Wasserball
Ein wenig erbaulicher Saisonausklang für den SC Neustadt
Mit einer Rumpfmannschaft fuhren die Wasserballer des SC Neustadt am Wochenende zur Finalrunde um den süddeutschen Wasserball-Pokal nach Nürnberg. Trainer Thorsten Preuß musste Absagen wegen Urlaub, Erkrankungen, Schulstress und Verletzungen hinnehmen. Es kam daher zum erwarteten und wenig erbaulichen Saisonausklang. So war auch der Abschied von Jakko Vagts aus der Zweitliga-Mannschaft nicht gelungen. Denn Vagts plant, in Freiburg Medizin zu studieren und dort in der Oberliga-Mannschaft zu spielen.
Das Halbfinale gegen Gastgeber Nürnberg verlor der SCN am Samstag deutlich mit 3:9 (0:2, 0:2, 2:2, 1:3). Obwohl der SCN die Franken in den beiden Spielen der Zweiten Liga in dieser Saison noch besiegt hatte, war diese Niederlage zu befürchten. Schließlich waren nur drei Stammspieler bei den Neustadtern an Bord. Einer davon, Tim Hornuf, musste sogar nach einem Foul für den Rest des Turniers das Becken verlassen. Das Team spielte vier Minuten in Unterzahl. Preuß: „Dennoch erzielten wir in dieser Phase sogar Tore. Aber insgesamt hat der Abschluss nicht funktioniert, wir waren einfach nicht kreativ genug.“
Spiel um Platz drei
Am Sonntag ging es dann um Platz drei gegen den Oberligisten Stuttgart. Es war eine spannende Begegnung, doch Hornuf fehlte gesperrt. Und Sergio Ramirez musste nach drei Fouls frühzeitig im dritten Viertel aus dem Becken. Preuß: „Wir waren wieder nicht flexibel genug. Wir hatten viele Chancen, weil wir nach Strafzeiten für Stuttgart oft in Überzahl waren. Doch wir nutzten die Gelegenheiten nicht. Aber ich kann dem Team keinen Vorwurf machen. Die Spieler, darunter viele Junioren- und Ersatzspieler, haben geackert und gekämpft. Sie wollten als Zweitliga-Meister im Pokalwettbewerb wenigstens Platz drei holen.“
Jakko Vagts war mit vier Treffern einer der besten SCN-Spieler gegen Stuttgart. Auch gegen Nürnberg traf er einmal. Doch der Nachwuchsspieler wird künftig dem Männerteam fehlen. Er hat sich schon frühzeitig als Juniorenspieler auch in der Ersten Mannschaft bewiesen und feierte 2021 den zweiten Platz mit dem Neustadter U18-Team auf den deutschen Meisterschaften.
Berufswunsch Mediziner
Sein Abitur machte er im Vorjahr. Bis zur zwölften Klasse war ihm noch nicht ganz klar, dass sein Berufswunsch Mediziner werden könnte. Dabei hat er mit seinem Papa Dierk ein großes Vorbild in der Familie. Dierk Vagts leitet im Neustadter Krankenhaus Hetzelstift als Chefarzt die Intensiv- und die Palliativstation. Sein Sohn sagt: „Das Vorbild meines Vaters hat aber letztlich für meine Entscheidung für das Medizinstudium nicht so sehr eine Rolle gespielt. Natürlich ist es schön, wenn man sich in der Familie über medizinische Themen austauschen kann. Aber ausschlaggebend waren vor allem ein Pflegepraktikum auf der Intensivstation und mein Interesse am menschlichen Körper.“
Auf der Notfallstation
Seit Februar arbeitet Jakko Vagts nach seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter auf der Notfallstation. Jetzt liebäugelt er mit Freiburg als Studienort. Das entscheidet sich aber erst über die Studienplatzvergabe Mitte August. Er hat jedoch gute Karten: Mit einem Abi-Notenschnitt von 1,3 sowie einem Testwert von 93 Prozent im Medizinertest als Aufnahmeprüfung müsste er die Zulassungshürden meistern und in seinem Wunschort landen. Wasserball soll trotz des anspruchsvollen Studiums weiterhin ein wichtiger Ausgleich bleiben. „Vielleicht mit Zweitspielrecht für den SCN“, hofft Vagts. Denn die Sportart Wasserball habe ihm das notwendige Richtzeug für die sechsjährige Medizinerausbildung gegeben, sagt er. Hier habe er Disziplin und Durchhaltevermögen erlernt. Bei seinen bisherigen medizinischen Einsätzen sind ihm auch schon einige tragische Fälle begegnet, die er verarbeiten musste. Zwei Dinge seien dabei wichtig, so Vagts. Man müsse selbst wertschätzen, dass es einem gut gehe und was man selbst habe. Und man dürfe es nicht in sich hineinfressen, wenn etwas belaste, sondern müsse mit jemanden darüber reden.
Auf diese Weise sollten die SCN-Männer Platz vier in der Pokalendrunde der letzten Vier verkraften. Pokalsieger wurde Nürnberg in einem hart umkämpften Finale mit einem 11:9-Erfolg (3:1, 3:2, 3:2, 2:4) über den Süd-Zweitligisten Friedberg.