Neustadt
Eberhard Dittus und der „Förderverein Gedenkstätte für NS-Opfer“ mit Neustadter Kulturpreis ausgezeichnet
Dem gewohnten Bild von Kultur entsprächen die Gedenkstätte und Dittus nicht, sagte Michael Landgraf, der die Verleihung moderierte. Doch trage die Gedenkstätte zur Erinnerung an eine Zeit der Antikultur bei. Es sei „ein Stück Geschichte, dem wir uns auch stellen sollten“, betonte Pascal Bender, der Vorsitzende des Stadtverbands für Kultur.
Ohne Dittus gäbe es die Gedenkstätte in der ehemaligen Turenne-Kaserne nicht, darüber waren sich alle Redner an diesem Tag einig. Auch über die Gedenkstätte hinaus habe der 67-Jährige die Gedenkarbeit in Neustadt geprägt, so Weigel. Dittus sei nicht der erste gewesen, der sich in diesem Bereich engagiert hat, doch habe er dafür gesorgt, „dass die Erinnerung nicht endet“.
Weigel: Seine Dickköpfigkeit konnte manchmal schon nerven
In teils launigen Worten erinnerte Weigel daran, wie Dittus mit seiner Dickköpfigkeit manchmal durchaus auch nerve. Er verschwieg nicht, dass es Unstimmigkeiten gab, etwa darüber, was mit der Grabstätte des ehemaligen Gauleiters Josef Bürckel auf dem Hauptfriedhof geschehen soll. Weigel erinnerte, an die Kontroverse zwischen Dittus und Lokalhistorikern über die richtige Bezeichnung für das Lager in der ehemaligen Turenne-Kaserne. Auch ihn habe die Dickköpfigkeit von Dittus „anfänglich irritiert“, gestand der OB. Doch letztlich habe ihn Dittus positiv beeindruckt.
Zu den Leistungen des Geehrten gehöre die Aufarbeitung der Geschichte „des frühen Konzentrationslagers in der ehemaligen Turenne-Kaserne“. Es sei ihm gelungen, Netzwerke zu schaffen, immer wieder neue Mitstreiter, Unterstützer und Sponsoren zu finden und „ganz dicke Bretter“ zu bohren. Er sei der Initiator zur Gründung des Fördervereins im Jahr 2009 und zur Eröffnung der Gedenkstätte im Jahr 2013 gewesen.
„Geschichtswerkstatt“ mit Vorbildcharakter
Die Gedenkstätte für NS-Opfer habe sich mittlerweile zu einer „Geschichtswerkstatt“ und zu einem außerschulischen Lernort entwickelt, sagte Weigel. Hier werde klar, „dass der Schrecken vor Ort begann“ und dass die Opfer Menschen aus dem lokalen Umfeld waren. In Neustadt sei so eine für das Land einzigartige Erinnerungskultur entstanden, betonte Weigel. Das bestätigte Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen.
Weigel bezeichnete Dittus als den „Vater“ der erfolgreichen Gedenkarbeit. Es sei „nicht ganz falsch, dass die Gedenkstätte so etwas wie mein Kind ist“, gestand der Preisträger selbst. Er und Weigel betonten, dass es aber viele Mitwirkende und Unterstützer gegeben habe. Dittus erinnerte unter anderem an die „Urgesteine“, wie den verstorbenen Heiko Müller, wie Gerhard Wunder und Oberkirchenrat Gottfried Müller, der ihm als sein Vorgesetzter bei der Evangelischen Landeskirche die Freiräume für sein Engagement gegeben habe.
Zu diesen „Urgesteinen“ gehört auch der 68-jährige Kurt Werner, der Nachfolger von Dittus als Vorsitzender des Fördervereins ist. „Der Anfang war steinig“, erinnerte sich Werner. Er verriet, dass er und Dittus sich schon aus der Friedensbewegung kennen und aus dieser Zeit gemeinsame Grundüberzeugen geblieben sind.
Ein Vorschlag an den OB
Eberhard Dittus wäre nicht der, der er ist, hätte er an diesem Tag nicht die Gelegenheit genutzt, Weigel eine neue Idee nahezubringen. Er überreichte dem Oberbürgermeister ein Spielzeug-Fernrohr, als Symbol für seinen Wunsch, dass auf dem Vorplatz des Hambacher Schlosses ein Fernrohr mit Ausrichtung auf die Gedenkstätte aufgestellt werden solle. Es werde Dittus sicher „gut tun“, wenn er auf seinen Arzt höre und sich der Gartenarbeit und seinen Enkelkindern widme, meinte Weigel.
Die Gäste der Verleihung kamen in den Genuss eines kleinen Konzertes, die hervorragenden Darbietungen von Fritz Burkhardt (Klavier), Nico Schwinn (Klavier), Anna Jung (Klavier), Benedikt Jahn (Tenorhorn), Juliane Flaksmann (Violoncello) waren weitaus mehr als eine „musikalische Umrahmung“.