Neustadt Geißbocktradition in der Familie

Dass es das jüngst vermählte Brautpaar sein muss, das an Pfingsten den jährlichen Lambrechter Geißbock als Tribut für einstige Weidenutzung im Deidesheimer Hinterwald zur Versteigerung nach Deidesheim führt, war gestern. Roland Marx und Beatrix Abel, seit kurzem bereits verheiratet, stehen jedenfalls schon als Überbringer des 612. Tributbocks fest. Für Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller war′s ein Debüt, als er die Geißbockführer und den Geißbock am Donnerstag vorstellte.
Geduldig wartete der Geißbock an den Stufen zum Zunfthaus auf seinen Auftritt. Gerhard Wiegand, früher Ziegenbockzüchter, war es wieder gelungen, für die Stadt Lambrecht einen stattlichen Tributbock zu kaufen. Der Vierbeiner aus der Rasse Waliser Schwarzhals ist sechs Jahre alt, ausgestattet mit einem schönen, 70 Kilogramm schweren Körperbau und dazu passendem Gehörn. Er kommt aus der Zucht von Oliver Wittmer in Wachenheim. Nein, der Bock ist kein Nachkomme aus der Hippie-Zeit mit seinem Langhaarfell, das seine zur Nachzucht notwendige Beschaffenheit schamhaft verdeckt und sein Gesicht „verschleiert“. Beim Posieren für die Kameras duftete er bocktypisch. „Da hilft kein Pudern und kein Schminken“, zitierte Gerhard Wiegand eine alte Volksweisheit. Die Braut ist aus dem Lambrechter Hause Abel, Pädagogin für Lernen und emotionale Entwicklung an der Windmühlen-Förderschule in Mainz. Animiert von der Stadtkapelle Lambrecht, in der sie Querflöte spielt, infiziert von Oma Käte Löffler, die mitwirkte bei Geißbockspielen, und Onkel Wolfgang Veth vom historischen Deidesheimer Stadtgericht, bewarb sie sich als Tributbockführerin zusammen mit ihrem Mann Roland. Der 36-Jährige hat seine Wurzeln in Frankenthal, ist DRK-Rettungsassistent und spielt Fußball in der AH-Mannschaft. Ihr gemeinsamer Sport sind Laufen und Skatbordfahren. Beide sind aktiv beim Frankenthaler Carnevalverein, er als Elferrat, sie als Trainerin der Minigarde. Das Paar wohnt in Hessheim. Kennengelernt haben sich Beatrix und Roland Marx bei der Organisation für Jugendfreizeiten „Young Generation“. Näher gekommen sind sich bei der ehrenamtlichen Betreuung von Jugendlichen im schwedischen Glava in der Provinz Värmland. Am Pfingstsonntag, 24. Mai, wird beim musikalischen Heimatabend, den die Musikkapelle Königsbach musikalisch gestaltet, der Geißbock dem Brautpaar übergeben. Am Dienstag darauf führt das Paar mit Brief und Siegel den Geißbockmarsch (ab 5.30 Uhr an der Friedrich-Ebert-Brücke) nach Deidesheim an. Nach Annahme des Tributbocks durch das historische Stadtgericht wird das Tier ab 17.45 Uhr vor dem historischen Rathaus Deidesheim versteigert. (awk)