Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Eishockey: St. Martiner Juan Carlos Ziegler hütet Tor der Maddogs

Juan Carlos Ziegler betreut die Jungen und Mädchen, die beim SV Herta Kirrweiler auf dem in Eigenleistung geschaffenen Spielfeld
Juan Carlos Ziegler betreut die Jungen und Mädchen, die beim SV Herta Kirrweiler auf dem in Eigenleistung geschaffenen Spielfeld Skaterhockey erlernen.

Juan Carlos Ziegler y Blazques ist Eishockey-Torwart. Um das zu werden, hat er viel Zeit geopfert. Doch auf dem Eis war der St. Martiner schon eine Weile nicht mehr. Und dann ist beim bisher letzten Mal auch noch die Polizei gekommen.

Seit der letzten Oktober-Woche hat der Kirrweilerer Juan Carlos Ziegler y Blazques wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie kein Training mehr mit der Mannschaft auf dem Eis gehabt. „Wir haben einen Fitnessplan bekommen“, erzählt der 19-Jährige. Aber als es im Februar in Deutschland so richtig kalt war, „habe ich mir einen Kumpel geschnappt. Wir sind auf dem Stauweiher in St. Martin gelaufen“. Aber nur so lange, bis die Polizei kam. Ziegler: „Jemand hat die gerufen. Die Polizei hat uns dann verwiesen.“

Selbst wenn Training in vollem Umfang derzeit möglich wäre, Juan Carlos Ziegler dürfte zunächst nicht spielen. Er hat noch keine Spielerlaubnis für seinen neuen Verein, die Maddogs Mannheim. „Ich bin noch vor dem November-Lockdown von den Löwen Frankfurt nach Mannheim gewechselt. Ich habe für mich beschlossen, die Chance zu nutzen, dort bei den Regionalliga-Männern Fuß zu fassen“, erzählt er. Zuvor hatte er zum U20-Löwen-Team gehört. Doch weil er zu spät gewechselt sei, sei zu Saisonbeginn sein Spielerpass noch nicht im neuen Verein angekommen. Seine Liebe zum Eishockey führt der Südpfälzer, dessen Mutter Spanierin ist, auf die Adler Mannheim zurück. „Mit 13 war ich mit meinen Eltern bei einem Spiel der Adler“, erzählt er und lacht. Denn zu diesem Zeitpunkt habe er nicht einmal auf Schlittschuhen laufen können. „Doch Eishockey hat mich bei diesem Spiel in den Bann gezogen – seitdem sind wir jedes Wochenende nach Mannheim zum Eislaufen gefahren.“

Eishockey ohne Eis

Um nicht immer den weiten Weg zurücklegen zu müssen, machte sich Juan Carlos Ziegler auf die Suche nach einer Alternative in der Nähe. Er wurde in Landau fündig: Sportler des IHC Landau spielen Inline-Skaterhockey – quasi Eishockey ohne Eis. Statt der Schlittschuhe tragen die Spieler Inliner. Dort lernte Ziegler den Kirrweilerer Heiko Herdel kennen, inzwischen Skaterhockey-Abteilungsleiter im SV Herta Kirrweiler. Nach zwei Jahren wechselte Ziegler aufs Eis, ging erstmals zu den Maddogs nach Mannheim. Und ging bald mit zwei Teamkollegen nach Frankfurt zu den Löwen, die ein U20-Team in der DNL, Division 3, der deutschen Nachwuchsliga, der Elite-Nachwuchsliga des Deutschen Eishockey-Bundes, haben. Das Niveau dort sei höher gewesen als in Mannheim, blickt Ziegler zurück. „Ich wollte mich verbessern.“ In seinem ersten Jahr sei er zu jedem Training und Spiel mit dem Zug hingefahren. Auf dem Rückweg hätten ihn Teamkollegen bis zum Bahnhof in Ludwigshafen mitgenommen. Von da sei er erneut mit dem Zug nach Neustadt gefahren. „Dort hat mich mein Vater dann abgeholt.“ Es war zu dieser Zeit ein extrem zeitaufwendiges Hobby: Ziegler erzählt, dass allein An- und Abfahrt vier bis fünf Stunden gedauert hätten. Es kamen noch zwei Stunden Training hinzu. Als er dann selbst einen Führerschein hatte und mit dem Auto fahren konnte, „habe ich 1,5 Stunden Zeit eingespart“.

Apropos Zeit: Die braucht der Torhüter auch, um sich seine Ausrüstung anzuziehen. Es seien so fünf bis zehn Minuten, überlegt Ziegler. Trotz der schützenden Teile inklusive Torhütermaske und Vollgitter „merkt man den Puck immer, wenn er einen trifft“. Es komme aber auf die Stelle an. Ziegler: „An den Beinen schmerzt es nicht. An den Oberarmen tut’s richtig weh.“ Er erinnert sich an ein Trainingslager, in dem ein Trainer, ein ehemaliger Profi, auf sein Tor geschossen und er den Puck gehalten habe – eben mit dem Oberarm. „Der war danach wie betäubt.“

Dass der St. Martiner überhaupt im Tor gelandet ist, hat sich schon vor seiner Eishockeykarriere abgezeichnet: Bis zu seinem achten Lebensjahr war er nämlich Fußballtorhüter beim TuS Maikammer. Mit 13, kurz bevor er aufs Eis gewechselt ist, hat er noch beim TSV Venningen auf dem Feld gekickt. Ziegler: „Im Tor macht’s aber mehr Spaß.“

Vorbild Fred Brathwaite

Dabei hat der St. Martiner nicht gerade die Gardemaße, die zwischen den Pfosten meist verlangt werden. „Ich bin nicht der Größte“, gibt er zu. „Aber der Torwart, der damals bei den Adlern gespielt hat, Fred Brathwaite, der ist auch nicht groß – der hat 1,70 Meter so wie ich.“ Und der Kanadier sei richtig gut gewesen, schwärmt Ziegler. „In der NHL nehmen die in der Regel keinen Torhüter, der unter 1,85 Meter ist.“ Ein Torhüter müsse schnell und beweglich sein. „Momentan übe ich an meinem Spagat. Ich bin noch nicht zufrieden, denn ich komme noch nicht ganz runter“, verrät er eine Schwäche. Wichtig sei außerdem das Positionsspiel, denn „die Profis schießen sehr genau – die schießen Briefmarken“.

Ziegler ist aber nicht nur auf dem Eis aktiv, sondern beim SV Herta Kirrweiler auch auf dem 2020 in Eigenleistung fertiggestellten Skaterhockeyfeld. Dort betreut er die U10- und U13-Kinder. Und er hütet in der Männermannschaft das Tor.

Pläne schmieden

Auch wenn sportlich bislang wenig möglich ist wegen der Pandemie, der 19-Jährige schmiedet Pläne. Als er noch bis zur zwölften Klasse das Gymnasium in Edenkoben besucht habe, habe er beschlossen, dass er kein Abitur, sondern etwas Praktisches machen wolle. So absolviert er im Betrieb seines Vaters bereits im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung im SHK (Sanitär, Heizung, Klima)-Handwerk. „Es ist stressig, macht aber Spaß. Und weil mir dort auch die Theorie Spaß macht, überlege ich, in Richtung Versorgungstechnik zu studieren“, erzählt der junge Mann. Und sobald das Mannschaftstraining in der Halle wieder erlaubt sei, „soll drei Wochen später der Ligabetrieb losgehen“. Doch er weiß längst: „Eine normale Saison wird im Eishockey nicht stattfinden.“

Juan Carlos Ziegler y Blazques ist Eishockey-Torhüter bei den Maddogs Mannheim, hier aber noch im Trikot der U20-Löwen Frankfurt
Juan Carlos Ziegler y Blazques ist Eishockey-Torhüter bei den Maddogs Mannheim, hier aber noch im Trikot der U20-Löwen Frankfurt.
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