Am Rande der Bande
Fußball: Hans-Günter Neues wäre am Samstag 70 Jahre alt geworden
Hans-Günter Neues startete seine Trainerkarriere 1984 – er übernahm als Nachfolger von Peter Schlegel den Verbandsligisten VfL Neustadt. Damals wie heute war dort Jürgen Johannes Vorsitzender. „Wir haben einen Trainer gesucht. Da Neues in Neustadt ein Sportartikelgeschäft eröffnet hatte, war der Bezug da“, erinnert Johannes sich. Der prominente Trainer schaffe es, den VfL in der Spitzengruppe der damals viertklassigen Verbandsliga zu etablieren. Dass es ab 1986 für den VfL erneut abwärts ging, er bis in die A-Klasse durchgereicht wurde, kreidet Johannes dem Exprofi an: „Als Neues nach zwei Jahren bei uns nach Edenkoben ging, nahm er mehrere unserer Spieler mit.“
Mehr Einsatzzeiten für Uwe Wolf
Bei der SV Edenkoben hatte zwischenzeitlich der Entsorgungsunternehmer Hans Frühbis das Sagen. Er wollte die Südpfälzer im Profifußball etablieren. Die Edenkobener waren 1986 mit Trainer „Charly“ Braun als Verbandsligameister erstmals in die Oberliga aufgestiegen. Nach einem schlechten Start wurde Braun entlassen. Neues ersetzte ihn und traf auf den Haßlocher Uwe Wolf, der von den A-Junioren des SV Waldhof Mannheim zum Oberliga-Neuling gewechselt war. „Unter Braun hatte ich kaum Einsatzzeiten bekommen, aber Hans-Günter setzte auf mich“, erzählt Wolf. „Ab sofort wehte ein anderer Wind. Es wurde immer mehr unter professionellen Bedingungen trainiert. Spieler, die nicht mitzogen, wurden aussortiert.“ Leider sei er zu spät nach Edenkoben gekommen, um den Abstieg in die Verbandsliga zu verhindern.
Neues blieb und strebte den Wiederaufstieg in die Oberliga Südwest an. Der sollte gelingen. „Ich konnte viel von Hans-Günter lernen. Er hat noch selbst oft als Libero gespielt, und ich als Vorstopper davor“, erzählt Wolf. Nach der Verbandsligameisterschaft stellte Neues ein professionelles Team zusammen. Unter anderem trugen die Ex-Profis Jürgen Groh, Werner Heck, Hannes Riedl und Gregor Quasten das Edenkobener Trikot. Der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga schien zu gelingen. Die SVE wurde erneut Meister, qualifizierte sich für die Aufstiegsrunde.
„Der starke Mann fehlte“
In dieser war Neues jedoch nicht mehr an Bord. In der laufenden Saison nahm er ein Angebot seines früheren Clubs Rot-Weiß Essen an, dort sofort als Trainer zu agieren. „Bereits in den ersten Trainingseinheiten nach seinem Ausscheiden merkte man, dass der starke Mann Hans-Günter fehlte. Das machte sich auch in unserer Spielweise und letztendlich schlechten Ergebnissen in der Aufstiegsrunde bemerkbar. So verpassten wir den Aufstieg in die Zweite Liga“, bedauert Uwe Wolf Neues’ Weggang noch heute. Persönlich habe er ihm viel zu verdanken: „Ich wechselte 1989 zum 1. FC Nürnberg und wurde durch Hans-Günter Fußballprofi. Bis zu seinem viel zu frühen Tod hatte ich mit ihm nicht nur einen Fußballtrainer, sondern auch einen Freund mit vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen.“
Die sportliche Laufbahn von Hans-Günter Neues hatte am Niederrhein beim VfR Büttgen, dem Vereins seines Geburtsorts, begonnen. Mit 18 Jahren wechselte er 1969 zum VfR Neuss, wo er in der damals zweitklassigen Regionalliga West seine Profikarriere startete. Zwei Jahre später schloss er sich Fortuna Köln an. Mit den Kölnern schaffte er 1973 den Aufstieg in die Bundesliga, stieg mit ihnen jedoch ein Jahr später ab. Später wechselte Neues für zweineinhalb Jahre zu Rot-Weiß Essen. Seine Mitspieler hießen unter anderem Manfred Burgsmüller, Horst Hrubesch, Willi Lippens und Jürgen Rynio.
Vorstopper Briegel, Libero Neues
Nach dem Abstieg der Essener 1977 in die Zweite Bundesliga trug Neues bis Dezember noch in 14 Zweitligaspielen das Trikot der Rot-Weißen, nahm dann aber ein Angebot des 1. FC Kaiserslautern an und zog im Januar 1978 in die Pfalz, wo Erich Ribbeck sein erster FCK-Trainer war. Als der ein halbes Jahr später von Karl-Heinz Feldkamp abgelöst wurde, begann Neues’ erfolgreichste Zeit: Feldkamp schulte Hans-Peter Briegel zum Vorstopper um und ließ Neues als Libero spielen. Diese Konstellation war ein Garant für Erfolge: 1979 und 1980 wurde der FCK Tabellendritter, 1981 Vierter und erreichte das Endspiel um den DFB-Pokal. 1982 überwarf Neues sich jedoch mit Feldkamp, wurde suspendiert. Aber nach dem ersten Abschied des Erfolgstrainers vom Betzenberg in der Saison 1982/1983 kam Neues zu seinen letzten fünf von insgesamt 131 Bundesligaeinsätzen. Für den FCK bestritt er zudem 21 Spiele im Uefa-Pokal-Wettbewerb. Zwei Kurzgastspiele bei den Toronto Nationals in Kanada und Estern Athletic Association in Hongkong waren 1983/1984 seine letzten Stationen als Profifußballer.
2014 gelegentlich Gast beim VfL Neustadt
Neues blieb übrigens bis 1989 als Trainer in Essen. Weitere Stationen waren die Offenbacher Kickers, Südwest Ludwigshafen, Eisenhüttenstadt und Waldhof Mannheim, 1995 seine letzte Wirkungsstätte als Coach. Später wurde er FCK-Fanbeauftragter.
Als im Januar 2014 mit Demir Hotic jedoch ein wie Neues aus dem Rheinland stammender früherer FCK-Profi beim VfL Neustadt als Trainer verpflichtet worden war, kam Neues gelegentlich an die Haidmühle. Am 17. November 2016 starb er in Neustadt an Krebs. Dass der FCK, den er wie Hotic immer noch als „seinen Verein“ bezeichnet hatte, in die Drittklassigkeit stürzte und in der Dritten Liga gar gegen den Abstieg spielt, muss er nicht mehr miterleben.