Neustadt „Ein gutes Zeichen“
Erwartungsgemäß hat der Neustadter Stadtrat gestern Abend die Weichen für einen Kino-Komplex beim Quartier Hornbach gestellt. Das Interesse eines Investors sei eine Chance, die nicht vertan werden dürfe, so die einhellige Meinung.
Stadtratsmitglied Pascal Bender (SPD) brachte es am Schluss der kurzen Debatte auf den Punkt: „Sehen wir es doch positiv, anstatt das Pferd von hinten aufzuzäumen.“ Gemeint war: Der Stadtrat soll die Chance nutzen, dass die Mannheimer Filmtheaterbetriebe Spickert beim Quartier Hornbach ein Multiplex-Kino bauen wollen – anstatt „ins typische Neustadter Bedenkenträgertum“ zurückzufallen und sich allein um das Roxy-Kino zu sorgen. Wie in dieser Woche berichtet, muss der Stadtrat dazu den Bebauungsplan „Kasernenstraße“ ändern; das soll nun geschehen, wie gestern einstimmig beschlossen wurde. Ziel ist es unter anderem, auf einem noch freien Gelände neben dem Sportartikelhändler Decathlon auch ein Kino zu erlauben; bislang ist dort eine solche Nutzung nicht vorgesehen. Die SPD stimmte unter der Maßgabe zu, dass der Bereich ins Busnetz eingebunden sowie ein Fuß- und Radweg zum Bahnhaltepunkt Süd angelegt wird. Eine Bushaltestelle sei bereits geplant, die fußläufige Verbindung müsse geprüft werden, so Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU). Alle Fraktionen werteten das Interesse des Mannheimer Investors als eine Chance, die nicht vertan werden dürfe. „Das wäre fatal“, sagte beispielsweise der Grünen-Fraktionsvorsitzende Kurt Werner. Der Stadtrat hat dabei vor allem das junge Publikum im Sinn, ist sich aber sicher, dass das Angebot auch für die älteren Semester attraktiv ist. Diese Geschlossenheit wertete FDP-Fraktionschef Matthias Frey auch als „gutes Zeichen für die weitere Zusammenarbeit in diesem Rat“. Zuvor hatte er davon gesprochen, dass die Änderung des Bebauungsplans ein gutes Zeichen sei, „das wir heute senden – an den Investor und die Neustadter Bürger“. Das Roxy-Kino in der Innenstadt darüber nicht zu vergessen – auch darin waren sich die Fraktionen einig. Doch würden Beispiele andernorts, so in Landau, zeigen, dass Filmtheater in der City und außerhalb nebeneinander bestehen könnten. Die Diskussion darüber war vom FWG-Fraktionsvorsitzenden Marc Weigel angestoßen worden: Den Freien Wählern falle das Ja zur Bebauungsplanänderung nicht ganz so leicht, aus Sorge um die Zukunft des Roxy. Da es andererseits aber alternative Standortangebote an die Spickert GmbH in direkter Nachbarschaft gebe, wäre Neustadt schlecht beraten, würde es nicht zugreifen. Im Einklang mit den anderen Fraktionen wies Weigel dabei Kritik der Willkomm zurück. Wie ebenfalls berichtet, hatte die Unternehmergemeinschaft bemängelt, dass Verwaltung und Stadtrat nicht frühzeitig mit Roxy-Betreiber Michael Kaltenegger gesprochen hätten. Dieser sei nicht zum Opfer geworden, sondern rechtzeitig eingebunden worden, so Weigel. Und: Kaltenegger selbst habe im Gegensatz zur Willkomm kein Problem mit dem Ablauf. (ahb)