Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Experte: Störche haben Kälte überstanden

Manfred Sauter liest mit dem Fernrohr die Ringnummern der Störche auf dem Gelände der Firma Trautz in Lachen-Speyerdorf ab.
Manfred Sauter liest mit dem Fernrohr die Ringnummern der Störche auf dem Gelände der Firma Trautz in Lachen-Speyerdorf ab.

Zehn Nester gibt es in Neustadt, von denen am Dienstag schon einige besetzt waren: Die Störche sind zurück. Doch manche von ihnen waren gar nicht wirklich weg.

Die eisige Kälte haben die Störche überstanden. So lautet das Fazit von Manfred Sauter, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Storchenvereins Lachen-Speyerdorf und Vorstandsmitglied des Vereins Pfalzstoch im Storchenzentrum Bornheim. Er hatte sich am Dienstagmittag auf den Weg gemacht, die zehn Nester in und um Neustadt abzufahren – drei davon haben die Störche übrigens selbst gebaut – und nach dem Rechten zu sehen.

Sechs Tiere konnte er sichten, fünf von ihnen über den Ring am Bein identifizieren. „Die letzten Tage waren aber schon kriminell für die Störche“, möchte der Lachen-Speyerdorfer nichts beschönigen. Denn statt Käfern, Würmern, Schnecken und anderen Tieren hätten sie angesichts gefrorener Böden ausschließlich Mäuse jagen müssen. Mit steigenden Temperaturen könnten sie nun wieder schlemmen.

Manche bleiben hier

Die Kollegen im Bornheimer Storchenzentrum hätten ihm aber auch Entwarnung gegeben: Störche könnten bisweilen eine Woche lang ohne Futter auskommen. „Das war selbst mir neu“, sagt Sauter, der immer wieder solche Neuigkeiten erfahre oder Überraschungen erlebe in Bezug auf die gefiederten Tiere.

Es gibt jedoch auch Störche, die im Winter gar nicht erst Richtung Süden fliegen, sondern lieber in der Pfalz bleiben. Laut Sauter sind das etwa 20 Stück, zu denen auch das Paar auf dem Geinsheimer Kirchturm gehört, das seit Ende Dezember wieder im Dorf weilt und sein Nest verteidigt. Doch wie überleben sie im teilweise doch sehr kalten Winter? „Sie fliegen zum Beispiel zum Luisenpark in Mannheim und lassen sich dort füttern. Andere besuchen offene Mülldeponien im Elsass und finden dort Nahrung“, berichtet Sauter.

Fünf von zehn Nestern besetzt

Die anderen vier, am Dienstag gesichteten Vögel seien seit Ende Januar wieder von ihrer Reise zurück. So seien fünf von zehn Nestern bereits wieder besetzt, berichtet Sauter. Mindestens einmal die Woche fährt der Storchenexperte zu den Nestern. Nicht selten kommt es vor, dass er gerade sein Stativ aufbaut und das Fernrohr dran schraubt, um die identifizierenden Ringe an den Beinen der Störche aus der Ferne zu lesen, da fliegen die Vögel einfach davon.

Doch die Störche in Lachen-Speyerdorf zum Beispiel hat er am Dienstag noch erwischt. „Sie sahen gut und sauber aus, ihr Gefieder war gepflegt. Ein Anzeichen, dass es ihnen gut geht“, so Sauter. Würden sie zerzaust aussehen, dreckig und unruhig sein, sei das ein Hinweis auf Hunger. „Natürlich sind auch die Rückkehrer aus dem Süden zunächst immer etwas zerrupft, aber das legt sich nach zwei, drei Tagen wieder.“

Jungtiere: Ein Kilo Futter pro Tag

Sauters „Nestbesuche“ werden umso wichtiger, je näher es an die Brutzeit geht. Denn dann kann er in etwa errechnen, wann die Babystörche schlüpfen und entsprechend Beringungstermine organisieren. Ein Storchenpaar brütet in der Regel zwischen zwei und maximal fünf Eiern aus. „Das Paar auf dem Geinsheimer Kirchturm hat einmal sechs Eier ausgebrütet, das war eine kleine Sensation“, erinnert sich Sauter. Vor allem wenn man bedenke, dass ein kleiner Storch ein Kilogramm Futter pro Tag benötige. „Das war ein Kraftakt für die Eltern.“ Die wechseln sich mit der Futtersuche zunächst ab, bis die Tiere fast flügge sind und somit allein gelassen werden können. Dann ziehen beide Elternteile los.

x