Neustadt Ein buntes Treiben

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Der Mensch braucht hin und wieder ganz menschliches Gedränge: Auch gestern traf der Satz wieder auf den verkaufsoffenen Sonntag in Neustadt zu. In der Innenstadt herrschte reger Betrieb, und auch im Weinstraßenzentrum nutzten viele Besucher die Möglichkeit für einen sonntäglichen Einkaufsbummel.

„Der liebe Gott hat dem Neustadter Bauernmarkt wieder geholfen“, sagte Karl-Heinz Carra und warf einen dankbaren Blick in den zeitweise strahlend blauen Himmel. Das Wetter meinte es gut mit dem verkaufsoffenen Sonntag. „Der Verkauf ist verhaltener als sonst. Die Leute achten einerseits mehr aufs Geld, andererseits aber auch auf Qualität“, sagte der Bäckermeister aus Reichenbach-Steegen im Kreis Kaiserslautern, dessen Musikanten- und Grumbeerbrote wie warme Semmeln weggingen. „In zwei Stunden schon die Hälfte verkauft“, bilanzierte gegen 13 Uhr Auguste Frumholtz aus dem lothringischen Ormersviller, der Confiture de Mirabelle und Quetscheschlaegel (Latwerg) feilbot. Blaubeersalami, Bergkräuterschnaps-Salami, Calvados-Salami mit Madagaskarpfeffer und Iberico-Schwarzfuß-Schweineschinken ließen die Herzen von Feinschmeckern an Andreas Marschalls Stand höher schlagen. Für den Aussteller aus dem französischen Romelfing (Department Moselle) ist der Bauernmarkt gleichzeitig Werbung für den bald kommenden Kunigundenmarkt. Eine feste Größe auf dem Markt ist mit seinen Käsespezialitäten Otto Specht aus Lindenberg im Allgäu. Sein Probiertisch war immer eng umlagert. „Wildkräuter- und Bergblütenkäse sind die absoluten Renner am Stand“, berichtete er. Was Jutta Fischer kopfnickend bestätigte, die per S-Bahn mit ihrem Mann eigens aus Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis nach Neustadt angereist war. Auch bei Specht wird Qualität großgeschrieben: „Die Kühe unserer Heumilchbauern stehen auf 650 bis 1200 Meter Höhe auf der Alpe. Wir bezahlen 40 bis 50 Cent pro Liter für deren Milch – normal sind in Deutschland 25, demnächst wohl 34 Cent.“ Ebenfalls goutiert wird Qualität von den Kunden des Kürbishofs Birkenhördt aus dem Kreis Südliche Weinstraße. Die violettfleischige Kartoffelsorte Vitelotte, die zahlreichen selbstgemachten Fruchtaufstriche, aber auch die frischen Walnüsse waren laut Marktbeschicker Uwe Schweigert besonders nachgefragt. „Es ist unser letzter Markt im Jahr“, sagte der Südpfälzer, der nach Neustadt nicht nur zum Verkaufen kommt: „Wir nutzen den verkaufsoffenen Sonntag , möchten auch die örtlichen Geschäfte unterstützen.“ Stolz präsentierte Erich Auer aus dem südwestpfälzischen Biedershausen eine am Donnerstag von Umweltministerin Ulrike Höfken überreichte Urkunde, die ihn als „Partnerbetrieb Naturschutz“ würdigt. Ob Auerochse, Angler-Sattelschwein, Mufflon, Rothirsch, Perl- oder Nackthalshuhn: „Bei mir wird nichts gemästet“, betonte der Anbieter von Fleisch- und Wurstwaren. Heimspiel für Werner Gleber: „Die kleinste Weinflasche der Welt“ als Brosche und „Pälzer Stoppeköpp“ als originelle Flaschenverschlüsse offerierte der Neustadter. Aprikose, Karamell oder doch ein kleiner grüner Kaktus? 36 Sorten wohlschmeckender, selbstgebackener Macarons in allen Geschmacksrichtungen hatte Marieclaire Richert aus Surbourg (Nordelsass) dabei. Ebenso kunterbunt wie an ihrem Stand sah es dank der zahlreichen Besucher aus nah und fern auch in den Geschäften der gesamten Innenstadt aus. Manche besorgten dabei auch schon Weihnachtsgeschenke. |ain

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