Deidesheim / Neustadt / Hassloch / Niederkirchen
Fußball: 2G- und 3G-Regel für Zuschauer verursachen kaum Probleme
Joshua Kimmich, Fußball-Profi des FC Bayern München, stand zuletzt in den Schlagzeilen. Nicht wegen seiner Künste auf dem Fußballplatz, sondern weil er sich geoutet hat, nicht gegen des Corona-Virus geimpft zu sein. Es gab hitzige Diskussionen. In der Fußball-Bundesliga ist Kimmich laut Deutscher Presse-Agentur nicht der einzige ungeimpfte Profi, gehört aber bei einer Quote von mehr als 90 Prozent unter Spielern und Trainern der Ersten und Zweiten Liga zu den Ausnahmen. In den Fußball-Clubs der Region hingegen gibt es kaum Diskussionen, was die Impfung anbelangt.
Zaungäste
Beim A-Klasse-Spitzenreiter TSG Deidesheim gilt die 3G-Regel – Zuschauer müssen von Corona genesen, dagegen geimpft oder aktuell negativ getestet sein. Dies sei jedoch „überhaupt kein Thema“, betont TSG-Spielleiter Andreas Anslinger. „Die Regeln sind doch überall gleich“, sagt er und verweist auf Fitnessstudios, Kinos oder Restaurants. So gebe es auch keine Beschwerden von TSG-Zuschauern, weil sie beim Eintritt ihren Impfnachweis zeigen müssten. Im Deidesheimer Spiel kürzlich in Altdorf-Böbingen habe gar die 2G-Regel gegolten – nur Geimpfte oder Genesene hätten Zutritt gehabt. „Es war witzig anzusehen“, sagt Anslinger schmunzelnd. „Da waren so 20 Zaungäste.“ Die hätten wohl ihren Impfnachweis nicht dabei gehabt, vermutet er.
Drei Spieler ungeimpft
Bei der TSG seien von 84 aktiven Spielern nur drei nicht geimpft. Einer könne sich nicht impfen lassen, die beiden anderen wollten es nicht. Anslinger: „Sie testen sich regelmäßig.“ Er kontrolliere dies aber nicht, er vertraue den Leuten. Die TSG habe ein junges Vereinsmitglied, einen Medizinstudenten, der geholfen habe, die Spieler über die Impfung aufzuklären, erzählt der Spielleiter. „Das war gut.“
Die Zuschauer haben laut Anslinger auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände ohnehin genügend Platz, voneinander Abstand zu halten, vor allem, „wenn nur 50 kommen“. Bei einem Deidesheimer C-Klasse-Spiel in Friedelsheim neulich habe die 2G-Regel gegolten. Anslinger: „Da waren nur 20 Zuschauer, die sogar ihre Kontaktdaten eintragen mussten – das finde ich übertrieben.“ Die Deidesheimer wissen aus der vergangenen Saison, was ansteht, wenn es einen Verdachtsfall in einem Team gibt: Von der Ersten Männermannschaft bis hinunter in die Jugend musste der Trainingsbetrieb für fünf Tage komplett eingestellt werden, „bis klar war, dass derjenige kein Corona hatte“.
Fast alle Zuschauer geimpft
Die Zuschauer bei Spielen des Bezirksligisten VfB Haßloch seien zu 95 Prozent geimpft „und zeigen dies mit ihrem Handy“, sagt VfB-Vorsitzender Matthias Gillich. „Bei uns gibt’s da gar kein Problem.“ In der Mannschaft selbst gebe es noch Ungeimpfte. Wie viele das seien, könne er nicht sagen. Es sei eine geringe Prozentzahl.
Nur wenige mit Test
Beim Landesligisten SV Geinsheim gilt ebenfalls die 3G-Regel. Für Zuschauer und Spieler. Dies hatte Vereinsvorsitzender Ronald Helf kürzlich betont, als der Landesimpfbus Station am Geinsheimer Sportplatz gemacht hatte. Nur zwei Geinsheimer Fußballer seien bis vor Kurzem nicht geimpft gewesen, einer davon habe jetzt seine Erstimpfung erhalten. Beide müssten sich regelmäßig testen lassen. Zuschauer zeigten ihren Impfnachweis oder ihr Testresultat am Kassenhäuschen. „Personen, die ihren Status nicht preisgeben, sind so zu behandeln, als wären diese nicht getestet/geimpft oder genesen“, informiert der Verein auf einem Hinweisschild am Eingang. Ronald Helf war im jüngsten Heimspiel gegen den FSV Offenbach selbst bei den Kontrollen vor Ort. Denn die Geinsheimer hatten zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie ihr Vereinsheim wieder geöffnet und die Besucher deshalb genau kontrolliert. „Ich war selbst erstaunt – es war nur eine Handvoll Leute, die Tests vorzeigte.“ Dies seien meist junge Leute gewesen. Alle anderen seien geimpft gewesen. Und einige hätte sogar schon die dritte Spritze bekommen.
2G+-Regel in Niederkirchen
„Bei uns gibt es keine 3G-Regelung mehr, sondern 2G+. Das bedeutet, dass je nach Warnstufe des Landkreises Bad Dürkheim eine bestimmte Anzahl getesteter Ungeimpfter die Spiele unserer Mannschaften besuchen kann“, informiert Anja Marx, Geschäftsführerin des Frauenfußball-Regionalligisten 1. FFC Niederkirchen. Bei jedem Zuschauer werde kontrolliert, ob er einen Impf- oder Genesenennachweis dabei habe oder getestet sei. „Die meisten Zuschauer haben dafür Verständnis. Einige muss man aber aufklären. Anscheinend gibt es Vereine, bei denen nicht kontrolliert wird. Manche Zuschauer sagen, bei diesem oder jenem Verein können man einfach so zuschauen“, schildert sie ihre Erfahrungen. Von den Spielerinnen der Ersten Mannschaft seien etwa 15 Prozent ungeimpft.
Der TuS Diedesfeld, Tabellenletzter der A-Klasse Rhein-Mittelhaardt West, setzt laut Spielleiter Bernd Dehm die 3G-Regelung um. „Wir kontrollieren alle, die unsere Sportanlage bei Spielen betreten möchten, am Eingang grundsätzlich mit einer Impf-App“, erklärt er. Er habe bisher nur verständnisvolle Zuschauer erlebt. Lediglich einige Fragen müssten vom Kassenpersonal beantwortet werden. Die Impfquote der aktiven Spieler kenne er nicht, da diese nur zwischen Trainern und den Mannschaften kommuniziert werde.
Eingangstür schließen
Auch beim Bezirksligisten 1. FC 08 Haßloch gilt 3G. Die Zuschauer reagierten meistens verständnisvoll. Allerdings nicht immer. „Wir hatten schon Besucher, die sehr aggressiv wurden. Das ging von Beschimpfungen bis zum Anspucken. Wenn wir merken, dass die Stimmung aggressiv wird, schließen wir die Eingangstür, bis sich die Lage wieder beruhigt hat“, erzählt Torsten Quell, Hygienebeauftragter des FC 08. Bei den Spielen der Juniorenteams übernähmen meist Eltern die Kontrolle. „Wer weder digital noch in Papierform eine Impf-, Genesungs- oder Testbestätigung nachweisen kann, darf unser Gelände nicht betreten“, stellt er klar. Von den 26 Spielern aus dem Kader der Ersten Mannschaft seien 23 geimpft.
Eine noch bessere Impfquote hat der TuS Niederkirchen, Tabellenzweiter der B-Klasse Rhein-Mittelhaardt Nord: Der Sportliche Leiter Ernst Hartmann organisierte im Sommer in Lambrecht einen Impftermin für alle Spieler der Ersten und Zweiten Mannschaft. „Einige waren schon woanders geimpft worden. Aber mit allen anderen haben wir uns geschlossen impfen lassen“, erzählt er stolz.
Termine
- Landesliga: Altleiningen - Geinsheim (Samstag, 18 Uhr);
- Bezirksliga: VfB Haßloch - TuS Frankweiler/Gleisweiler/Siebeldingen (Sonntag, 15 Uhr), VTG Queichhambach - 1. FC 08 Haßloch (Sonntag, 15.30 Uhr); TuS Knittelsheim - VfB Haßloch (3. November, 19.30 Uhr);
A-Klasse: SG Böhl-Iggelheim - TSG Deidesheim (Sonntag, 14.30 Uhr); SG Edesheim-Roschbach/Hainfeld - TSG Deidesheim (5. November, 19.30 Uhr).
Kontrollen bedeuten einen Mehraufwand
Christof Seibel ist Hygienebeauftragter im Südwestdeutschen Fußball-Verband (SWFV). Er hat zu den Corona-Regeln verschiedene Anfragen aus Vereinen erhalten. Zum Beispiel, wie ein Club, dessen Fußballplatz nicht eingezäunt sei, die Impfnachweise der Zuschauer kontrollieren könne, erzählt er. Der Ratschlag: sich mit Flatterband und Hinweisschildern behelfen. „An die Regeln gewöhnen sich die Vereine schnell“, stellt er fest. Doch sei ihm bewusst, dass die Kontrollen der Nachweise einen Mehraufwand in den Clubs bedeuteten: „Es braucht noch ein, zwei Personen mehr am Eingang.“
Aktive Spieler benötigten fürs Training und den Spielbetrieb keinen Test, wenn sie nicht geimpft seien, sagt Seibel. Das sei von der Landesregierung in der jüngsten Corona-Schutzverordnung so vorgegeben. Seibel: „Weil man davon ausgeht, dass die Ansteckungsgefahr auf dem Sportplatz relativ gering ist.“ In der Halle sehe das anders aus, „da müssen die Ungeimpften getestet sein“.
In der Verordnung heißt es auch, dass Training und Wettkampf im Amateur- und Freizeitsport im Freien und Innenbereich zulässig seien, „wenn bei der Sportausübung höchstens 25 nichtimmunisierte Personen und im Übrigen nur genesene, geimpfte oder diesen gleichgestellte Personen teilnehmen“. So müssten Trainer oder Spielleiter zweier Teams vor einem Spiel gegeneinander vorher kommunizieren, wie viele Nichtimmunisierte jeder in einer Mannschaft habe, damit die Zahl 25 nicht überschritten werde, erklärt Seibel.
Schiedsrichter und Trainer, sollten sie ungeimpft sein, zählten nicht zu den 25 Nichtimmunisierten. Sie zählten auch nicht zu den Zuschauern. Seibel: „Die dürfen mitlaufen.“