Gespräche mit unseren Kunden.“ Trotzdem empfinde er es als Erleichterung, nicht mehr täglich ausfahren und alles koordinieren zu müssen. Zu seinen Kunden zählen Privatleute ebenso wie Firmen und Arztpraxen, aber eben auch Restaurants und Hütten im Pfälzerwald wie die Hohe Loog oder die Hellerhütte. „Das Be- und Entladen ist extrem anstrengend“, betont Ehresmann. Er könne sich an Tage erinnern, „da habe ich 1000 Kisten in der Hand gehabt“. Erst habe er den Lkw mit 250 Kisten beladen, diese dann bei Kunden abgeladen, das entsprechende Leergut aufgeladen und alle leeren Kisten am Ende am Kohlplatz wieder weggeräumt. „Das war schon eine Nummer“, sagt Ehresmann trocken – und lacht.
Schneetouren zu den Waldhütten
Dass viele Kunden auf den Rückzug mit einem „Oh Gott, was sollen wir jetzt tun“ reagieren, sei eine schöne Bestätigung für die lange Arbeit und die gute Qualität des Familienbetriebs, den der Urgroßvater gegründet hat. Dabei kann er sich an so manches Abenteuer beim Ausliefern erinnern: „Wir haben Schneeketten auf dem Weg zu den Waldhütten platt gefahren und sind im Schnee stecken geblieben.“ Ehresmann grinst, will gar nicht so viel erzählen, deutet nur an: „Ich könnte Bücher füllen.“
Stattdessen will er noch für den Fortbestand der Getränkemärkte und -lieferanten werben. Diese seien oft nicht teurer als Supermärkte – „außer bei Sonderaktionen“. Und jeder müsse wissen, was er kaufen wolle. Wenn es um Bierspezialitäten oder besondere Limos gehe, könne man nicht dieselben Preise wie bei Standardprodukten von großen Marken erwarten. Als Händler müsse man aufpassen, „sich nicht zu verzetteln“. Er habe auch mal 84 Sorten Bier gehabt – „und dann nach und nach aussortiert“. Man müsse da sehr sorgfältig sein, denn „zugleich will man ja verschiedene Geschmäcker bedienen“.
Pläne für die ruhigen Tage ab Mai haben Klaus Ehresmann und seine Frau noch nicht gemacht. Er will seinen Job erst einmal anständig bis zum Schluss machen. Alles weitere werde sich zeigen.