Neustadt Gedankenblitze kommen im Alltag

Zahlreiche Patente gehen auf das Konto von Joachim Dorow. Der 74-jährige Haßlocher, der viele Jahre als Erfinder im Druckmaschinenbau tätig war, kann sich auch als Rentner noch auf seine Gedankenblitze verlassen und tüftelt an neuen technischen Entwicklungen.
, Frankenthal und Augsburg sind nur einige berufliche Stationen im Erfinderleben des einstigen Berliners, der seit über 30 Jahren in der Pfalz lebt. In jungen Jahren arbeitete der gelernte Maschinenschlosser für die Howaldtswerke, eine Großwerft in Hamburg, und spielte zeitweise sogar mit dem Gedanken, zur See zu fahren. Es kam anders, er ging zurück nach Berlin, besuchte dort die Ingenieurschule und schlug schon bald die technische Laufbahn eines Konstrukteurs ein. Während der Hochkonjunktur um 1970 war er zunächst im Druckmaschinenkundendienst tätig, betreute Monteure und Kunden. Doch schon bald begann er seine „aktive Erfinderlaufbahn“ für die Albert-Frankenthal GmbH. In der Abteilung „Versuch und Entwicklung“ erfand Dorow zahlreiche Innovationen im Bereich der Druckmaschinentechnik, allem voran ein Kurzfarbwerk für den Offsetdruck, für das 1981 das Patent erteilt wurde. Das Besondere: Die Auftragswalze, also die Walze, die die Farbe beim Druck auf den Druckzylinder aufträgt, hatte erstmals den selben Durchmesser wie dieser. Vorteil: Das „Schablonieren“ – Schwankungen der Farbschichtdicke, die beim Abrollen der Farbauftragswalze entstanden, konnte damit verhindert werden. Dorow betont nicht ohne Stolz, dass es sich dabei um eine „kleine Revolution“ gehandelt habe. Bei dem Anilox-Einfärbeverfahren, bei dem im Gegensatz zum ursprünglichen Offset-Verfahren nur wenige Walzen erforderlich sind, handelt es sich um kein neues Druckverfahren. Die Einfärbetechnik kann sowohl für den Offset- als auch für den Hochdruck benutzt werden. 1984 stellte der Konzern die neue Technik erstmals vor, 1992 erschloss die Würzburger Koenig & Bauer AG, zu der Albert-Frankenthal gehört, mit dem Verfahren den US-Markt. Weitere Neuheiten im Druckbereich gehen auf Dorow zurück. So entwickelte er im Auftrag der BASF viele Vorrichtungen für den Tiefdruck, darunter eine zum Spannen von Druckplatten, für die 1992 das Patent erteilt wurde. Doch bald nachdem die Abteilung Drucksysteme aus dem Konzern ausgegliedert wurde, schied Dorow aus der BASF aus und machte sich mit dem „Konstruktionsbüro Dorow“ selbstständig. Weitere Erfindungen im Bereich Drucktechnik folgten. 2002 meldete er Patente für Druckmaschinen zum Bedrucken von runden Hohlkörpern – insbesondere Getränkedosen – an. Das Wesentliche daran war die leichte Bauweise der Druckwerke – und damit sinkende Herstellungskosten. Interessenten scheuten aber die Investitionskosten. Inzwischen hat der Rentner sein erfinderisches Genie auf andere Bereiche ausgedehnt. 1999 meldete er das Patent für eine Einrichtung zum Ordnen, Belüften und Trocknen von Sportmatten an. Auf die Idee sei er beim Training im Fitnessstudio gekommen. Dorow: „Die Leute haben die Matten immer kreuz und quer in die Ecke geworfen.“ Er habe seine Erfindung an verschiedenen Stellen angeboten und sei auf positive Resonanz gestoßen. Ihm habe sogar jemand die Abnahme von Mattenhalterungen in Aussicht gestellt, sofern er sie selbst produziert und vermarktet hätte. Dorow: „Wenn ich noch jünger wäre, hätte ich das bestimmt getan.“ Auch andere geniale Ideen werden im Alltag geboren. So meldete er 2012 das Patent für einen Teichfilter an. Selbst Teichbesitzer, hatte er beobachtet, dass die UVC-Lichtquelle, die bei handelsüblichen Filtern die Algenbildung verhindern soll, schnell verschmutzt und an Wirksamkeit einbüßt. Darum erfand er einen Filter, bei dem die Lichtquelle nicht in direktem Kontakt mit dem durchfließenden Wasser steht. Wenn der Substratfilter unter der Lampe durch Schmutz verstopft ist, sorgt eine Überlauföffnung dafür, dass auch dann kein Kontakt zur Lichtquelle entsteht. 2013 hat er das Patent für eine mobile Anlage zur Wasseraufbereitung und -entkeimung, dessen Veröffentlichung aussteht, angemeldet. Erfinder haben es schwer, ihre Ideen im Alleingang zu verwirklichen. Wer nicht als Arbeitnehmer mit konkretem Auftrag nach Lösungen sucht, muss seine Erfindung meist selbst vermarkten. Hier unterstützt der Erfinderclub Pfalz seine Mitglieder, und „alte Hasen“ wie Dorow bringen Know-how mit. Früher habe er nur an eigenen Ideen getüftelt, im Verein helfe er „auch mal anderen Leuten“ bei der Umsetzung ihrer Gedanken.