Neustadt Für herzkranke Kinder und den Regenwald gespendet

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Gutes tun und dabei Abenteuer erleben: Dieses Motto haben drei Pfälzer Freunde, darunter Jörg Guhmann aus Forst, für einige Wochen gelebt. Für die RPR1-Spendenaktion für „rheinland-pfälzische Familien in Not“ und das Projekt „Coolearth“ der britischen Event-Agentur „Adventurist“ haben sie nicht nur Geld gesammelt, sondern auch eine Rikscha-Tour durch Indien gewagt.

Neben Guhmann waren Hans-Jürgen Mayer aus Altrip und Uwe Rehren aus Neuhofen mit von der Partie, alle drei um die 50 Jahre alt. Für die Spendenaktion von RPR1 haben sie 1600 Euro beigesteuert, die pfälzischen Familien übergeben worden sind. In Rheinland-Pfalz fließen die Gelder an den Verein „Kokhi“ für herzkranke Kinder und Jugendliche sowie an die Kinderklinik St. Anna-Stift in Ludwigshafen. Die Teilnahme am Charity-Rikscha-Rennen war verbunden mit einer Zahlung von 500 britischen Pfund für das „Coolearth-Projekt“ zugunsten von Regenwald-Projekten. Den sogenannten „Rickshaw-Run“ gibt es dreimal im Jahr. Die Teilnehmer aus aller Welt tragen ihre Reisekosten selbst. Der nächste Rickshaw-Run startet am 1. August. Für die drei Pfälzer war die 3600 Kilometer lange Tour durch Indien in einer primitiven Sieben-PS-Rikscha ein echtes Abenteuer. Unter dem Namen „Palatina Riesling Tigers“ waren sie die einzigen deutschen Teilnehmer. Mit 103 anderen Teams aus aller Welt sind sie im südindischen Kochi gestartet mit der Aufgabe im Gepäck, zwei Wochen später heil im Norden an der pakistanischen Grenze anzukommen. Keine vorgegebene Route, kein Zeitplan, keine Hilfestellung, lediglich ein Kamerateam vom Veranstalter war dabei. Das Gefährt wurde gestellt, das die Jungs allerdings vor Ort noch aufgerüstet und mit ihrem originellen gelben Tiger-Logo bemalt haben. Auch der Komfort wurde etwas aufgebessert. Keine Frage, dass diese Reise kein Spaziergang war, bei Linksverkehr und katastrophalen Straßenverhältnissen, im Dunkeln brutal gefährlich, wo jeder mit Fernlicht fahre, berichtet Guhmann. Immerhin schafften die „Tigers“ einen Tagesschnitt von 35 Stundenkilometern, und das ohne Panne. Das Klima im Süden forderte Tribut: Hitze, Staub und ständige Zugluft im offenen Vehikel waren für Fahrer wie Beifahrer belastend. Mayer, der „Schrauber der Truppe“, mit ausgesuchter Reiseapotheke ausgestattet, holte sich eine fette Erkältung und durfte zur Erholung eine Nacht in einem richtigen Bett im indischen Sheraton-Hotel schlafen. Denn sonst waren die Unterkünfte eher primitiv ohne fließendes Wasser, oder es wurde im Zelt genächtigt. Ein italienisches Team hatte echtes Pech und gleich am ersten Tag einen Unfall. Obwohl der straffe Zeitplan kaum Gelegenheit zum Besichtigen gegeben hat, konnten sie die regionalen Unterschiede bewusst erleben, mal auf dem Highway, mal auf holperigen Bergstraßen. „Auch die Menschen haben sich verändert von Süden nach Norden, mit den unterschiedlichen Religionen“, meint Mayer. Der seltene Anblick von weißen Europäern in einer Rikscha habe viele Inder staunen lassen. Touristen sind in der Regel Fahrgast und nicht selbst am Steuer. „Dabei haben wir das Land aus einer anderen Perspektive gesehen“, hat Guhmann erfahren, „von innen als einer von denen!“ „Kein Wunder, dass wir recht schnell auch die Mentalität angenommen haben“, findet das Dreigespann, nach dem Motto, „trinkt erst mal Tee“, alles regelt sich von selbst. Gegenseitige Hilfestellung war unter den Teilnehmern selbstverständlich. So hatte eine australische Mannschaft nur Sommerkleidung am Leib und erhielt von den Pfälzern wärmende Pullover an kalten Abenden. Den Kontakt zur Bevölkerung haben die Deutschen als sehr berührend und offen empfunden. „Die Kinder waren ganz wild auf Fotos und Selfies“ erzählt Mayer. Kleine Geschenke, wie Leuchtarmbänder gingen weg wie warme Semmeln. Andere Mitbringsel wie Kulis wurden dankbar von Schülern angenommen, freut sich Guhmann. Das exotische Essen entlang des Weges sei gut gewesen, manchmal recht scharf und von allen dreien ohne gesundheitliche Folgen vertragen worden. Gute Optiker gab es übrigens auch. Nachdem der Wind die Brille von Hans-Jürgen mitsamt Kappe aus der Karre geweht hatte, konnte diese ersetzt werden. Nach 13 Tagen kamen alle Teams (außer dem verunglückten italienischen) heil am Ziel im nordindischen Bundesstaat Rajasthan an. Es gab keine offiziellen Sieger, aber die originellsten Rikschas sind prämiert worden. Die Rückfahrt musste zügiger vonstatten gehen als mit Höchsttempo von 60 Stundenkilometern. Schließlich rief zu Hause die Arbeit wieder. Also blieb die treue Rikscha stehen, und die Rückreise ging per Nachtzug zum Flughafen. (piw)

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