Neustadt Erste Pläne für Restaurierung
Im heutigen Untergeschoss des Turms der Christuskirche befand sich der Chor der Ulrichkirche oder -kapelle, die vermutlich im 14. Jahrhundert entstanden ist und an deren Stelle 1752 bis 1754 das heutige Gotteshaus errichtet wurde („Zur Sache“). Nach den Arbeiten an der Fassade des Kirchturms und im Inneren, um den Turm begehbar zu machen, soll die Ulrichkapelle, der Turmraum im Untergeschoss, nächstes Projekt der Turm-Initiative sein. In den 1970er Jahren war der Turmbereich vom Kirchenschiff abgetrennt worden, um einen Gemeinderaum zu schaffen. Um die gleiche Bodenhöhe zu erhalten, hatte man die Aufschüttung um einen Meter abgetragen. Dabei waren Reste von Ornamenten und Wandbemalungen zum Vorschein gekommen. Die Turm-Initiative habe jeweils drei Angebote für die Wände und den Boden des Turmraumes angefordert, berichtete der Vorsitzende Friedrich Kuntz bei der Mitgliederversammlung. Die vorliegenden Angebote für Gutachten von Firmen aus Mainz, Heidelberg und einer Restauratorin aus Köln seien vom Umfang her sehr unterschiedlich, deshalb lasse man sie derzeit von Landesdenkmalpfleger Georg-Peter Karn (Mainz) prüfen. Nachdem das Presbyterium in diesem Jahr zugestimmt habe, sei man aber zuversichtlich, dass auch die nötige Bodenöffnung (ein Quadratmeter) in einigen Wochen durchgeführt werden kann. Die Mitgliederversammlung legte einen Kostenrahmen von 4000 Euro fest, innerhalb dessen der Vorstand der Turm-Initiative die Gutachten in Auftrag geben kann. Laut einem Vertrag von 1904 trage die Gemeinde die Baulast am Turm. Bei der Außenrenovierung hätten sich die Gemeinde und die Turm-Initiative die Kosten geteilt, für die notwendigen Arbeiten im Innern des Turmes zur Begehbarmachung habe man von der Gemeinde nur einen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro erhalten (wir berichteten). Für die Restaurierung der Ulrichkapelle erwarte man für die notwendigen Arbeiten Zuschüsse von der Gemeinde und von der Denkmalschutzbehörde. Jochen Gleich gab zu bedenken, dass der Denkmalschutz starken Einfluss auf die Restaurierung nehmen werde. Er rechne mit Kosten im sechsstelligen Bereich. Dabei stelle sich die Frage, ob und wie diese zu stemmen seien. Kuntz betonte, dass zunächst die Gutachten in Auftrag gegeben werden. Danach stelle sich die Frage, was gemacht werden könne und müsse, und anschließend könne die Höhe der Kosten veranschlagt werden. Der Boden soll, wenn möglich auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt werden, so Kuntz. Das Projekt habe Rückhalt in der Gemeinde, „die Restaurierung der Kapelle tut der Gemeinde gut“, so die Hoffnung von Kuntz auf Zuschüsse und Spenden. Nachdem die Arbeiten an der Außenfassade abgeschlossen seien, und der Turm innen entsprechend der Sicherheitsbestimmungen begehbar gemacht wurde, wurden vergangene Woche die Kunstglasfenster im oberen Turmbereich gegen Klarglasfenster ausgetauscht. Dies habe wegen Auflagen des Denkmalschutzes länger als erwartet gedauert, auch das Klarglas habe wieder verbleit werden müssen. Jetzt müssten nur noch die Fensterschlitze, die sehr zugig seien und Schmutz ins Innere gelangen lassen, in Angriff genommen werden. Das werde noch in diesem Jahr fertiggestellt. Mitglieder der Initiative hätten den Taubendreck bereits entfernt. „Wir wollen unser Wirken in der Öffentlichkeit bekanntmachen“, so Kuntz. Mit mehreren Benefizkonzerten im vergangenen Jahr sei dies gelungen. Konzerte der Sängervereinigung, Orgelkonzerte mit Bezirkskantor Simon Reichert oder den Lebenstönen und dem Katholischen Kirchenchor seien sehr erfolgreich gewesen. Kunz betonte die ökumenische Ausrichtung des Vereins, der Mitglieder aller Konfessionen habe und die Gemeinde beim Erhalt und der Restauration historischer Gebäude unterstützen wolle. 2016 werde man wieder drei Benefizkonzerte veranstalten, eine Zusage habe man bereits von Lukas Euler erhalten. „Wir haben im Innern des Turmes alles getan, um eine dauerhafte Öffnung zu ermöglichen, vor allem bei der Beleuchtung und den Stufen“, betonte Kuntz. Mehr Initiative habe man seitens des Ortsmarketings erwartet. Entgegen dessen Wahrnehmung, dass kaum Besucher den Turm besteigen, könne man über mehr als 1000 Besteigungen berichten. Laut Schatzmeister Uwe Eid standen 2014 Einnahmen von rund 12.650 Euro Ausgaben von rund 15.000 Euro gegenüber. Hier schlugen vor alle die Kosten der Turmrenovierung mit gut 10.000 Euro zu Buche. Das Gesamtvermögen belief sich Ende 2014 auf rund 17.300 Euro. aktuell 22.460 Euro. Derzeit gibt es 55 Mitglieder. Als Nachfolger für Eid, der aus zeitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht, wurde Hugo Marquardt zum Schatzmeister gewählt. (uhk)