Neustadt Eine Chance für Kinder auf dem Land

Es dürfte kaum jemand im Lambrechter Tal geben, der nicht den stets freundlichen Kaplan Jujugiri Balaswamy kennt. Er ist seit 2011 in der Pfarreiengemeinschaft Lambrecht als Seelsorger tätig. Dort dankt man ihm für seine Arbeit auch mit Spenden, die er wiederum für Kinder in seiner Heimatgemeinde einsetzt.
Balaswamys Heimatgemeinde Nagaram liegt in Indien in der Diözese Guntur, aus der schon einige indische Kapläne nach Deutschland und auch ins Lambrechter Tal gekommen sind. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit hat er aber ein ganz großes Projekt in Angriff genommen. Er hat in Nagaram einen Kindergarten aus Spendengeldern gebaut, in dem derzeit 45 Kinder gleich welcher Religionszugehörigkeit Aufnahme gefunden haben. Mit Spendengeldern aus der Sternsingeraktion des Jahres 2012 aus Aachen in Höhe von 23.000 Euro wurde im Oktober 2013 mit dem Bau begonnen, der im Mai 2014 fertiggestellt war. Die Gesamtkosten des Gebäudes belaufen sich auf etwa 30.000 Euro. Der Rest wurde aus Spenden aus der Pfarreiengemeinschaft Lambrecht finanziert. Einen Monat später konnten die ersten Kinder im Kindergarten aufgenommen werden. Offiziell wurde das neue Gebäude im vergangenen Sommer seiner Bestimmung übergeben. Dazu war auch Kaplan „Bala“, wie er im Lambrechter Tal liebevollgenannt wird, mit Erwin Schwab aus Lindenberg nach Indien gereist und nahm an den Feierlichkeiten teil. Das neue Gebäude kann rund 100 Kinder aufnehmen. Von Anfang an war das zu errichtende Gebäude nicht nur als Kindergarten, sondern auch als Grundschule geplant. Es besteht aus sechs Räumen, vier Klassenzimmern, einem Leseraum mit Bücherei und einem Büro. Drei weitere Klassenräume sind in der Planung. Derzeit werden hier die 45 Kinder von drei Erzieherinnen und zwei Betreuern versorgt. Auch dazu werden zum Teil Spendengelder verwendet. Die Eltern der Kinder zahlen im Jahr 18 Euro. Die Heimatgemeinde von Kaplan Bala hat 3500 Einwohner, davon sind etwa 1000 Christen, der Rest Hindus, Muslime. Die Einwohner sind meist Tagelöhner. Die meisten arbeiten auf den Feldern mit einem Tageslohn von umgerechnet zwei Euro. In Nagaram gab es zuvor keinen Kindergarten, der nächste liegt in der etwa sieben Kilometer entfernten Stadt. Kaum jemand kann aus finanziellen Gründen seine Kinder dort hinschicken. So fasste der Kaplan den Entschluss, einen Kindergarten mit Schule zu bauen. Die Kinder des Ortes sollen die Möglichkeit haben versorgt, betreut und unterrichtet zu werden, während die Eltern den Lebensunterhalt verdienen. Kindergarten und Schule sollen die Kinder weg von der Straße holen, ihnen den Weg in eine geordnete Zukunft ebnen. Auch in Indien gilt: Nur wer eine gute Ausbildung genießt, hat eine Chance, im späteren Leben bestehen zu können. Ob den geplanten ersten und zweiten Klassen später eine dritte und vierte Klasse angegliedert werden können, hängt auch von der finanziellen Lage ab. Kaplan Balaswamy ist es ein großes Bedürfnis, dass die Kinder seiner Heimatgemeinde den Anschluss an die „Stadtkinder“ nicht verpassen, eine gleiche Chance für alle ist sein Ziel.