Handball
Frauen-Oberligist TSG Haßloch und der Mann ohne Langeweile
Langeweile scheint ein Fremdwort für Enrico Georgi zu sein. Handballfans ist er als Physiotherapeut der Haßlocher Oberliga-Frauen und der Männer des Drittligisten mHSG Friesenheim-Hochdorf II bekannt. Beide Teams betreut er in den Spielen und Übungseinheiten. Verletzt sich eine Spielerin, eine Spieler in einer Partie, eilt er mit einem kleinen rot-weißen Koffer aufs Spielfeld. Was ist da eigentlich drin?
„Eis“, verrät er schmunzelnd. „Eisspray, Coolpacks, ein Handtuch.“ Bei einem Pferdekuss beispielsweise, sagt Georgi, sei es das Beste, „einmal Druck drauf, um ein Einbluten zu verhindern“. Wenn aber bei einem Verdacht zum Beispiel auf einen Bänderriss eine weitere Untersuchung nötig sei, „halten sich mit Eisspray die Schmerzen während der Untersuchung in Grenzen“. Der kleine Koffer sei ein extra Eiskoffer. „Wenn wir mit Hochdorf zu einer Auswärtspartie fahren, ist nach vier Stunden alles noch kalt.“ In der Regel hat er noch seinen großen Physiokoffer dabei – darin sind Verbände, Tapes, Wärmesalben, Schmerz stillende Cremes und eine Erste-Hilfe-Tasche.
Gleitschirmfliegen in Prad
Haben die Hochdorfer und die Haßlocherinnen zeitgleich ein Spiel, „hat Hochdorf Vorrang – aber das hören die Ladys nicht gerne“, erzählt Georgi, der in Speyer eine Ein-Mann-Physiotherapie-Praxis betreibt. Zu den Trainingsstunden ist er ebenfalls in der Halle: Die Frauen hätten dienstags und mittwochs ihre Einheiten, „aber ich bin dienstags meist nicht da“. „Montags, dienstags, donnerstags und freitags geht’s nach Hochdorf.“ Um das Aufwärmprogramm müsse er sich im Training meist nicht kümmern. Er lege nur Tapeverbände oder Verbände an. Und habe ein Hochdorfer oder eine Haßlocherin kurzfristig Beschwerden, untersuche er, ob er oder sie in der Lage sei mitzutrainieren. Georgi: „Langeweile kommt so nie auf.“
Zeit für ein Hobby hat der 41-Jährige dennoch: „Vor zwei Wochen erst waren wir Gleitschirmfliegen in Prad am Stilfser Joch.“ Wir, damit meint er „eine Gruppe älterer Herren, die ein bisschen mehr Zeit haben als ich“. Jedes Jahr im Spätsommer machten sie eine Tour in die Ortler-Alpen. „Es waren vier gemütliche Tage“, erinnert sich Enrico Georgi gerne an diesen Kurzurlaub. Am Wochenende war er dann schon wieder zu den Spielen zurück in der Pfalz.
Ruhepole
Zu Hause in Iggelheim sind Paule und Lucy seine Ruhepole. Die jüngere Katze Lucy habe er schon gehabt, bevor er die Haßlocher Handballerin Lucie Krein kennengelernt habe, betont er lachend. Sei er zu langen Auswärtsfahrten unterwegs, kümmerten sich Freunde um die beiden Samtpfoten. Enrico Georgi stammt aus Schwarzenberg im Erzgebirge. „Natur put – es ist wirklich schön dort“, schwärmt er von seiner Heimat, in die er aber nur noch selten fährt. „Die Familie wird immer kleiner.“
Dass der Iggelheimer seine Freizeit in Handballhallen verbringt, liegt daran, dass er früher selbst Handball gespielt hat. „In Waldsee, Hochdorf, Mundenheim und in der Jugend mal in Haßloch“, erzählt er. Er sei Torhüter gewesen, „einer der bekloppten Sorte“. Lachend erklärt er: „Man muss gerade am Anfang einen kleinen Schaden haben – im positiven Sinne – um ins Tor zu gehen.“ Zwischen den Pfosten zu spielen, habe ihm „tatsächlich Spaß gemacht“. Georgi: „Als Torhüter ist man entweder der Held oder der Depp.“ Eine schwere Verletzung war sein Grund, mit diesem Sport aufzuhören. Bei einem Konter eines gegnerischen Spielers prallte er mit diesem zusammen, zog sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu.
Rückenprobleme Riesenthema
In seiner Praxis sind Sportler wie Nichtsportler seine Patienten. Rückenprobleme seien nach wie vor ein Riesenthema. „Das wird sich so schnell auch nicht ändern“, ist sich der Speyerer Physiotherapeut sicher. „Die Menschen verharren zu lange in einer Position.“ Auch bei der Arbeit solle jeder immer wieder seine Position ändern, um Rückenprobleme zu vermeiden. „Wenn ich an einem Arbeitstag acht Stunden kerzengerade und aufrecht sitze, ist das genauso schlecht, wie acht Stunden krumm zu sitzen“, verdeutlicht er, wie wichtig es ist, mal zu sitzen, mal zu stehen oder ein paar Schritte zu gehen. Es gebe nicht die eine richtige Position.
Auch er sitzt zu den Spielen der Haßlocherinnen nicht nur auf der Ersatzbank und wartet ab, ob sich jemand verletzt. Vor dem Anpfiff steht er bereit und klatscht alle Haßlocherinnen ab, wenn sie aufs Spielfeld laufen. Und nach einem erfolgreichen Spiel versammelt er die TSG-Frauen in einem Tor, ruft lauft „drei, zwei, eins“ und fotografiert die jubelnden Spielerinnen wie jüngst nach dem 26:24 gegen die HSG Hunsrück. Auch am Sonntag ist er wieder im TSG-Sportzentrum, wenn um 17.30 Uhr die Frauen der TSG Haßloch den Titelfavoriten FSG Ketsch/Friesenheim II empfangen. „Am liebsten ist mir, es verletzt sich niemand“, sagt Enrico Georgi. Dann schaue er einfach nur zu und fiebere mit. „Ich bin sehr emotional, vertraue aber meinen Ladys, dass sie es packen.“