Die gute Seele RHEINPFALZ Plus Artikel Edmund Sieler zum Ehrenmitglied des TV Weidenthal ernannt

Edmund Sieler turnt am Barren. Der heute 83-Jährige war früher auf allen Gaufesten dabei.
Edmund Sieler turnt am Barren. Der heute 83-Jährige war früher auf allen Gaufesten dabei.

„Ohne die vielen Frauen und Männer, die in Deutschland ein Ehrenamt ausüben, wäre unser Land um vieles ärmer und unser Gemeinwesen nicht denkbar“, hat der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl gesagt. Edmund Sieler, jetzt Ehrenmitglied des TV Weidenthal, ist einer dieser vielen.

Edmund Sieler hat sich schon als Teenager im Verein engagiert, ist von Anfang an dabei: Der heute 83-Jährige ist Gründungsmitglied des TV Weidenthal, war im Januar 1950 bei der Versammlung vor Ort, als im Gasthaus Brubach am alten Bahnhof, später wurde daraus der Birkenhof, der Turnverein nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründet worden ist. „Ich war zufällig mit meinem Vater dabei“, erinnert sich Sieler. „Ich war aber nicht stimmberechtigt, weil ich zu jung war.“ Damals sei er erst 13 Jahre alt gewesen. Er weiß aber noch, dass „etliche Ältere, die vorher schon den Verein geführt hatten“, den Turnverein wieder bestehen lassen wollten. 63 Turnfreunde wählten Otto Theiß seinerzeit zum Vorsitzenden, heißt es in der Chronik des TV Weidenthal.

Bei der Wiedergründung dabei

Vorerst allerdings, erzählt Sieler, hätten nach 1948 nur die Fußball-Clubs wieder gegründet werden dürfen. „Die Turnvereine durften zunächst nicht aufmachen wegen der Parole ,frisch, fröhlich, fromm und frei’“, berichtet der 83-Jährige. Mit dieser Parole hatte einst Turnvater Jahn die deutsche Jugend auf die Sportplätze treiben wollen, um sie wehrhaft zu machen. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hat ihn deshalb in einem Artikel von 2016 als einen „frühen Nationalisten“ bezeichnet.

Weil also der Fußballclub FC Wacker der erste Sportverein vor Ort gewesen sei, „habe ich mich dort vorgestellt und Tischtennis gespielt“, weiß Sieler noch. Als dann der Turnverein gegründet worden sei, sei er dorthin gegangen. Denn seine Eltern seien beide gute Turner gewesen. Den FC Wacker hatte er außerdem verlassen, „weil die Tischtennis-Abteilung zum TV gewechselt ist“.

Als Gastturner im ganzen Tal unterwegs

Obwohl selbst erst 14 Jahre jung, habe er die Turnstunden „gleich in die Hand genommen“. Edmund Sieler: „Ich habe Turn- und Gymnastikstunden gegeben – damals waren wir mit Geräten schon gut bestückt.“ Die Sportler haben sich seinerzeit in der früheren Halle im Sensental bewegt. „Heute ist dort eine Dreherei drin“, weiß der Weidenthaler. Mit 22 Jahren hat er dann aber doch angefangen, Fußball zu spielen. „Ich habe alles gemacht, ich war auch bei den Frauen in der Sportstunde und habe dort mitgemacht – ich war sportverrückt“, erzählt der 83-Jährige und lacht. Weil er vom Sport nicht genug kriegen konnte, ist er als Gastturner in Frankenstein, Neidenfels, Frankeneck, „im ganzen Tal“ unterwegs gewesen. „Teilweise bin ich mit dem Fahrrad zu den Übungsstunden gefahren, später mit dem Motorrad.“ Für seine Eltern sei seine Sportbegeisterung selbstverständlich gewesen. Auch seine Geschwister seien sportlich, seien Fußballer und Langläufer gewesen. „Ich habe von mittags bis abends um zehn in der Turnhalle gestanden und habe sogar noch zu Hause ein Spannreck gehabt und geübt.“ Das Reck habe am Berg hinter dem Haus gestanden. „Das ist von den alten Turnern nicht mehr genutzt worden. Also habe ich’s zurecht gemacht und daran geübt“, erinnert sich Sieler gerne. Er sei auf allen Gaufesten gewesen, „ich war viel unterwegs“. Ab einem gewissen Alter habe er mit dem Fußball aufgehört und sei wieder zum Turnverein gegangen.

Regelmäßig beim Sport

Dort treibt er auch heute noch Sport, vorausgesetzt, das Coronavirus lässt es zu. Einmal pro Woche sei er außerdem zum Bosseln in Frankeneck. „Kegeln geht nicht mehr, weil es hier keine Kegelbahn mehr gibt“, sagt er. Und er ist regelmäßig freitags in der „Er und Sie“-Übungsstunde des TVW von Günter Holz und Günter Ohliger. „Ich wäre heute ohne Sport nicht so mobil“, ist sich der 83-Jährige sicher. Doch bringt ihm die Bewegung nicht nur körperliche Fitness. „Die meisten Freundschaften sind über den Sport zustandegekommen“, hebt Sieler die zahlreichen sozialen Kontakte hervor, die er beim Turnen, Bosseln, Kegeln und Fußballspielen geknüpft hat. „Geselliges Beisammensein spielt eine große Rolle in unserer ,Er und Sie’-Stunde“, pflichtet ihm Übungsleiter Günter Holz bei.

Edmund Sieler (in der zweiten Reihe, hockend) bei einem Turnfest mit seinen Kameraden.
Edmund Sieler (in der zweiten Reihe, hockend) bei einem Turnfest mit seinen Kameraden.
Edmund Sieler ist auch mit 83 Jahren sehr mobil.
Edmund Sieler ist auch mit 83 Jahren sehr mobil.
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