Neustadt „Ein Schwein gehört dazu“
«DEIDESHEIM.» Die Suche nach einem passenden Hochzeitsgeschenk brachte sie auf die Spur. Als die Hochzeit von Jan Hock am 19. Juli 2015 anstand, gerieten seine Deidesheimer Freunde ins Grübeln. Sie wurden noch rechtzeitig fündig und schenkten ihrem Freund zur Hochzeit zwei Glücksschweine und wünschten so ihm und seiner Gattin Carolin einfach viel Glück im Bund der Ehe.
Ein Schwein gehört einfach dazu, zumindest dachte sich das Ulrich Eichberger. Es wird auch an Neujahr verschenkt, um dem Beschenkten für das neue Jahr Glück zu wünschen. Der Schreinermeister ließ damals seinen Gedanken Taten folgen. Ihn unterstützten gleich zwölf weitere Freunde aus dem Kreis der Kerwebuwe, der Feuerwehr und dem privaten Umfeld. So erwarb der Hock’sche Freundeskreis zwei Ferkel. Diese beiden Borstenviecher wurden dann noch in dessen Hochzeitsnacht auf den Balkon in der Weinstraße gesetzt. Groß war die Überraschung, als das jung vermählte Paar in den frühen Morgenstunden nach den Feierlichkeiten ihr Eigenheim betrat. Dabei dachte man doch, dass Jan Hock, im Berufsleben Diplom-Oenologe und Leiter des Weinbaus bei der Lebenshilfe in Bad Dürkheim, seine Ferkel auf dem Bio-Bauernhof der Behinderteneinrichtung in Altleiningen aufwachsen lassen könnte. Da täuschte man sich. Da die beiden Ferkel damals nicht aus einem Bio-Betrieb stammten, scheiterten diese Pläne. Hock und seine zwölf Freunde machten aus der Not eine Tugend. Sie übernahmen selbst die Mast der beiden Schweine. Nicht auf seinem Balkon oder auf dem Gelände der Lebenshilfe, sondern auf dem Eichberger’schen Gelände im Osten der Stadt, wo einst die Geißböcke ihr Zuhause hatten. Keine leichte Aufgabe. Die Mast der beiden Ferkel erforderte von jedem Einzelnen persönliches Engagement und Leidenschaft. „Wir machen es gerne, es macht ja auch Spaß“, sagt Andreas Schubing. Der 20-Jährige, der kürzlich sein Abitur gemacht hat, ist der Jüngste im Kreis der 13 Männer, die sich „Saubande“ nennen. Der älteste ist mit 36 Jahren Marco Rischar. Waren es in den ersten beiden Jahren jeweils zwei Schweine, die sie gemästet haben, so waren es im vergangenen Jahr fünf, und diesmal sind es sogar sieben. Im Frühjahr 2019 soll das nächste Schlachtfest auf dem Margarethenhof bei Martin Lucas folgen. „Mehr geht nicht“, sagt Schubing mit Blick auf den täglichen Aufwand für Fütterung und Sauberkeit der Anlage. Fast täglich ist er oder einer seiner Freunde fast 30 Minuten auf dem Freigelände und schaut nach den Tieren. 30 bis 40 Kilogramm gekochte Kartoffeln, dazu noch geschrotetes Getreide und Karotten vertilgen die Schweine täglich. Zentnerweise Nahrung muss stets im Voraus bei Landwirten abgeholt und zwischengelagert werden, dazu noch Tonnen von gepresstem Stroh. Sauberkeit und Hygiene stehen bei den Jungs hoch im Kurs. Das erfordert eine enorme Logistik. „Es gibt immer etwas zu tun“, meinte Eric Steffen. Damit jeder einzelne informiert ist, gibt es stets über eine WhatsApp-Gruppe die Nachricht über die geleisteten und noch bevorstehenden Aufgaben. Dazu gibt es einen monatlichen „Saubande-Stammtisch“, wo einiges rund um die Schweine miteinander besprochen wird. „Jeder fühlt sich da irgendwie angesprochen und packt mit an, wie es beruflich und privat möglich ist“, erzählt Steffen. Der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. Die Männer haben auch sehr unterschiedliche berufliche Stärken. Vom selbstständigen Unternehmer, dem Bankkaufmann, dem Forstwirt, dem Winzer bis hin zum Weinbaustudenten reicht die Palette der Berufe der Hobby-Schweinemäster. Sie investieren nicht nur ihre Zeit in ihr Hobby, sondern steckten in den Anfängen noch so manchen Euro in das Projekt. Mit Peter Ackermann fanden sie einen Gönner, der ihnen als Starthilfe 250 Euro spendete. Ihre Philosophie ist klar: Freilaufend, natürliche Fütterung ohne Zusatzstoffe, und bis auf die einmalige Ferkelimpfung wird auf jeglichen Einsatz von Medikamenten bei den Tieren verzichtet. Die „Saubande“ ging noch einen Schritt weiter. Die Ferkel stammen nur von Züchtern, die auf das Kastrieren ohne Betäubung, verzichten. „Das lehnen wir strikt ab“, sagt Steffen. „Uns ist es wichtig, dass wir die Schweine artgerecht, mit viel Freilauf halten und auch auf das Tierwohl achten“, sagt der 25-Jährige. Schubing und Steffen sind häufig bei den Schweinen anzutreffen. Sie sind aber nicht die einzigen, auch andere schauen regelmäßig vorbei. Manuel Langhauser (30) wirkt da eher im Hintergrund, denn er kocht täglich die Kartoffeln, ehe diese verfüttert werden. „Inzwischen bekommen wir immer wieder ein Ferkel gespendet“, verrät Steffen. Sie haben eben auch eine große Fangemeinde. So setzt die Saubande auch wegen der besonderen Qualität des Fleisches auf die Rasse Duroc. Für die Gruppe sind dies Glücksschweine, denn sie haben ihren Zusammenhalt noch einmal verstärkt.