Neustadt „Durch die Bank übergewichtig“
Bei einer Razzia in den Häusern einer Tierärztin in der Südpfalz and die Polizei Ende April neben 44 Hunden und drei Kängurus auch 18 Katzen. Viele der Miezen kamen bei der Tierinsel in Bornheim unter. Die Tiere haben sich inzwischen von der Qual etwas erholt.
Bei der Tierinsel in Bornheim sind 16 der Katzen, die bei der Razzia gefunden wurden, untergekommen. Inzwischen wurden bereits sieben Katzen an neue Besitzer vermittelt. „Viele Leute sind auf uns zugekommen, weil sie den Tieren helfen wollten“, sagt Birgit Bosch, stellvertretende Vorsitzende der Tierinsel Bornheim. Die übrig gebliebenen neun Katzen wollen die Tierschützer aber noch nicht zur Vermittlung freigeben, weil sie noch ziemlich scheu seien. Nicht alle, die an der Tür der Tierinsel klopften, um einer der Katzen ein neues Zuhause geben zu wollen, wirkten vertrauenswürdig. „Es waren einige Leute dabei, die zuvor ihre Katze bei der Tierärztin abgegeben hatten. Das heißt: Sie wollten sie eigentlich loswerden. Und jetzt möchten sie ihr Tier plötzlich wieder zurück. Das ist schon ziemlich komisch. Deshalb sind wir sehr vorsichtig“, sagt Bosch. Bis 2006 habe die Tierinsel mit der beschuldigten Tierärztin zusammengearbeitet. Seither gebe es keine Kooperation mehr. Den Tieren gehe es inzwischen besser, sie seien körperlich in einem relativ guten Zustand. „Aber sie sind durch die Bank übergewichtig“, sagt Bosch. Man merke den Katzen an, dass sie kaum Bewegung bekommen hätten. Zudem seien alle sehr zurückhaltend, was darauf hindeute, dass sie mit Menschen praktisch nicht in Kontakt gekommen seien. „Es wurde ihnen einfach nur das Futter hingeknallt“, echauffiert sich Bosch. Unter den Katzen seien außergewöhnlich schöne Exemplare mit Fellfärbungen, die relativ selten seien: etwa rot- oder cremefarben. Die Tiere seien zwischen einem Jahr und etwa zwölf Jahren alt. Es gebe Mischlinge, Britisch Kurzhaar und eine Siamkatze, sagt Bosch. Vom Anwalt der Tierärztin, Stefan Beck, bekomme die Tierinsel pro Tag für jede Katze sieben Euro für die Versorgung, das decke die Kosten, erklärt die Tierschützerin. Wie mehrfach berichtet, soll die 50-jährige Tierärztin die Tiere nicht artgerecht gehalten haben. Zudem wird sie verdächtigt, tierärztliche Leistungen abgerechnet zu haben, die sie aber nie erbracht haben soll. Der Fall hatte über die Kreisgrenzen hinweg für Schlagzeilen gesorgt. Derweil dauern die Ermittlungen an, teilt die Staatsanwaltschaft Landau auf Anfrage mit. Anwalt Stefan Beck möchte sich in den kommenden Wochen gegenüber der RHEINPFALZ äußern, wenn er Einsicht in die Akten genommen habe, sagt er.