Neustadt Erst Bottrop, dann Neustadt
Norbert Wittenberg, Inhaber der Moses-Gruppe, die drei Viertel des künftigen Neustadter Kaufhauses gemietet hat, will den Vertrag weiter erfüllen: „Ich bin gewohnt, mein Wort zu halten. Wir klären jetzt Bottrop. Das muss ganz schnell gehen. Und dann beschäftigen wir uns mit Neustadt.“ Er könne sich sehr gut vorstellen, dass dies trotz der Probleme in Bottrop anschließend in Neustadt klappe, so der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe gestern gegenüber der RHEINPFALZ am Telefon. Der Devello-Aufsichtsratsvorsitzende Jens Friedländer erklärte gestern, keine Prognose wagen zu wollen. „Es gebe derzeit viele Insolvenzen in der Textilbranche, und es wird weitere geben. Ich weiß nicht, ob Moses die Kurve kriegt.“ Neustadt werde aber auf jeden Fall weiter umgebaut. „Wir hatten viele Anfragen für diesen Standort. Es wird kein Problem sein, für Neustadt andere Mieter zu finden. Da bin ich vollkommen entspannt“, so der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Hamburger Immobilien-Unternehmens, der mittlerweile in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Man sei von der Entwicklung vollkommen überrascht worden. „Das zeigt mir, dass selbst Anfragen bei Wirtschaftsauskunftsdiensten zur Bonität möglicher Geschäftspartner mittlerweile vorsichtig zu bewerten sind“, so Friedländer. Wie berichtet, ist Moses in Bottrop zahlungsunfähig, ein Insolvenzverfahren ist beantragt. Der Bekleidungsfilialist begründete den Schritt mit Umsatzeinbußen aufgrund der Bauarbeiten an dem ehemaligen Karstadt-Gebäude. Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler sprach von einem konstruktiven Treffen, bei dem Veränderungen vereinbart worden seien. „Es werden ergänzende Mieter einziehen“, so der SPD-Politiker gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „Dazu laufen intensive Gespräche seitens des Insolvenzverwalters als auch seitens der Devello AG“, heißt es in einer Pressemitteilung. Derzeit hat Moses einen Mietvertrag für 7000 Quadratmeter, in Neustadt sind es 6000 Quadratmeter. Im Vorfeld des Treffens mit dem Oberbürgermeister hatten beide Seiten in Stellungnahmen Vorwürfe erhoben. Devello warf Moses unter anderem vor, einen zweckgebunden Baukostenzuschuss über drei Millionen Euro nicht in dem Haus verwendet zu haben. Außerdem seien Mietzahlungen nicht erfolgt und auch versucht worden, den Mietvertrag von der Muttergesellschaft auf die eigenständige Bottroper Moses GmbH zu übertragen. Norbert Wittenberg nannte die Aussagen „diffamierend“ und „unter der Gürtellinie“. Der Zuschuss sei in Bottrop verwendet worden. Er könne dies mit Dokumenten nachweisen und belegen. Die Umschreibung des Mietvertrages sei von Beginn an geplant gewesen. In einer Stellungnahme räumt die Moses-Gruppe ein, nach der Eröffnung Ende September erst zwei Monatsmieten gezahlt zu haben. Das sei wegen der Mängel und Wasserschäden an dem Gebäude erfolgt und nach Absprache mit einem Rechtsanwalt geschehen. Bis Ende Februar soll nach Angaben von Bottrops OB Tischler klar sein, wie es mit dem ehemaligen Karstadt, mittlerweile Althoff-Arkaden genannt, weitergeht. Einwurf