Neustadt Geld von der Stadt für Sport und Kultur als Auslaufmodell?
„Der Neustadter Sport ist sehr auf unsere Unterstützung angewiesen und baut auch darauf“, sagte Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel in der jüngsten Sitzung des Sportausschusses der Stadt. Themen waren hier unter anderem das Verteilen der allgemeinen Sportfördermittel und Investitionszuschüsse 2024 sowie der Sportetat im Haushalt 2025. Weigel betonte: „Dass wir noch Gelder in Sport und Kultur ausloben, ist eine Seltenheit.“ Wenn die finanzielle Entwicklung aber so weitergehe wie bisher, „wird es ein Auslaufmodell sein“.
Marc Weigel wies darauf hin, dass „wir einen Haushaltsentwurf vorlegen, den wir für genehmigungsfähig halten“. Es gehe bei den Sportfördermitteln um eine Bestandswahrung. „Eine Erhöhung ist nicht möglich.“ Tobias Weisenburger, Vorsitzender des Sportkreises Neustadt, dankte der Stadt für die Hilfe, denn die Bereitstellung der Sportfördermittel, „welche eine freiwillige Leistung der Stadt darstellen“, sei in der heutigen Zeit in vielen Städten und Kommunen nicht mehr selbstverständlich.
Kollisionswarngerät für Flugsportverein
Im Haushaltsansatz 2024 stehen 127.270 Euro an allgemeinen Sportförderungsmitteln: 14.820 Euro für fünf Vereine (DLRG Mußbach, DLRG Neustadt, SC Neustadt, STC Nautilus, TV Mußbach), die für ihren Sport das Schwimmbad nutzen müssen. 1463 Euro sollen als Wegstreckenzuschuss acht Vereinen helfen, deren Sportler zu deutschen Meisterschaften gereist sind. Acht Vereine erhalten laut dem Vorschlag der Verwaltung insgesamt 7477 Euro für den Erwerb von Sportgeräten. Im Ganzen hatten sie 43.471 Euro beantragt. Mit 2728 Euro geht dabei der größte Batzen an den Flugsportverein Neustadt für ein Kollisionswarngerät und Rettungsfallschirme. Die Förderquote liegt bei 21,5 Prozent. „Sind es viele Vereine, die eine teure Ausrüstung brauchen, sinkt die Förderquote“, sagte Andreas Gröschel, Leiter des Schul- und Sportamts.
Die Bagatellgrenze
Die Grünen hatten einen Antrag gestellt, die Bagatellgrenze von 150 Euro zur Anschaffung von Sportgeräten zu ändern. „Der Breitensport ist wichtig“, ergänzte Grünen-Mitglied Elke Kimmle und sprach damit auch den sozialen Aspekt im Sport an. „Es wäre schön, wenn der Breitensport mehr als den Grundbetrag bekäme.“
Tobias Weisenburger, auch Vorsitzender der TuS Lachen-Speyerdorf, lehnte den Antrag ab: „Wenn Vereine kommunale Sportstätten nutzen, haben sie keine Kosten für Wasser, Strom und Reinigungskräfte.“ Solche Vereine hätten ihre Mitgliedsbeiträge, aber keine weiteren Kosten. Erhöhe man allerdings die Bagatellgrenze, sei dies nachteilig für Vereine mit eigenen Liegenschaften: „Wenn ich unten erhöhe, muss ich oben wegnehmen.“ Den Antrag der Grünen lehnten die Ausschussmitglieder mit deutlicher Mehrheit ab.
Der Fördersatz bei den städtischen Investitionszuschüssen 2024 liegt bei 31,9 Prozent, insgesamt sind es 30.800 Euro. Sechs Vereine haben hier elf Anträge gestellt mit einer gesamten Antragssumme von 147.517 Euro. 15.162 Euro sind als größte Entscheidungen für den TV Mußbach und die Sanierung seiner Weitsprunganlage vermerkt, 6092 Euro für elektronische Schießstände der Schützengesellschaft Neustadt.
Sportfördermittel 2025
Im Haushaltjahr 2025 sind ebenfalls 127.270 Euro als allgemeine Sportfördermittel sowie 30.800 Euro als Investitionszuschüsse für Baumaßnahmen von Vereinen vorgesehen.
Andreas Gröschel sprach eine weitere Besonderheit in Neustadt an: „Es ist einmalig, dass in einer Kommune von dieser Größe vier Schwimmbäder sind. Dies ist nur möglich mit drei Fördervereinen.“ Marc Weigel stimmte zu: „Ich muss ein großes Kompliment aussprechen.“ Das Ganze sei ein Konstrukt, um die Schließung eines Freibades zu umgehen. Die Freibäder in Duttweiler, Hambach und Mußbach werden von Fördervereinen betrieben. Weigel: „Das geht nur, weil sich alle mächtig anstrengen.“ Sämtliche Kostensteigerungen hätten die Fördervereine noch viel mehr getroffen. Der Investitionszuschuss 2025 für die drei Fördervereine wird laut Verwaltung im Bädergespräch am 27. November mit dem Oberbürgermeister und den drei Fördervereinen festgelegt. 2024 habe dieser Zuschuss bei 50.000 Euro insgesamt gelegen: jeweils 20.000 Euro für Hambach und Mußbach sowie 10.000 Euro für Duttweiler.
57 Vereine im Sportkreis
Laut Bericht des Sportkreisvorsitzenden Tobias Weisenburger sind innerhalb des Sportbundes Pfalz im Sportkreis Neustadt 57 Vereine mit 18.337 Mitgliedern gemeldet, von Letzteren 10.613 männliche und 7724 weibliche. Bei den 57 gemeldeten Vereinen handele es sich um 31 Ein- und 26 Mehrspartenvereine. Von den 53.981 Einwohnern im Sportkreis Neustadt seien 18.337 Einwohner Mitglied in einem Sportverein. Dies entspreche einer Quote von 33,97 Prozent. Innerhalb des Sportbundes Pfalz gibt es insgesamt 16 Sportkreise.
Der Sportbund Pfalz unterstützt ebenfalls seine Mitgliedsvereine: Laut Weisenburger hat der Sportbund Pfalz 2023/2024 Baumaßnahmen bezuschusst: 3675 Euro 2023 für die Schützengesellschaft Neustadt (Sanierung Schießstand), 6100 Euro für den SV Geinsheim (Neubau Beachtennisplätze), 73.290,68 Euro für den TV Mußbach (Sanierung seiner Weitsprunganlage), 1780 Euro für die SG Mußbach (Ausbau des Raums der Dartmannschaft), 1180 Euro für den TV Gimmeldingen (Sanierung der Fenster in der alten Turnhalle). Zum Anschaffen von Pflegegeräten habe der Sportbund Pfalz, so Weisenburger, 2024 zwei Vereinen einen Zuschuss gegeben: Der SV Geinsheim erhielt demnach 1390 Euro, um sich einen Rasentraktor zu kaufen. Der TSV Königsbach habe 210 Euro für den Kauf eines Rasenmähers bekommen. Ebenfalls habe der Sportbund Pfalz 2024 den TV Gimmeldingen mit 200 Euro bezuschusst für die Anschaffung einer Tischtennisplatte. Der SV Geinsheim habe 690 Euro für den Kauf von Großfeldtoren erhalten. Der Sportbund habe zudem Geld beigesteuert für zwei Defibrillatoren, jeweils bei der TuS Lachen-Speyerdorf und beim TV Gimmeldingen.
In der Ausschusssitzung sind Stefan Leim (Stellvertreterin Romy Möller) sowie Tobias Weisenburger (Stellvertreter Wolfgang Gebhard) in den Sportstättenbeirat gewählt worden.