Neustadt Ein Bett aus Ton für den Fabrikabfall
«RÖMERBERG.»Bevor es auf die Gipfel der von Menschenhand geschaffenen Hügellandschaft auf der Insel Flotzgrün hinaufgeht, heißt es erst einmal umsteigen in ein geländegängiges Gefährt. Diplom-Ingenieur Knut Schleiwies steuert den Land Rover zunächst auf den ältesten Teil der BASF-Deponie, die 1966 in Betrieb genommen wurde. Hier sind in den vergangenen Jahren Bäume angepflanzt worden, die mittlerweile teils schon eine stattliche Größe haben. Fast wähnt man sich im Pfälzerwald, doch dann wird das Grün weniger üppig und schon bald erreicht das Fahrzeug Abschnitt sieben der Deponie, der eher einer Mondlandschaft ähnelt. Kein Wunder, dieser Teil des Geländes wird derzeit noch verfüllt: „Zu 98 Prozent mit Bauschutt“, sagt Schleiwies, während er mit dem Geländewagen flott eine Runde auf dem Plateau dreht. Dicke Betonröhren ragen aus dem Boden. Über sie können Deponie-Mitarbeiter zu den unteren Schichten des dort lagernden Abfalls hinabsteigen, um zu kontrollieren, dass keine Schadstoffe in den Boden gelangen. Kurz vor einem Abhang kommt der Land Rover zum Stehen und die Gäste von der Presse dürfen aussteigen. Von hier aus lässt sich der achte Abschnitt der Deponie, der gerade angelegt wird, überblicken. Rund 50 Millionen Euro investiert die BASF hier. Bis Ende 2019 soll er soweit vorbereitet sein, dass jährlich bis zu 170.000 Tonnen Abfall, die bei der BASF in Ludwigshafen anfallen, dort abgeladen werden können. Nach Unternehmensangaben soll es sich hauptsächlich um nicht verwertbaren Bodenaushub und Bauschutt handeln. „Wir sind gut im Plan“, ist Frank Eckert, Betriebsleiter der Deponie, guter Dinge, den Zeitrahmen einhalten zu können. Um die Baustelle näher in Augenschein zu nehmen, geht es mit dem Geländewagen wieder bergab. Rechterhand gerät der Berghäuser Altrhein ins Blickfeld, wo gerade ein Lastschiff von großen Baggern seiner Ladung entledigt wird. Derzeit fahren im Schnitt vier Mal pro Woche Schiffe die Anlegestelle der Deponie an und bringen Ton, Kies und Schotter, der für den neuen Abschnitt verwendet wird. „Der Ton kommt aus Westfalen“, erklärt Schleiwies. Rund 850.000 Tonnen davon werden benötigt, um den neuen Deponieabschnitt nach unten hin abzudichten. Bis zu sechs Meter dick ist das Tonbett, auf dem der Abfall einmal liegen soll. Bislang sind erst rund 200.000 Tonnen Ton auf dem rund neun Hektar großen Areal verteilt worden. Einer der Arbeiter der Fachfirmen, die den neuen Abschnitt anlegen, ist gerade dabei, einen Teil davon zu beregnen, als der Land Rover auf das Gelände rollt. „Der Ton wird aufgefräst und gewässert, weil er ausgetrocknet ist. Anschließend wird er gewalzt“, erklärt Knut Schleiwies. Nebenan ist man schon ein Stück weiter. Auf der Tonschicht liegen hier die mehrere Millimeter dicken, miteinander verschweißten Kunststoffbahnen, die eine weitere Barriere zwischen Erdreich und Abfall bilden sollen. Ein geoelektrisches Kontrollsystem komme hier zum Einsatz, sagt der BASF-Mann. „Die Folie ist mit Sensoren ausgestattet. Wenn sie ein Loch hätte, würde Strom fließen.“ So sei es möglich, eine undichte Stelle schnell zu finden. Über den Kunststoffbahnen werden wiederum mit Sand gefüllte Matten ausgerollt, auf die eine rund 50 Zentimeter dicke Kiesschicht geschüttet wird. „Durch den Kies entstehen Hohlräume, über die das Wasser abgeleitet werden kann“, erläutert Schleiwies. An den tiefsten Stellen werden Drainagerohre verlegt, die einmal das Wasser, das durch die Abfallberge bis nach unten durchgesickert ist, aufnehmen sollen. Ob die ältesten Deponieabschnitte, auf denen es so schön grünt, dass man das giftige Erbe darunter fast vergessen könnte, wohl irgendwann einmal anderen Zwecken als den derzeitigen dienen könnten? Wird hier jemals ein Ausflügler seine Picknickdecke ausbreiten? Da wagt Deponieleiter Eckert, während es im Geländewagen wieder zurück zum Ausgangspunkt geht, keine genaue Prognose. „Wir reden hier über eine Frage von Jahrzehnten“, sagt er. Private Deponiebetreiber würden meist langfristig in der Verantwortung belassen. Eine Prognose gibt Eckert dann doch noch: „Einen Golfplatz oder eine Kartbahn wird man hier wohl nicht draus machen.“