Fußball
FC 08 Haßloch: Kampf um Klassenverbleib, Ärger wegen Jugendspielgemeinschaft
So turbulent wie 2025 hat für den 1. FC 08 Haßloch schon lange kein Jahr mehr begonnen. Die erste Fußballmannschaft ist in der Bezirksliga Vorderpfalz so stark abstiegsgefährdet wie schon lange nicht mehr. Nach dem altersbedingten Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden Jürgen Hurrle im Februar wurde bei der deshalb einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung kein Nachfolger gewählt, kürzlich kündigte der Vorstand des VfB Haßloch die seit 2019 mit dem FC 08 bestehende Jugendspielgemeinschaft. Michael Deigentasch, der den höherklassigen Fußballverein aus dem Großdorf zurzeit als Zweiter Vorsitzender führt, ist über Letzteres sehr verärgert.
Deigentasch verstehe vor allem nicht, dass die Entscheidung ein Alleingang des VfB gewesen und der FC 08 nicht beteiligt worden sei. „Warum haben sich die Verantwortlichen des VfB davor nicht mit uns als JSG-Partner an einen Tisch gesetzt, um über diese Gedankenspiele zu sprechen?“, fragt er. Beide Vereine hätten sechs Jahre lang eine überwiegend schöne Zeit mit viel Zusammenhalt und Vertrauen gehabt, sagt Deigentasch. Michael Gillich, Erster Vorsitzender des VfB, gibt zu, einen Alleingang gemacht zu haben. „Das kann man schon sagen.“ Von einer „frühzeitigen Mitteilung“ durch den VfB, wie dessen Vorstand behaupte, könne laut Deigentasch zwei Monate vor dem Ende einer Saison auch nicht gesprochen werden. Gillich widerspricht dem: „Aus unserer Sicht ist das alles rechtzeitig gewesen.“
FC 08 sieht es anders
Die Kritik des VfB-Vorsitzenden, dass aufgrund weniger mit Flutlicht ausgestatteten Fußballplätze insbesondere in den Wintermonaten manchmal drei bis vier Jugendmannschaften gleichzeitig auf einem Spielfeld trainieren mussten und dies zu einer für Jugendtrainer und -spieler unbefriedigenden Situation geführt hätte, möchte Deigentasch so nicht stehenlassen. „Es gab zuletzt keinen Druck auf die Platzbelegung. Durch die Hallenzeiten der ganz jungen Spieler, auch wenn uns hier nicht genügend Zeiten zur Verfügung standen, haben allen Mannschaften Kapazitäten auf unseren Vereinsgeländen zur Verfügung gestanden“, sagte er. „Es ist nicht so einfach“, entgegnet dem VfB-Mann Gillich. „Man könnte auf den FC-Hartplatz – aber der ist in einem schlechten Zustand.“
Einige Teams hätten zwar tatsächlich anstatt beim 1. FC 08 auf dem Kunstrasenplatz des VfB trainiert. „Unser Jugendleiter wurde vom Jugendleiter des VfB darauf angesprochen, dass sich dessen Vorstand darüber ärgert, dass auf dem VfB-Gelände jeden Abend das Flutlicht eingeschaltet sei während auf dem Gelände des 1. FC 08 kein JSG-Team trainiere. Dem Jugendleiter des VfB haben wir entgegnet, dass beim 1. FC 08 Trainingskapazitäten zur Verfügung stehen und es kein Fehler von uns ist, wenn einzelne Teams trotzdem auf dem Gelände des VfB trainieren. Es war ein Fehler des VfB, dass diesen Teams das Training am Eichelgarten erlaubt wurde“, so Deigentasch. Gillich bestätigt den Kontakt zwischen den Jugendleitern. „Es gab da in der Vergangenheit Gespräche, aber es hat sich auf FC-Seite nichts getan.“ Das sei ein Faktor bei den Überlegungen gewesen – das Problem bestehe laut Gillich seit Jahren.
Viel in JSG gesteckt
Die Auflösung der JSG bezeichnet Deigentasch vom FC 08 als falsch. „Wir haben uns im vergangenen Sommer für ein neues JSG-Logo entschieden. Daraufhin wurden die Teams durch eine Vielzahl von Sponsoren mit neuer Sportkleidung und Trikots ausgestattet. Wie geht man mit diesen großzügigen Sponsoren denn nun um?“, fragt Deigentasch. Gillich vom VfB sieht darin kein Problem. „Man kann doch mit den Sponsoren reden. Das kriegt man schon hin“, so der VfB-Vorsitzende. Über die Auflösung sei mit den Sponsoren im Vorfeld nicht geredet worden.
Der wichtigste Kritikpunkt ist für Deigentasch ein anderer. „Wurde hier an die Vielzahl von Trainern, Eltern und allen voran Kindern und Jugendlichen, die seit inzwischen seit mehreren Jahren miteinander Fußball spielen, gedacht? Hier werden Trainerteams auseinandergerissen und Spielern die Freunde, mit denen sie teilweise seit Jahren zusammen trainieren, genommen“, schilderte Deigentasch ein von ihm prognostiziertes Szenario. So würden unnötige Feindschaften entstehen. Für Matthias Gillich bleibt der Hauptgrund für die Auflösung klar, an dem durch all das auch nichts zu ändern sei: „Wir haben wieder genügend Jugendspieler. Aus unserer Sicht sollte wieder jeder Verein die Jugendarbeit selbst organisieren.“
Wenn die Verantwortlichen beider Vereine miteinander geredet hätten und gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen wären, die Zusammenarbeit zu beenden, hätte man nach dieser Saison zunächst die Spielgemeinschaft der D-Junioren auflösen können, im darauf folgenden Jahr die der C-Junioren und so weiter, sagt Deigentasch. Das wäre aus seiner Sicht eine fairere und stressfreiere Lösung gewesen. Jürgen Hurrle, in dessen Ära als Erster 08-Vorsitzender die JSG gegründet wurde, sei vom Vorgehen des VfB ebenso sehr verärgert und enttäuscht. Wie es zukünftig mit der Jugendarbeit weitergehe, hänge davon ab, wer bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung als neuer Vorsitzender gewählt werde. „Ich habe mit Jürgen Hurrle guten Kontakt gehabt“, sagt Gillich. Dass er nicht mehr Vorsitzender ist, habe auf die Entscheidung zur Auflösung keinen Einfluss gehabt.
Derby um Klassenverbleib
Fabian Eck, Trainer der Ersten Fußballmannschaft des FC 08, freut sich, dass sein Team nach der enttäuschenden Leistung bei der 0:3-Heimniederlage im Bezirksligaderby gegen die TSG Deidesheim am vergangenen Sonntag in Queichhambach mit 2:1 gewann und dadurch in die Erfolgsspur zurückfand. „Wir hatten das Spiel gegen Deidesheim schnell abgehakt. Für uns war an diesem Tag einfach nicht mehr drin“, blickte er zurück. „Die Reaktion der Mannschaft in Queichhambach hat mir natürlich sehr gefallen. Da haben wir wieder über weite Strecken die Basics auf den Platz gebracht, die man im Abstiegskampf braucht“, ergänzte er. Er hätte sich allerdings gewünscht, dass sie diese Begegnung nach der eigenen 2:0-Führung souveräner zu Ende gebracht hätte. Das laut Eck „kampfbetonte und hitzige Spiel“ endete mit 2:1, wodurch sich die Haßlocher in der Tabelle der Bezirksliga Vorderpfalz auf den elften Platz verbesserten, der am Ende zum Klassenverbleib reichen würde.
Am Sonntag, 15 Uhr, gastiert mit TuS Niederkirchen ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf an der Adam-Stegerwald-Straße. Dieser belegt mit fünf Punkten Rückstand zu den 08ern den vorletzten Rang. „Die aktuelle Formkurve spricht natürlich nicht für uns. Das hat sich die Mannschaft aber selbst zuzuschreiben“, meinte TuS-Trainer Dennis Will vor der Fahrt zum FC 08, bei dem er selbst mehrere Jahre gespielt hat. Sein Team sei momentan nicht in der Lage, das eigene Spiel sowohl mit als auch gegen den Ball über 90 Minuten durchzuziehen. „Uns fehlt ganz einfach die Grundphysis. Wenn wochenlang nur wenige Spieler zum Training kommen, macht sich das natürlich irgendwann bemerkbar“, konkretisierte er. Dadurch sei die Mannschaft weit von einer vernünftigen Form entfernt. Die Spieler befänden sich jetzt in der Pflicht. Es sei auch sehr schwierig, eine Mannschaft, die ausschließlich aus Spielern, die es aufgrund deren Trainingsbeteiligung verdient hätten zu spielen, bestehe, auf den Platz zu bringen. „Das ist natürlich für die Vereinsverantwortlichen sehr deprimierend und im Abstiegskampf ein Klotz am Bein“, bedauerte Will.
Die Spiele am Wochenende:
Bezirksliga Vorderpfalz: 1. FC 08 Haßloch - TuS Niederkirchen (Sonntag, 15 Uhr), TSV Landau - SV Geinsheim (Sonntag, 15.30 Uhr)
A-Klasse Rhein-Mittelhaardt: TuS Maikammer - SV Altdorf-Böbingen (Samstag, 17 Uhr), ASV Waldsee - VfL Neustadt, VfB Haßloch - TuS Friedelsheim (beide Sonntag, 15 Uhr)
Frauen-Verbandsliga Südwest: FFV Fortuna Göcklingen - 1. FFC Niederkirchen (Samstag, 18 Uhr)