Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Geöffnete Fitnessstudios: Erst testen, dann trainieren

Keiner kommt dem anderen zu nahe: Die Fitnessstudio-Besucher, hier im Gesundheitszentrum Körpergefühl, trainieren alle mit Absta
Keiner kommt dem anderen zu nahe: Die Fitnessstudio-Besucher, hier im Gesundheitszentrum Körpergefühl, trainieren alle mit Abstand zueinander.

Die Fitnessstudios sind wieder geöffnet. Auch in Neustadt. An den Geräten darf trainieren, wer geimpft, von Covid-19 genesen oder negativ getestet ist. Schon bald könnten sogar wieder Kurse angeboten werden. Noch ist es nicht voll in den Studios.

Seit Anfang Mai haben die Fitnessstudios nach dem langen Lockdown in der Corona-Pandemie geöffnet. Voraussetzung für den Besuch ist ein negativer Coronatest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Doch manche Sportler zögern noch. Der Schnelltest vor dem Training sei vielen zu umständlich, berichten einige Studiobetreiber. „Den Mitgliedern ist das Prozedere zu zeitaufwendig“, sagt Francois Ipach vom Fitnesscenter Ipach. Teilweise sei sogar bei den Sportlern noch nicht angekommen, dass das Studio wieder offen sei. Auch laut Bernhard Köllner, Geschäftsführer der Pfitzenmeier-Gruppe, zeigen sich einige Mitglieder noch verhalten. „Es ist eine Frage der Gewohnheit, vorher einen Abstecher ins Testzentrum zu machen, auch wenn es wie bei uns vor der Haustür ist.“ Damit spricht er die Teststelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vor dem Pfitzenmeier-Studio an. Tests sind dort laut Stadtverwaltung ohne Terminvereinbarung möglich.

Schnelltest vor Ort

Das Sportstudio Rössler bietet seinen Kunden einen Schnelltest vor Ort an. „Wir haben einen Lehrgang beim DRK gemacht und dürfen selbst Tests durchführen“, erklärt Studiobetreiber Andreas Rössler. Hierfür habe das Studio einen Testraum mit separatem Eingang und Wartebereich eingerichtet. Erst wenn der Test ausgewertet und negativ ist, dürfen die Mitglieder in den Trainingsbereich. Viele von ihnen seien auf das regelmäßige Training angewiesen und scheuten den Vorabtest nicht, weiß Rössler. „Wenn man täglich Schmerzen hat, nimmt man den Test in Kauf“, sagt der Studiobetreiber.

Kerstin Dietrich, Inhaberin des Gesundheitszentrums Körpergefühl, berichtet von Kunden, die den 24 Stunden gültigen Test gleich für zwei Besuche im Studio nutzen. „Viele lassen sich im nahe gelegenen Klemmhof-Testzentrum testen und planen gleich für den Folgetag noch eine Trainingseinheit ein.“ Für Geimpfte und Genesene, deren Infektion nicht länger als sechs Monate zurückliegt, entfällt die Testpflicht. „Viele unserer Besucher sind bereits geimpft oder genesen und sind froh, spontan ins Studio kommen zu können“, sagt Ipach. Das bestätigt auch Rössler: „Aufgrund der hohen Altersstruktur unserer Kunden sind viele bereits vollständig geimpft und dankbar, ohne Testpflicht trainieren zu dürfen.“

Mit Maske zum Gerät

Wie schon vergangenes Jahr gelten überall umfassende Abstands- und Hygieneregeln. Zwischen den Geräten muss ein Abstand von drei Metern sein. Zudem müssen die Kunden eine Maske auf dem Weg zum Gerät tragen und sobald sie dieses verlassen. Alles muss regelmäßig desinfiziert und gelüftet werden. Duschen, Umkleiden und Saunen bleiben nach wie vor geschlossen.

Das Fitnesscenter Ipach darf derzeit maximal 21 Kunden gleichzeitig trainieren lassen. Zwischen 50 und 60 Mitglieder besuchen durchschnittlich pro Tag das Studio. Das ist ungefähr die gleiche Anzahl an Besuchern, die das Gesundheitszentrum Körpergefühl täglich verzeichnet. Hier finden zehn Sportler gleichzeitig Platz auf der Trainingsfläche. Bei Pfitzenmeier in Neustadt können bis zu 60 Mitglieder zeitgleich trainieren.

„Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was wir tatsächlich anbieten können“, sagt Köllner. Aber in erster Linie sei man froh, dass die Kunden überhaupt wieder kommen dürften. Köllner: „Insgesamt verhalten sich unsere Studiobesucher besonnen, akzeptieren die Regeln und sind sehr froh, dass sie wieder trainieren dürfen.“ Auch Rössler ist froh, dass seine Mitglieder alles mittragen: „Die Vorgaben werden immer und ohne Diskussion eingehalten. Ich bin sehr dankbar, dass die Kunden uns unterstützen.“ Derzeit finden bis zu acht Kunden zeitgleich Platz auf der Trainingsfläche des Sportstudios Rössler.

Noch niemanden abgewiesen

Dass ein Mitglied habe abgewiesen werden müssen, weil kein Platz mehr verfügbar gewesen sei, sei noch in keinem Studio der Fall gewesen, sagen die Inhaber. Viele Studios haben inzwischen eine App, über die einsehbar ist, wie viele Mitglieder aktuell trainieren und ob noch Platz ist. Außerdem kann der Sportler sich so für eine bestimmte Uhrzeit anmelden. Für Köllner ist das Homeoffice mit ein Faktor, warum sich die Besucher so gut auf die limitierten Trainingsplätze verteilen. „Viele können sich die Arbeit zu Hause zeitlich einteilen, und das macht es möglich, auch mal um 11 Uhr trainieren zu gehen.“ Momentan gehe es auf den Sommer zu, da sei das Gedränge auch in normalen Zeiten nicht so groß. Problematisch könne es im Herbst und Winter werden, wenn sich nach Feierabend gerne alle Mitglieder gleichzeitig auf der Trainingsfläche tummeln möchten, so der Geschäftsführer.

Auch im Fitnesscenter Ipach und im Gesundheitszentrum Körpergefühl waren selten bis nie alle Plätze auf einmal belegt. „Meistens regelt sich das von alleine, weil wir Trainingseinheiten unterschiedlich takten, und so nie mehrere Kunden gleichzeitig mit dem Training beginnen“ erklärt Dietrich. Im Sportstudio Rössler vereinbaren die Kunden im Vorfeld einen Termin für das Training und – wenn notwendig – den Test.

Kurse nur online

Bisher ist ausschließlich Gerätetraining erlaubt. Kurse sind, sofern die Studios das anbieten, nur online möglich. Daran könnte sich allerdings ab Juni etwas ändern. Bleibt die Inzidenz stabil unter 100, dürfen die Fitnessstudios ab dem 2. Juni Kurse für bis zu fünf Erwachsene im Innenbereich anbieten. „Falls sich die Möglichkeit ergibt, werden wir die Kurse ab dem 2. Juni wieder aufnehmen“, sagt Ipach. Und auch Dietrich zeigt sich optimistisch: „Ab Juni werden wir wieder mehr anbieten können.“ Für Köllner ist es wichtig, weitere Perspektiven sowohl für die Studiobetreiber als auch die Mitglieder zu haben. Rössler ist zwar froh über jede weitere Öffnung, sieht den 2. Juni aber nicht als Befreiungsschlag: „Solange wir gesetzliche Vorgaben haben, wird der Studiobetrieb nicht rentabel sein.“

Einwurf: Alternativlos

Das lang ersehnte Öffnen der Studios hat begonnen. Allerdings gibt es Bedingungen, wie das Vorlegen eines aktuellen negativen Testergebnisses. Das kann dem einen oder anderen zu viel sein. Verständlich. Einfach mal so spontan und schnell ins Studio, ist für die Mehrheit noch nicht möglich. Aber was ist die Alternative? Es gibt keine für den, der keine Fitnessgeräte zu Hause hat. Auch wenn zeitnah weitere Öffnungsschritte anstehen: Den Umweg übers Testzentrum werden wir noch länger gehen müssen.

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