Lambrecht
Ehemaliges Awo-Seniorenheim: Rund 80 barrierefreie Wohnungen geplant
Scherben und Schutt, wohin man blickt. Das ehemalige Seniorenheim in der Gartenstraße steht seit 2006 leer und bietet wahrlich keinen schönen Anblick. Immer wieder wurde dort eingebrochen und randaliert. Mit den Jahren ist das Objekt bei Anhängern von „lost places“ beliebt geworden. An vielen Stellen hat sich die Natur den Standort zurückgeholt. Aus Betonritzen wachsen Pflanzen, auf dem Dach teilweise auch Bäume. Seit die Arbeiterwohlfahrt sich entschlossen hat, das Gebäude aufzugeben und unten im Ort neu zu bauen, soll der Altbau, der auch asbestbelastet ist, abgerissen werden.
Zakareya Diab sieht das Haus, in dem zuletzt etwa 110 Altenheimbewohner gelebt haben, mit ganz anderen Augen. „Das ist von der Aufteilung her richtig gut durchdacht“, sagt Diab, der Projektentwickler bei der Avenue Park GmbH mit Sitz in Bad Schwalbach ist. Auch die Statik sei absolut in Ordnung, das sei bereits überprüft worden. „Die Bausubstanz ist sehr gut.“ Alles andere interessiert ihn nicht. Das Haus soll komplett entkernt und auch energetisch auf den neusten Stand gebracht werden.
Wohnraum zu „bezahlbaren Preisen“
Die Avenue Park GmbH hat das ehemalige Awo-Altenheim gekauft und will es grundlegend sanieren. Kleine und mittlere barrierefreie Wohnungen sollen hier entstehen, und zwar zu „bezahlbaren Preisen“. Diab ist optimistisch, dass das gelingt und dass die Nachfrage nach solchen Wohnungen da ist. „Wir haben ein gutes Netzwerk an Handwerkern und Architekten“, sagt er. Aber auch regionale Firmen sollen zum Einsatz kommen.
Diab ist im Namen seines Auftraggebers in ganz Deutschland unterwegs, um Sanierungsobjekte zu finden. Das Ex-Altenheim in Lambrecht habe er zufällig entdeckt, erzählt er. Er sei in der Gegend gewesen und habe es aus der Ferne gesehen. „Ich habe dann den Besitzer ausfindig gemacht und es mir angesehen.“ Der bisherige Eigentümer, ein Unternehmer aus Bobenheim-Roxheim, hatte das Gebäude zu einem symbolischen Preis von einem Euro erworben – nach früheren Angaben der Stadt war das 2013. Demzufolge ist im vergangenen Jahr die Frist abgelaufen, innerhalb der eine Spekulationssteuer fällig wird. In der Folge wurde die Immobilie angeboten – zur Sanierung oder zum Abriss.
Rückendeckung von Stadt
Diab gibt die gesamte Wohnfläche mit rund 8000 Quadratmetern an. Rund 80 Wohnungen könnten hier entstehen, alle mit Blick ins Grüne, sei es zum Wald hin oder in Richtung Stadt. Der Projektentwickler schwärmt von der Lage des Gebäudekomplexes: „Sie sind hier direkt am Wald, haben Ruhe und gute Luft, gleichzeitig gibt es mit Einkaufsmärkten und Schulen eine gute Infrastruktur.“ Der Trend beim Wohnen gehe raus aus der Stadt. Und Lambrecht sei aufgrund seiner Infrastruktur und den im Vergleich zur Weinstraße günstigen Preisen eine A-Lage. Im Kommen sei auch die Aufteilung des Gebäudes in Atrium-Form mit Innenhof. Er habe keine Zweifel, dass der Bedarf an Wohnungen da sei. Diese Einschätzung teilt auch Tanja Bundenthal-Beck, Beigeordnete der Stadt und zuständig für den Bereich Bauen. „Ich hoffe sehr, dass das Projekt klappt. Wir werden als Stadt alles dazu beitragen, was wir können“, sagte sie auf Anfrage.
Die Höhe der Gesamtinvestition beziffert Diab mit etwa zehn Millionen Euro. Er rechne mit zwei bis drei Jahren Bauzeit. Baubeginn werde in den kommenden zwei bis drei Wochen sein. Ein Baucontainer stehe bereits, außerdem wurden die Treppen gesichert.
Energetisch modernisieren
Ein Gebäude wie das Ex-Altenheim zu entkernen und zu sanieren statt es abzureißen, sei nachhaltig und deshalb die bessere Lösung, erklärt Diab. Die Wohnungen sollen dennoch energetisch auf den neusten Stand gebracht sowie mit Bodenheizung und schnellem Internet ausgestattet werden.
Die Avenue Park GmbH ist nach eigenen Angaben 2018 gegründet worden. Als Ziel gibt das Unternehmen die Entwicklung und Bebauung, die Vermietung und Verwaltung sowie die Veräußerung von Immobilien an. Deutschlandweit würden diverse Objekte betreut, unter anderem ein Solarpark sowie zwei Krankenhäuser, die komplett saniert würden. Darüber hinaus investiere das Unternehmen in London und Qatar, heißt es weiter auf der Homepage. Auf der Seite sind auch 3D-Ansichten des geplanten Projekts in Lambrecht zu sehen.
Das frühere Awo-Altenheim
Das ehemalige Altenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) wurde vom damaligen Landkreis Neustadt errichtet und 1972 an die Awo Pfalz übertragen. Nach RHEINPFALZ-Berichten aus dem Jahr 2005 gab es Ende der 1990er-Jahre Überlegungen, es zu sanieren. Man kam jedoch zu dem Schluss, dass dies zu teuer sei. Nachdem die Entscheidung für einen Neubau gefasst worden war, war der Plan, Grundstück und Altbau einem Bauträger zum Abriss zu überlassen. Das Altenheim wurde zum symbolischen Betrag von einem Euro an einen Unternehmer aus Bobenheim-Roxheim verkauft. Dieser riss es aber nicht ab, sondern ließ es unverändert stehen. Erst im vergangenen Jahr kam Bewegung in die Sache.
