Neustadt
Flurbereinigung Duttweiler nach über 20 Jahren abgeschlossen
Dass heute überhaupt eine Flurbereinigung notwendig werde, sei auf Napoleon zurückzuführen, erklärte Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, am Mittwochnachmittag in Duttweiler bei der Feierstunde zum Abschluss der Flurbereinigung. Denn Napoleon habe verfügt, dass alle Nachkommen zu gleichen Teilen erben, was zu einer Zersplitterung der landwirtschaftlichen Flächen geführt habe. Dies stehe im Gegensatz zum Braunschweiger Recht, in dem der Erstgeborene das gesamte Erbe erhält. Diese Regelung trage zum Erhalt der Landschaftsstruktur bei, erläuterte der Kammerpräsident.
Die Zersplitterung von 206 Hektar Rebfläche wurde in Duttweiler in einem Flurbereinigungsverfahren in mehreren Abschnitten aufgehoben und neu geordnet. Dabei entstanden für die Winzer zusammenhängende Flächen, die effektiver zu bewirtschaften sind. „Nun“, so Schindler, „kann unter vergleichbaren Bedingungen in Zeit und Maschine die dreifache Fläche bearbeitet werden.“ Schon in den 1990er-Jahren begannen die ersten Gespräche zur Flurbereinigung. Daran kann sich auch der aus Duttweiler stammende Oberbürgermeister Marc Weigel erinnern, der bei der Gründung der Aufbau- und Teilnehmergemeinschaft Duttweiler dabei war. Der damals 20-jährige Weigel besaß knapp einen Hektar Rebfläche. „Ich hatte schon nicht vor, als Winzer zu arbeiten und begriff, dass ich mit meiner kleinen geerbten Parzelle einer der Gründe für den Wunsch nach Flurbereinigung darstellte“, erzählte er.
Neue Wege für Touristen
Außerdem entstanden rund zehn Kilometer neue Wege, die nun sowohl den Winzern als auch dem Tourismus zugutekommen. Stichwort Tourismus: Im Zuge der Neuordnung wurden für die Touristen und die Naherholung Rast- und Ruhezonen, ein Aussichtshügel und eine attraktivere Anbindung an den Kraut- und Rüben-Radweg errichtet. „Das neue Regenrückhaltebecken dient dem Hochwasserschutz und der Wasserwirtschaft“, erläuterte Thomas Mitschang, Referent für Flurbereinigung im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Mainz. Einige Wege seien tiefer gelegt worden, um einen Froststau zu verhindern. Dabei handele es sich unter anderem um den Rückbau eines Bahndamms, der nun als Weg genutzt werde, so Winzer Simon Breitling.
Auch die Windräder im Revier Duttweiler sollen das Frostrisiko minimieren. „Wenn Frost kommt, dann sind wir in Duttweiler dabei“, sagte der Winzer. Problematisch seien nicht die Frosttemperaturen im Winter, sondern im Frühjahr. „Die Reben treiben immer früher im Jahr aus, aber die Eisheiligen kommen oftmals noch mit frostigen Nächten“, sagte Breitling. Ein Problem, was die Elterngeneration so noch gar nicht kannte. Dort, wo die Windräder stehen, sei es quasi frostfrei. Für die tatsächliche Flurbereinigung mussten Flächen geräumt werden, was eine längere Planungs- und Vorbereitungszeit notwendig machte. Diese Gelegenheit haben die Duttweilerer Winzer durchaus zu nutzen gewusst. Breitling setzte auf seiner neuen Fläche von rund 17,5 Hektar pilzwiderstandsfähige Rebsorten.
Kosten: 1,5 Millionen Euro
Staatssekretär Andy Becht sieht die Flurbereinigung als ein Instrument moderner Agrarpolitik, was nicht immer so war. Naturschützer haben laut Becht früher die Zusammenlegung und Neuordnung von Flächen heftig bekämpft. Heute, so Becht, wisse man um die Vorteile im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes. Er beschwor den Gemeinsinn auch über Gemarkungsgrenzen hinaus, um den zukünftigen großen Problemen wie wiederkehrende Dürre, Arten- und Pflanzenschutz begegnen zu können. Daher habe er großen Respekt vor dem reibungslosen Ablauf der Duttweilerer Flurbereinigung, die mit 1,5 Millionen Euro Kosten, davon 900.000 Euro Förderung vom Land, realisiert wurde. Becht: „Das ist gut angelegtes Geld in die Zukunft.“