Neustadt Frühe Definition von „reinlich“

Placeholder-Image

In der 70. Ausgabe der „Haßlocher Heimatblätter“ kommen wieder verschiedene Autoren zu Wort: Unter anderem wird gezeigt, wie es früher um die Reinlichkeit und die Schlafgewohnheiten bestellt war. Heimatforscher Wolfgang Hubach und Architekt Manfred Watta liefern neue Erkenntnisse zum Ältesten Haus in der Gillergasse.

Welchem Zweck das Haus in der Gillergasse 11 ursprünglich diente, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen: Wahrscheinlich war es einst das Zehnthaus der Pfälzer Kurfürsten. Als nach der Pariser Revolution im Jahre 1789 die Franzosen begannen, Europa zu erobern und die Fürsten zu vertreiben, gab es die „Befreiung des Volkes vom Zehnten und Enteignung des adligen Besitzes“. Aus den Zehnthöfen wurden Großbauernhöfe. So geschah es auch mit den beiden Häusern Gillergasse 9 und 11. Die letzten Besitzer des Hauses Gillergasse 11 konnten das Anwesen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr instandhalten, so dass immer mehr Teile verrotteten. 1949 musste sogar auf der Südseite des Hauses im Erdgeschoss das Fachwerk entfernt und durch eine Bruchsteinmauer ersetzt werden. Dass es vor einem weiteren Verfall gerettet werden konnte, ist engagierten Haßlocher Bürgern und vor allem der früheren Museumsleiterin Marianne Wittmann zu verdanken. Das Haus erregte schon früh das Interesse vieler Fachleute und Künstler, welche sich immer wieder von dem Motiv inspirieren ließen. Der älteste Hinweis nennt das Jahr 1599. Er findet sich über dem Eingang zum Hauskeller. Zwei Räume im Obergeschoss sind in den noch vorhandenen Plänen besonders gekennzeichnet: die so genannten Geheimkammern. Es hält sich das Gerücht, dass hier während der vielen Kriege Frauen und Mädchen vor den Soldaten versteckt wurden. Ein weiterer Raum ist nicht besonders bezeichnet. Es handelt sich hier um eine Räumlichkeit, die in dieser Art damals in Haßloch unüblich gewesen ist: einen Abort. Dass sich an der Nordseite ein Erker mit einer Abortanlage befand, war zwar schon bekannt. Architekt Manfred Watta hat jetzt aber sogar herausgefunden, wie die Anlage ausgesehen haben muss. Wie Watta erkannte, handelt es sich um eine Fachwerkkonstruktion, die auf zwei Konsolen ruhte. Das Dach war mit dem Hauptdach verbunden. Zur Entlüftung war in der Mauer über dem Abort ein Fenster eingelassen. Unten war kein Boden eingezogen, so dass alles, was fiel, direkt in dem darunter fließenden Dorfbach landete und von diesem weggeschwemmt wurde. Dass solche „Wasserklosetts“ in Haßloch auch noch zu späteren Zeiten erbaut und genutzt wurden, zeigt die Obermühle, wo sich an der Südseite ebenfalls ein „Außenabort“ findet. Zu fragen ist, wie die weniger Privilegierten im Mittelalter und auch später noch ihre Geschäfte verrichteten: Davon zeugen im Heimatmuseum zwei Nachtstühle, Nachtgeschirr für kranke Frauen und Männer sowie betagte Nachttöpfe. Bei größeren Familien gab es einen Nachteimer, die am Morgen im Puhlloch beziehungsweise in der Jauchegrube entleert wurden. Ein Bericht von Dieter Altmann befasst sich im selben „Heimatblatt“ mit der Kriegs- und Nachkriegszeit und hier besonders mit dem Holz und dem Lesen von „Buzzle“ – sprich: Tannenzapfen – im Wald. Dies war vornehmlich die Arbeit von Frauen und Kindern, während die Männer Stumpen gruben. Das war eine sehr mühselige Arbeit: Die Baumstämme hatten die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg abtransportiert. Ein Auszug aus dem Unterhaltungsblatt zum „Haßlocher Tageblatt“ von 1890, mit dem sich Wolfgang Hubach beschäftigt hat, zeigt, dass die Beiträge aus heutiger Sicht zum Teil skurril und teils immer noch recht amüsant sind. Über „100 Jahre Landwirtschaftliche Winterschule in Haßloch“ zwischen 1913 und 2013 schreibt Museumsleiter Bernd Ruckdeschel. Vera Martens stellt „Herzgespann“, eine alte Heilpflanze aus dem Bauerngarten hinter dem Heimatmuseum, vor. „Herbsten im Hof“ heißt eine weitere Abhandlung über das Traubenschneiden von Wolfgang Hubach.

x