Neustadt Ein Bild der Verwüstung
Überall liegen Scherben. Zwischen den Weinbergen kurz vor St. Martin haben sich zwei Autos ineinander verkeilt. Eines liegt auf der Seite, die Fahrerin ist bewusstlos hinter dem Lenkrad eingeklemmt. Das zweite Fahrzeug ist mit eingedellter Motorhaube dahinter zum Stehen gekommen. Dessen Fahrerin ist ebenfalls bewusstlos, nachdem ihr Kopf gegen die Scheibe geschleudert worden war. Sie blutet an der Stirn. Auch die Beifahrerin ist schwer verletzt. Ein Bagger ist auf das zweite Auto aufgefahren, dessen Schaufel bedrohlich auf der Windschutzscheibe des Autos liegt. Zwei Kilometer entfernt geht bei der Feuerwehr in Maikammer um 20.18 Uhr der Notruf ein. Die Wehrleute wechseln eilig in ihre Schutzkleidung und springen in die Wagen. Drei Minuten später sind sie vor Ort. Kurz zuvor sind schon zwei Krankenwagen der DRK-Verbände Neustadt und Edenkoben eingetroffen. Schnell sondieren die Rettungskräfte die Lage. Die Sanitäter teilen den Feuerwehrmännern mit, welcher der Verletzten am schnellsten aus seinem Fahrzeug befreit werden muss. Zum Glück ist das nur eine Übung für Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie proben hier, Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen zu versorgen. Noch zu viele Feuerwehren würden am Einsatzort aktiv, ohne sich vorher mit anderen Rettungskräften abzusprechen, sagt Peter Breitner, Wehrleiter der Verbandsgemeinde-Feuerwehr Maikammer. Und wenn ein Team die Oberhand übernehme, könne es nicht funktionieren. Gerd Ruf, Wehrführer in Maikammer, und Timo Schädler, Lehrrettungsassistent des DRK, haben die Übung organisiert. Die Fahrzeuginsassen sind zwei geschminkte Statisten, ein Feuerwehrmann und eine medizinische Puppe. „Man kann ihr Infusionen legen, und sie bekommt Medikamente. Die Rettungskräfte müssen sie also wirklich versorgen“, so Breitner. 30.000 Euro habe dieser Dummy gekostet. In dem Treiben der etwa 60 Rettungskräfte scheint jeder genau zu wissen, was zu tun ist. Sanitäter kümmern sich um die Verletzten. Feuerwehrmänner greifen zu Schere und Spreizer, um die Opfer zu befreien. Obwohl sich alle Einsatzkräfte auf ihre Arbeit konzentrieren, helfen sie einander, wenn sie bemerken, dass ein anderer Unterstützung benötigt. Nach einer halben Stunde befreit die Feuerwehr die erste Verletzte aus dem auf der Seite liegenden Auto. Kurz darauf sind auch die Insassen des zweiten Fahrzeugs gerettet. Zuletzt wird der leicht verletzte Baggerfahrer über eine Leiter aus der Kabine geholt. Damit ist die Übung beendet. Die Frauen und Männer schälen sich aus ihren dicken Jacken, die sie bei den hohen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen gebracht haben. Zweimal im Jahr übt die Feuerwehr Maikammer laut Breitner den Ernstfall. „Jeder Unfall ist anders. In meinen 30 Jahren bei der Feuerwehr habe ich noch nie zweimal die gleiche Arbeit gemacht“, sagt der Wehrleiter. Nach einer kurzen Verschnaufpause werden die Rettungskräfte zusammengerufen. Übungsleiter Ruf gibt Rückmeldung: „Ihr habt keine groben Fehler gemacht, die zum Misserfolg hätten führen können. Trotzdem habt ihr euch manchmal schwer getan. Man hätte Zeit sparen können.“ Mehr ins Detail wird er bei einer ausführlichen Nachbesprechung in der Feuerwache gehen. Wehrleiter Breitner hat die Übung „sehr gut gefallen“: „Die Zusammenarbeit war super.“ Lehrrettungsassistent Schädler fand den Ablauf „insgesamt gut“, wünscht sich aber noch mehr Absprache. Unter den Rettungskräften selbst gab es verschiedene Meinungen: Während ein Feuerwehrmann die Absprache als gut bewertete, sagte ein Rettungssanitäter, dass er zeitweise nicht gewusst habe, „was Plan ist“. Eine Sanitäterin gab an, „viel Vertrauen“ in die anderen gehabt zu haben. Neben dem Wehrleiter, zwei Übungsleitern und dem Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands, André Luipold, machten sich die Maikammerer Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach sowie der Erste Beigeordnete Joachim Anton ein Bild von der Lage. Der Wehrleiter hofft derweil, öfter mit dem DRK zu üben. Denn nur, wenn „man sich kennt“ und „zusammen schafft“, könne man erfolgreich zusammenarbeiten. Bis zum nächsten Einsatz dauert es bestimmt nicht lange.