Neustadt Ein Roadtrip durch Bosnien

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Wachenheim. Fürs Theater hat Luise Rist schon etliches verfasst. Nun legt die Wachenheimerin mit „Rosenwinkel“ ihren ersten Roman vor. Darin erzählt die 45-Jährige die Geschichte von Frida und Anita. Die Freundschaft der unterschiedlichen Mädchen hat sogar nach Anitas Abschiebung nach Bosnien, das Heimatland ihrer Mutter, Bestand. Rist, die sowohl in ihrem Wohnort Göttingen als auch am Ludwigshafener „Theater im Pfalzbau“ mit Flüchtlingen an Theaterprojekten arbeitet, schwebte das Thema schon lange im Kopf herum.

Es sei schon immer ihr Traum gewesen, Bücher zu veröffentlichen. Doch bis Luise Rist ihr erstes Werk in Händen halten konnte, arbeitete sie erst einmal am Theater. Nach ihrem Studium der Germanistik und Romanistik in Heidelberg und Berlin, war Rist als Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen beschäftigt. „Dort habe ich schnell eigene Stücke schreiben dürfen“, berichtet die Mutter eines Sohnes. Mit dem Theater kam die Wachenheimerin allerdings schon viel früher in Berührung. In Bad Dürkheim hat sie bereits während ihrer Schulzeit beim „Theater Irrlicht“ mitgewirkt – auch als Schauspielerin. „Ich habe mich dann aber schnell aufs Schreiben konzentriert, denn das war das, was ich machen wollte“, sagt Rist, die für die kleine Theatergruppe erste eigene Stücke verfasste. Um sich ganz dem Schreiben widmen zu können, entschied sie sich nach acht Jahren am Göttinger Theater für eine Existenz als freischaffende Künstlerin. Gemeinsam mit ihrem „Boat People Project“ realisiert sie nun Theaterprojekte. Zu den Schauspielern, die nicht alle über Bühnenerfahrung verfügen, gehören auch einige Flüchtlinge. „Die gemeinsame Arbeit macht sehr viel Spaß. Natürlich spielen hierbei die Themen Flucht und Migration eine große Rolle“, meint die 45-Jährige. Ihre Begegnungen mit Asylsuchenden haben ihr auch beim Schreiben des Romans geholfen. „Das Mädchen auf dem Cover ist die 15-jährige Anita, die ich gut kenne. Sie ist in Deutschland geboren, lebt aber mit ihrer Familie hier nur in Duldung. Im Alltag schwingt also immer die Angst mit, dass sie plötzlich weg muss“, berichtet Rist, die in ihrem Buch diese Angst auf fiktionaler Ebene Realität werden lässt. Ihre Ich-Erzählerin Frida, die gerade mit der Schule fertig geworden ist und noch nicht so genau weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte, will es nicht so einfach hinnehmen, dass ihre beste Freundin von heute auf morgen nach Bosnien abgeschoben wird. Daher begibt sie sich auf einen spannenden Roadtrip durch Bosnien. Auf der Suche nach Anita begegnet sie einem ehemaligen Kriegsreporter, bekommt einen Eindruck vom Leben in Slums und erlebt einen Anschlag mit. Ursprünglich sollte diese Geschichte die Grundlage für ein Drehbuch werden. „Es wurde dann aber schnell klar, dass das ein Roman werden muss. Das haben mir auch Bekannte geraten“, erzählt die Autorin. Gemeinsam mit ihrer Protagonistin Frida geht sie einen völlig unbekannten Weg, „daher war es auch klar, dass ich aus ihrer Perspektive erzählen muss, weil das für uns beide Neuland ist“, sagt sie. Zwar sei sie auch mal in Bosnien gewesen und habe mit vielen Roma geredet, aber „die Geschichte ist frei erfunden“ und habe sich während des Schreibprozesses auch in nicht vorhersehbare Richtungen entwickelt. „Plötzlich füllen sich Orte mit Leben oder Figuren bekommen ganz andere Charakterzüge als zunächst gedacht, das ist für mich sehr spannend gewesen“, berichtet Rist. Ab sofort wird sie wieder häufiger in ihrer pfälzischen Heimat sein, denn auch am Ludwigshafener „Theater im Pfalzbau“ arbeitet sie mit jugendlichen Flüchtlingen an eigenen Stücken. „Mahala international“ heißt die Gruppe, die bereits im Frühjahr beim Festival „Offene Welt“ mit einem Stück vertreten war. „Sie lernen dadurch auch die deutsche Sprache. Das ist für viele zunächst eine große Herausforderung, aber wenn es dann nach vielen Proben endlich klappt, sind alle mächtig stolz“, meint Rist. Der Welt der Bücher möchte sie auch treu bleiben, denn sie habe „Blut geleckt“ und bereits zwei neue Romanprojekte im Kopf. „Das Theater ist schnell und vergänglich. Man zeigt etwas, und dann ist es schon vorbei, was natürlich den Zauber ausmacht. Mit einem Roman kann ich eine komplette Geschichte erzählen, die bestehen bleibt. Ich habe das Glück, beides machen zu können, das ist großartig.“ Lesezeichen Luise Rist: Rosenwinkel. Erschienen als Taschenbuch bei cbt, 352 Seiten, 9,99 Euro.

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