Die Ortsteile vor der Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel Duttweiler: Alle lieben den Dorfcharakter

Wichtiges Angebot für Duttweiler: das Freibad.
Wichtiges Angebot für Duttweiler: das Freibad.

Rund 1000 Menschen leben in Duttweiler. Neun von ihnen engagieren sich im Ortsbeirat und gestalten so die Dorfentwicklung mit. Vor der Wahl am 9. Juni steht eine große Veränderung bereits fest. Dafür ist bei einem Aufregerthema Ruhe eingekehrt.

Wenn die Duttweilerer sich die Wahlunterlagen anschauen, werden sie vielleicht kurz staunen. Denn bei den Listen für den Ortsbeirat fehlt die SPD. „Aus Altersgründen“, erklärt Andreas Böhringer, vom SPD-Ortsverein Neustadt kandidiere dieses Mal niemand: „Walter Scharfenberger war ja viele Jahre engagiert im Ortsbeirat für die SPD aktiv.“ Trotzdem werden im neuen Ortsbeirat wieder drei Gruppierungen vertreten sein, denn mit den Grünen gibt es einen Neuling auf der örtlichen Politik-Bühne.

Was Jenny Herrmann als Spitzenkandidatin an Themen nennt, passt ziemlich gut zum kleinsten Neustadter Weindorf. Sie empfinde den Ortsteil als den „mit dem stärksten Dorfcharakter“, sagt Herrmann. Das mache für sie auch den „besonderen Charme“ aus. Die Gemeinschaft und Verbundenheit untereinander präge den Ort. Daher will die Grüne diese „weichen Standortfaktoren erhalten und fördern“. Sie nennt dabei die Bäckerei, die Winzer sowie die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Wichtig sei ferner, die Infrastruktur weiter zu stärken und den Tourismus zu fördern.

Themen von CDU und FWG

Bei der Wahl 2019 haben FWG und CDU je vier Sitze errungen, die SPD gewann ein Mandat. Wie sehr Duttweiler vom Gemeinsinn geprägt ist, merkt man im Gespräch mit den Sprechern der beiden großen Fraktionen im Ort. Für die CDU verdeutlicht Ortsverbandsvorsitzende Gabi Lützel (Ehefrau von Ortsvorsteher Kay Lützel), dass es darum gehe, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Dorfbewohner einzugehen und als Ortsbeirat und Ortsvorsteher „ein Sprachrohr für die Bürger“ zu sein. Auch die CDU will die ehrenamtliche Arbeit in Duttweiler fördern und plant Willkommenspakete für Neubürger. Außerdem werde angestrebt, die Dienstleistungsmöglichkeiten der Stadtverwaltung zu erweitern, die man direkt auch in der Ortsverwaltung erledigen könne. Wichtig sei ferner der Ausbau des Stromnetzes. Außerdem unterstützt die CDU die Kandidatur von Kay Lützel.

Wer mit Udo Scheid (FWG) spricht, hört ähnliche Töne: „Ganz wichtig ist, dass wir gemeinsam mit den anderen Parteien die Themen angehen.“ Zum einen wolle er sich dafür einsetzen, „dass die Stadt ihre Informationspflicht erfüllt“. Zuletzt habe es die Verwaltung versäumt, die Verantwortlichen in Duttweiler zu informieren, dass am Dorfwiesenweg Arbeiten stattfinden. „Plötzlich standen Bagger und Lkw da“, ärgert sich Scheid. Da er mit den Arbeiten zudem nicht einverstanden ist, „fordern wir die Wiederherstellung des Wegs, er ist wichtig für Spaziergänger und Radfahrer, aber in der aktuellen Form kaum nutzbar“. Außerdem wichtig, so Scheid: Verbesserungen beim Busangebot, speziell für Schüler, sowie die Sanierung der Festhalle.

Geothermie im Blick

Ortsvorsteher Kay Lützel tritt wie 2019 als unabhängiger Kandidat an. Vor fünf Jahren bekam er 85 Prozent der Stimmen und hatte eine Gegenkandidatin von der SPD. Dieses Mal steht nur sein Name auf dem Wahlzettel. Mit einer Motorrad-Tour nach Tschechien hat Lützel rund um Christi Himmelfahrt noch einmal Kraft getankt. Einmal im Jahr ist er mit Freunden für so eine Tour unterwegs.

Kay Lützel
Kay Lützel

Ansonsten ist er ein großer Duttweiler-Fan , weshalb er sich dort auch gerne engagiert. Zunächst 24 Jahre lang als Vorsitzender des Fördervereins, der sich ums Freibad kümmern. Und seit fünf Jahren als Ortsvorsteher. Lützel geht vieles pragmatisch an. So sieht er auch den Wahlkampf. Da würden jetzt eben mal sechs Wochen etwas andere Töne angeschlagen. „Aber wichtig ist, dass wir nach der Wahl gemeinsam nach vorne gehen“, betont der 58-Jährige. Ihm sei ein gutes Miteinander im Ortsbeirat extrem wichtig. Dazu zähle auch eine intensive Debatte und das Ringen um die richtige Lösung, aber danach „sitzen wir oft noch bei einer Flasche Wein zusammen, das gehört sich so“.

Duttweiler als Pilotprojekt?

Lützel ist vor allem wichtig, dass die Wohnqualität erhalten bleibt. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen in Duttweiler.“ Dazu zähle auch der Erhalt der Infrastruktur mit Winzern, Bäcker und Schwimmbad. „Ich bin immer gerne bei den Vereinen, denn da erfährt man, wo die Leute der Schuh drückt“, sagt Lützel.

Daher will er die Abläufe rund um die von vielen genutzte Festhalle optimieren und geht mit Ortsbeiratsmitgliedern überall durchs Dorf, wo schon Glasfaser verlegt worden ist. „Wir schauen, wo es Mängel oder Schäden gibt. Solange die Firma noch da ist, kann man das gleich regulieren“, so Lützel. Ein Auge habe er zudem aufs Thema Geothermie. Die von Vulcan Energie geplante Anlage bei Geinsheim hat auch die Duttweilerer auf den Plan gerufen. Über die Rückendeckung des Ortsbeirats hat Lützel eine Initiative gegründet, die sich informiert und Fragen stellt. Es sei sehr wichtig, bei solchen Themen am Ball und kritisch zu sein, betont der Ortsvorsteher. Aktuell sei zwar Ruhe eingekehrt, aber er werde reagieren, wenn es nötig werde.

Ein Thema möchte Lützel noch einmal angehen. Er habe den Stadtwerken schon vorgeschlagen, Duttweiler zum Pilotprojekt zu machen und die Dächer im Ort komplett mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Wichtig wäre dann noch ein Speicher, „dann wäre Duttweiler komplett autark“.

Die Kandidatenlisten

CDU: Michael Mathäß, Reiner Bossert, Jutta Orth, Steffen Hartung, Silke Göb, Thorsten Brieskorn, Gabi Lützel, Peter Brauch, Wolfgang Spies

FWG: Udo Scheid, Sylvia Ey, Sonja Jakobi, Helene Geißler, Steffen Braun, Lisa Momm, Volker Syring-Lingenfelder, Patrick Lagas, Karl-Heinrich Momm

Grüne: Jenny Herrmann, Jasmin Gundlach-Fuchs, Anton Allmann

Zur Sache: Der Ortsvorsteherkandidat

Kay Lützel

  • 58 Jahre alt
  • Systemengineer
  • aufgewachsen in Haßloch, wohnt seit 1988 in Duttweiler
  • verheiratet, drei Kinder, drei Enkel
  • 24 Jahre in der Feuerwehr aktiv
  • 24 Jahre lang Vorsitzender des Fördervereins Schwimmbad Duttweiler
  • fährt gerne Motorrad und kocht gerne
  • Ortsvorsteher seit 2019, parteilos

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