Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Eigentlich ein Träumchen!

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Wenn modernen Fußgängerampeln der Schalk im Nacken sitzt.

Sanft gleiten die Türen auf, wenn man sich nähert. Im Sommer folgt dann der wunderbare Übergang von heiß zu klimatisiert, im Winter von butzekalt zu wohltuender Wärme. In der aktuellen Lage natürlich nur für den, der gegen Corona geimpft oder von der Infektion genesen ist ... Die Rede ist von jenen Ladentüren, die nicht von Hand aufgestoßen werden müssen, sondern sich automatisch öffnen, sobald sich der Kunde für das Angebot interessiert.

Das hat natürlich seine Tücken. Sicher ist Ihnen das auch schon mal passiert. Vielleicht nicht unbedingt im Kleiderladen, aber zum Beispiel in einem Kundencenter der Deutschen Bahn. Dort gibt es ja gerne mal Warteschlangen. Den letzten beißen bekanntlich die Hunde, was in unserem Fall heißt, dass der Letzte mehr oder weniger grazil versucht, nicht so im Eingangsbereich zu stehen, dass sich die automatische Tür permanent öffnet und schließt. Man könnte auch von sich Bestmöglich-in-irgendeinem-Eck-Verdrücken sprechen, ohne die Warteposition aufzugeben.

Schwupps auf Grün

Möglicherweise haben sich so in den vergangenen Tagen all jene gefühlt, die öfter an einer der acht neuen Fußgängerampeln in Neustadt vorbeigelaufen sind. Kaum dort, schwupps, sprang sie um auf Grün. Eigentlich ein Träumchen für die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Indes gebärdete sich das gute neue Stück auch dann derart fußgängerfreundlich, wenn die Straße gar nicht überquert werden sollte. Was umgekehrt für viel Ärger bei den Autofahrern sorgte, und bei den Anwohnern sicher auch, weil sie ätzende Staus vorm Fenster hatten.

Im Mußbacher Ortsbeirat kam das Dilemma diese Woche an den Tag. Des Rätsels Lösung ist so einfach wie fast kaum zu glauben. Da wäre zum einen die gute Idee, dass die Grünphase für Fußgänger nicht händisch ausgelöst werden muss. Vielmehr sondiert die Anlage ihre Umgebung und reagiert sofort, wenn sich ein Fußgänger über eine bestimmte Zeit auf mindestens 35 Zentimeter genähert hat – kurz gesagt, wenn wer an der Ampel steht und auf Grün wartet.

Zeit spielt keine Rolle

Zumindest geschieht das in der Theorie. Da das System aber noch in den Kinderschuhen steckt, hat es zum anderen viel Sinn für Humor und macht sich deshalb einen Spaß daraus, immer zu reagieren – selbst wenn nur jemand vorbeigeht. Die Zeit ist egal, nur der Abstand spielt eine Rolle.

Davon wurde der Hersteller überrascht. Sagt die Stadt. Nächste Woche will er aber dem Schabernack ein Ende bereiten und von jung auf erwachsen umprogrammieren. Ob das gelingt? Wir sind gespannt. Schließlich liegt zwischen Kindheit und Erwachsensein die Pubertät. Und da ist ja noch viel mehr möglich.

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