Neustadt Engstirnig oder angemessen?
Er könne den Beschluss des Verbandsgemeinderates in keiner Weise gutheißen, „zumal Maikammer kein Rambazamba-Ort ist“, sagt Stephan Simon vom Hotel-Restaurant „Zum goldenen Ochsen“. Solange sich die Leute normal bei einem Glas Wein unterhielten, wie das im Sommer auch in Gärten und auf Balkonen der Fall sei, könne er nicht verstehen, warum er um 22 Uhr die Bürgersteige hochklappen müsse. Bei Temperaturen wie 2018 gehe man oft später essen, „und in den südlichen Ländern funktioniert das doch auch problemlos“, erinnert Simon. Ihm aber gingen wegen der bestehenden Regelung Einnahmen verloren: „Selbst wenn ich den Leuten einen Schnaps ausgebe – dann ist der Schnaps weg und die Gäste auch, rein geht keiner mehr.“ Ähnlich argumentiert Peter Hahn von der „Maikammrer Stubb“. Er war Initiator einer Unterschriftenaktion, der sich 17 weitere Betriebe in Maikammer angeschlossen hatten (wir berichteten). Die Verbandsgemeinde prüfte daraufhin, die Außenbewirtschaftung bis 23 Uhr zu verlängern. Der Rat lehnte das vergangene Woche mit knapper Mehrheit ab. Hahn empfinde diese Entscheidung als engstirnig. Die, die gegen den breit getragenen Vorstoß gestimmt hätten, müssten sich fragen, ob sie im Sommer nicht selbst mal länger als 22 Uhr im Freien säßen. „Dann müsste ich künftig auch den Privathaushalten das Ordnungsamt auf den Hals hetzen“, sagt Hahn. Er sehe in dem Ratsbeschluss eine Doppelmoral. Ob er sich weiter für eine Genehmigung bis 23 Uhr engagiere, will der Restaurantbesitzer in Ruhe prüfen. „Wir fordern ja keine Sperrzeiten erst ab Mitternacht“, betont Lepa Jovanovic vom Weinrestaurant „Cuvée“ in Maikammer. Auch sie hatte Hahns Petition unterstützt. Im Sommer kämen ihre Gäste erst ab 19.30 Uhr und später. „Außerdem haben sich die Arbeitszeiten deutlich nach hinten verschoben, so dass die Leute einfach später essen gehen“, sagt die Gastronomin. Die Nachbarschaft dürfe natürlich nicht leiden. Gleichzeitig werde es immer schwerer, wegen des Personalmangels Geld zu verdienen. Viele Betriebe könnten nur noch abends geöffnet werden. Der Ratsbeschluss sei daher frustrierend, so Jovanovic. „Das ist einfach blöd, wenn man seine Gäste aufscheuchen muss“, betont auch Marion Schwaab, Inhaberin des Restaurants „Dorfchronik“ in Maikammer. Im Sommer werde draußen gemütlich etwas gegessen, „und falls vielleicht mal eine Dame zu laut lacht, bitte ich ganz dezent um Rücksicht“, so Schwaab. Die Leute aber reinzuschicken, halte sie für unverhältnismäßig, da es auf jedem der Maikammerer Feste deutlich lauter zugehe. Die Verbandsgemeinde müsse ihre Gastronomie besser schützen, fordert Gisela Tojcic vom Restaurant „Weingarten“ in Maikammer. Viele Betriebe hätten etwa an der Tourismussteuer arg zu knabbern, außerdem fehle Personal. Sie selbst habe deswegen an drei Tagen in der Woche geschlossen. Statt die Gastronomen nur „auszunehmen wie eine Weihnachtsgans“, habe sie sich mehr Großzügigkeit von der Verbandsgemeinde erhofft. Kein Verständnis für das Anliegen der Maikammerer hat Siegfried Rögner aus St. Martin. Er betreibt mit seiner Frau den „Alten Kastanienhof“ in Rhodt und sagt: „Ab 22 Uhr sollte jeder Anwohner das Recht auf etwas Ruhe haben.“ Umsatzeinbußen habe er nicht – im Gegenteil: „Der Tourismus an der Südlichen Weinstraße boomt. Ich verbuche ein jährliches Umsatzplus, obwohl ich meine Außenanlage jeden Abend um 22 Uhr schließe.“ Die Kollegen sollten einmal daran denken, ab mittags zu öffnen, dann lasse sich auch Geld verdienen. Werner Mücke vom Hotel St. Martiner Castell ist Sprecher der Gastronomen in St. Martin. Er könne nicht sagen, wie das Stimmungsbild im Ort sei, da auf ein Schreiben an die Gastronomen im Dezember niemand reagiert habe. Weil über seiner Terrasse Hausgäste schliefen, reiche ihm 22 Uhr locker. „Bis die Gäste ihr Glas austrinken, ist eh 22.30 Uhr“, so Mücke. Grundsätzlich verstehe er den Wunsch der Maikammerer: „Wenn ich keine Probleme mit eigenen Gästen und Nachbarschaft habe, warum nicht draußen sitzen bleiben? Ich bin jedoch direkt in der Ortsmitte. Sobald da Krach ist, schallt es unerträglich.“ „Die Regelung bis 22 Uhr ist ausreichend“, ist Alfons Seeber vom gleichnamigen Weingut mit Straußwirtschaft in St. Martin überzeugt. Die Leute wollten auch um 23 Uhr nicht gleich heim, was das Problem Ruhestörung noch weiter nach hinten verschöbe. Eine eigene Lösung für jede der drei Gemeinden sieht er kritisch: „Da moniert der Gast nur, warum er in einem Ort länger sitzen kann und im anderen früher rein muss.“ Ausnahmeentscheidungen seien immer mit Problemen behaftet. Stephan Becker vom Hotel und Restaurant „Winzerhof“ in St. Martin sagt: „Auf der einen Seite will sich die Gemeinde weiterentwickeln, auf der anderen Seite kommt es schon bei einfachen Fragen zu Problemen.“ Wie berichtet, hatten Ratsmitglieder aus Rücksicht auf St. Martin gegen den Antrag gestimmt – weil die Gemeinde schon genug mit Tourismus und Lärm zu tun habe. „Ich hätte auf jeden Fall einen Versuch gestartet, die Zeiten zu verlängern, zunächst bis 22.30 Uhr.“ Die Touristen säßen an schönen Sommertagen gerne mal länger.