Neustadt Erinnerung an den „Träumenden Bacchanten“

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«Neustadt-Gimmeldingen.» „Ich bin ein Weinmärchenerzähler“, soll der Maler und Bildhauer Fritz Wiedemann (1920–1987) von sich selbst gesagt haben. Das berichtet der Sohn Peter in seinem Beitrag im druckfrischen Buch über den Vater, das morgen vom Verein „Gimmeldinger Künstlernetz“ in der TV-Halle vorgestellt wird. Man glaubt die Aussage gern, wenn man die vor Phantasie nur so strotzenden Gemälde, Grafiken oder Holzbildwerke Revue passieren lässt, die in dem Bildband versammelt sind.

Mit dem Wiedemann-Buch schließt das Team um den Gimmeldinger Remmert-Ludwig Koch die Reihe „Kulturelles Erbe – Malerei – Gimmeldingen“ ab, die 2015 mit einer Monografie über Peter Koch begonnen und 2017 mit Gustav Rossi fortgesetzt worden war. Vorerst zumindest, denn Koch will sich gerne noch ein Hintertürchen offenhalten. Christel Abresch oder Ludwig Fellner wären Künstler, die man sich durchaus auch mal vornehmen könnte, meint er. Das wären dann allerdings keine Gimmeldinger mehr. Insofern kommt die Reihe mit dem Buch über Wiedemann, den „echte Gimmeldinger Bu“, jetzt doch irgendwie zum Abschluss. Vom quadratischen Format und seinem Aufbau her gleicht der Band sehr den beiden Vorgängern. Dafür hat der Gimmeldinger Michael Jung als Gestalter gesorgt. Der Haupttext, eine kurze biografische Skizze, und die Redaktion oblag wie gehabt Remmert-Ludwig Koch, die Fotos steuerte wieder Reinhard Kermann bei. „Wir sind fast immer zusammen zu den Kunstwerken hingefahren“, berichtet Koch. Die abgebildeten Gemälde stammen überwiegend aus Gimmeldinger Privatbesitz oder dem von Sohn Peter heute in Rhodt verwahrten Nachlass. Vor allem Akte, Landschaften, allegorische Figurenbilder und Drôlerien in einem an Marc Chagall oder Erich Heckel, seinen Lehrer an der Karlsruher Kunstakademie, erinnernden Stil sind hier versammelt. Daneben aber vieles, was mit Essen und Trinken zu tun hat. Schließlich war Wiedemann nicht nur freischaffender Künstler, sondern von 1967 an auch Wirt der „Eselsburg“ in Mußbach, die er mit viel Hingabe zu einem Gesamtkunstwerk ausbaute, das von der Fassade bis zur Gestaltung der Speisekarte von seiner Schaffenskraft zeugte. „Träumender Bacchant“ hat der frühere RHEINPFALZ-Redakteur Günter Werner ihn im Titel eines Buchs sehr treffend genannt. Natürlich nimmt die „Eselsburg“ auch jetzt bei Koch breiten Raum ein. Viele der Fotos belegen, wie sich die Weinstube zu einem Künstler- und Promitreff entwickelte. Aber hölzerne oder steinerne Bildwerke von Wiedemann gibt es nicht nur an der Fassade der „Eselsburg“, wie Koch herausgefunden hat. Und opulent gestaltete Fassböden Wiedemanns stehen bis heute in den Kellern vieler hiesiger Weingüter. „Peter Wiedemann hat uns auf vieles aufmerksam gemacht“, berichtet Koch. Das Stuck-Relief der „Meerspinne“ im Gimmeldinger Winzer kennt man natürlich. Betonfries und Giebelfenster an der Friedhofskapelle in Deidesheim dürften schon weniger bekannt sein. Die größte Überraschung für Koch aber war das „Weinkastell“ in Kallstadt, ein Fachwerkhaus, dessen Fassade Wiedemann in den 50er Jahren üppig mit Figuren und Ornamenten ausstattete. Der Künstler war nämlich nicht nur studierter Maler, sondern absolvierte bereits in den 30er Jahren eine Holzbildhauerlehre in Neustadt. Die dort gewonnenen Fähigkeiten hielten die rasch anwachsende Familie in der kargen Nachkriegszeit über Wasser. Im Gegensatz zu Peter Koch und Gustav Rossi erinnern sich heute noch sehr viele Zeitzeugen an Fritz Wiedemann. Das drückt sich auch in den persönlichen Anmerkungen in den Grußworten aus, die Thomas Metz, Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Ortsvorsteherin Claudia Albrecht und Karl Hoffmann, der Vorsitzende des Vereins Gimmeldinger Künstlernetz beisteuern, der lange Zeit Wiedemanns Nachbar war. Auch zwei Gedichte des Bruders Kurt Wiedemann, eines bekannten Mundartdichters, finden sich in dem Buch. Am Eindringlichsten aber sind die Bemerkungen des Sohnes Peter, der das Erbe des Vaters auch als Wirt der „Eselsburg“ bis 2008 weiterführte. Termin/Lesezeichen Das Buch „Der Maler Fritz Wiedemann“ wird morgen, Sonntag, um 11 Uhr in der Halle des TV Gimmeldingen von den Machern um Remmert-Ludwig Koch und dem Verein „Gimmeldinger Künstlernetz“ vorgestellt. Auch der Sohn Peter Wiedemann ist anwesend. Das Buch selbst hat 88 Seiten, kostet 10 Euro und ist auch im Neustadter Buchhandel, dem Gimmeldinger Einzelhandel und Neustadter Kultur-Institutionen wie dem Herrenhof oder dem Dill-Museum erhältlich.

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