Neustadt Ein Foto vom Wachtenburg-WC

Daniel Köbler, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, hat seit Samstag ein Foto von der Herrentoilette der Wachtenburg auf seinem Smartphone gespeichert. Die Wachtenburg war die erste Station seiner Sommertour im Wahlkreis seiner Fraktionskollegin Ruth Ratter. Je zwei Aufenthalte in Wachenheim und Bad Dürkheim und einen in Grünstadt hatte Ratter für den Fraktionsvorsitzenden eingeplant.
„Die Herrentoilette auf der Wachtenburg ist genial“, schwärmte Köbler auf dem Bad Dürkheimer Markt, der dritten Station der Tour, und zeigte das Foto auf seinem Smartphone den Bad Dürkheimer Grünen. Die Herrentoilette war jedoch nicht der Grund, warum Ratter mit Köbler auf die Wachtenburg gelaufen war. Da Kultur einer ihrer politischen Schwerpunkte sei, suche sie für die Sommertouren immer mindestens eine Station mit einem kulturellen Bezug aus, so Ratter. Zudem habe sie das enorme Engagement des Förderkreises zur Erhaltung der Wachtenburg herausstellen wollen. Dieter Weilacher, Vorsitzender des Förderkreises, informierte die Besucher ausführlich über die Geschichte der Burg und das langjährige Engagement des Förderkreises. Beim Vorbeifahren habe er die Wachtenburg zwar schon gesehen, „aber ich kannte die wunderbare Burg noch nicht“, gibt Köbler zu. Er habe hier etwas gelernt, nämlich „dass die Förderrichtlinien des Landes flexibler sein müssten“. Damit die Fördermittel des Landes für den nächsten Sanierungsschritt auf der Burg nicht verfielen, müsse teils im Winter gearbeitet werden. Deshalb würden die Arbeiten teurer, das sei nicht in Ordnung, findet Köbler. „Solche Dinge kriegt man nicht mit, wenn man in Mainz sitzt“, gesteht Köbler. Deshalb gehe er jedes Jahr auf Sommertour. „Es ist mir wichtig zu sehen, wie funktioniert das, was wir in Mainz machen, bei der Umsetzung in der Region?“, erklärt Köbler. Bei der ehemaligen Synagoge in Wachenheim, der zweiten Station der Tour, liefern die Wachenheimer Klaus Helfer und Michael Wendel die Informationen. „War das bis in die Nachkriegszeit die Synagoge?“, will Köbler wissen. Wendel erklärt, dass das Gebäude seit 1938 nicht mehr als Synagoge genutzt werde, dass bis 1941 zwei jüdische Familien in dem Haus gewohnt hätten und es danach von Nachbarn gekauft worden sei. Ein Schild verweist darauf, dass das Haus zum Verkauf steht. Eine Initiative um Helfer und Wendel würde das Haus gern kaufen, das jüdische Bad in dem Gebäude freilegen, einen Raum für kleine kulturelle Veranstaltungen nutzen und den Rest vermieten. Doch die geforderten 205.000 Euro sind ihnen zu teuer. Der Beigeordnete Burkhard Ort (Wachenheimer Liste) erklärt, dass die Stadt ebenfalls kein Geld für den Kauf habe. (ann)