Neustadt Dunkle Geschichten im dunklen Zimmer

Maikammer. Im Alter von 16 Jahren verfasste Freddy Mork seine erste Fabel. „Eine furchtbar schlechte“, wie der heute 25-Jährige findet. Aber der Lyrik- und Märchen-Fan gab nicht auf, las viel und schrieb weiter. In diesem Jahres veröffentlichte er über den in Karlsruhe ansässigen Brot & Kunst Verlag seinen ersten kleinen Lyrik-Band „Das blaue Kabinett“ – ein Märchenbuch soll bald folgen.
Durch Zufall, „über Freund kennt Freund“, erzählt Mork, sei er vor einiger Zeit beim Brot & Kunst-Verlag gelandet und ist seitdem einer von inzwischen neun kreativen „Kumpanen“, wie sich die jungen Mitglieder dieses Verlags nennen, der erst vor vier Jahren von Florian Arleth gegründet wurde. Die Liebe zur Dichtkunst ist es, die die „Kumpane“ vereint, und so treten diese regelmäßig auf Lesebühnen oder in privaten Wohngemeinschaften auf, um ihre poetischen Werke einem interessierten Publikum vorzutragen. „Schreibt im kleinen dunklen Zimmer kleine dunkle Geschichten“ ist auf der Internetseite des Verlags über Mork zu lesen, der laut Geburtsurkunde Frederik heißt. Besagtes Zimmer unter dem Dach im Haus seiner Eltern in Maikammer ist zweifellos das Zimmer eines Individualisten. Ein bisschen dunkel, ja, aber gar nicht sooo klein, eher vollgestopft. Mork sitzt auf der Bettkante. Er spricht leise, scheint sich mit dem plötzlichen öffentlichen Interesse an seiner Person etwas unbehaglich zu fühlen. Die zusammengewürfelten Möbel zeigen deutliche Gebrauchsspuren, die braune Ledercouch, auf der er oft beim Schreiben seiner Texte sitzt, hat Kult-Charakter. Auf dem schweren Ledersessel liegt ein Stapel Langspielplatten, und im Bezug des Schreibtischstuhls klafft ein Loch. „Na und?“, findet Mork und lässt ein kurzes amüsiertes Lächeln hinter der schwarz umrandeten Brille aufblitzen, „ansonsten ist der aber noch ganz gut zu gebrauchen.“ An seine Texte stellt Mork deutlich höhere Ansprüche. Nur einen Bruchteil dessen, was er auf althergebrachte Weise zuerst einmal mit dem Stift zu Papier bringt, hält er für Wert, Kumpan Florian vorgelegt oder einem Publikum vorgetragen zu werden. Seine Lyrik mutet auf den ersten Blick schwermütig an, seine Ausdrucksweise oft hermetisch. Von einer „grauen porösen Wiese“ ist in seinem Lyrik-Band einmal die Rede, in einem anderen Gedicht „schleckt“ ihm „eine Peitsche über den Rücken“, und der gute Mensch nimmt „allmächtige Schweinsgestalt“ an. Egal, ob Morks Texte einen ansprechen oder nicht, auf jeden Fall beeindrucken sie durch ihre interessanten Wortkreationen, (die „Scherzartikelhand“ ) und die zahlreichen, oft bizarren Bilder, die er mit Worten malt. So manches lässt auch auf seelische Grenzerfahrungen und tiefes Misstrauen des jungen Verfassers gegenüber den Menschen schließen. Nein, sagt er, er renne nicht chronisch depressiv durch die Gegend, aber das Schreiben bringe ihm einfach mehr in Zeiten, in denen es ihm nicht so gut gehe. „Lyrik ist für mich so etwas wie ein gedichtetes Tagebuch“, erklärt der ehemalige Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Neustadt, „wenn′s mir gut geht, schreibe ich eher Prosa“. Gut geht es ihm auch, wenn er an seinem Märchenbuch arbeitet, das laut Chef-Kumpan Florian ein fröhliches Buch werden wird und „hoffentlich“ in einigen Monaten veröffentlicht werden kann. „Ja, Freddy ist schon eher introvertiert“, erzählt Arleth, „aber trotzdem ist er einer der lustigsten Menschen, die ich kenne. Er hat einen ganz großartigen Sinn für Humor. Außerdem ist er einer der Wenigen, der auch mal einfach nur schweigen kann.“ Inzwischen sind auch die Veranstalter der Landesgartenschau 2015 in Landau auf die „Kumpane“ aufmerksam geworden und haben um die Organisation von Lesungen gebeten, mit der Mork nun beauftragt ist. Ob er eines Tages von seiner Lyrik leben möchte? Wieder lächelt Mork amüsiert: „Na, schön wär′ das schon, aber ich bezweifle mal, dass ich mit einer solchen Frequenz brauchbare Texte schreiben kann, dass man davon leben könnte.“